Köstliche musikalische Leckerbissen
Im Merian Park rund um den Brüglingerhof in Basel eröffnete das Sinfonieorchester Basel mit einem kurzweiligen «Tag der Musik» die Saison 2010/2011.
Es kommt wohl eher selten vor, dass zwischen einem klassische Musik interpretierenden Ensemble und seinem andächtig lauschenden Publikum ein paar skrupellose Velofahrer vorbeiradeln. Bei einem Konzert im malerischen Merian Park rund um den Brüglingerhof in Basel kann das schon mal vorkommen, wie man beim «Christoph Merian Tag» anlässlich der Eröffnung der Saison 2010/2011 des Sinfonieorchesters Basel erleben konnte. An diesen «Tag der Musik» präsentierte sich das Orchester einer breiten Öffentlichkeit, indem dessen Musiker in verschiedenen Ensembles unter freiem Himmel kammermusikalische Werke zur Aufführung brachten.
So konnte man beispielsweise dem «Basler Gongspiel», ein Ensemble, das sich aus vier Perkussionisten des Sinfonieorchesters zusammensetzt, lauschen. Es eröffnete sein rund dreissig Minuten dauerndes Konzert auf der Bühne vor dem Kutschenmuseum mit einem wuchtigen Schlag auf einem knapp einen Meter messenden Gong, dessen tiefer Ton den Hof vor dem Gebäude durchflutete. «Gonzeit» lautete der Titel dieses von Barni Palm geschriebenen Stücks, in dem die vier Musiker auf unterschiedlich grossen Gongs durch viele Wiederholungen von Klangmotiven eine fast meditative Stimmung erzeugten.
Irisierend wie klingende Kristalle schoben sich dann mehr und mehr helle Klänge über das warme Tongeflecht der Gongs. Mit Autofelgen, Metallröhren, -platten und -ringen, die an einem baumartigen Gestell aufgehängt waren, übernahm Domenico Melchiorre mit seiner Klanginstallation «Alberto Sonoro» das Zepter. Dieser flirrende Klangrausch wiederum wurde durch den Rhythmusteppich «Interlud No. 4» von Siegfried Kutterer abgelöst, den das Quartett mit unterschiedlichen Perkussionsinstrumenten die Musik zum Pulsen brachte.
Fast ein wenig auf die Piazza San Marco in Venedig versetzt wiederum fühlte man sich im Garten hinter der Villa Merian, wo Valentina Jacomella und Rodica Kostyak Stücke aus Robert Fuchs (1847-1927) «20 Duette» für zwei Violinen, op. 55 interpretierten. Ähnlich wie in der Lagunenstadt plauderte und tändelte das Publikum unter Sonnenschirmen an kleinen Tischen bei Kaffe und Kuchen, während unter einem Baldachin auf einem pavillonartigen Potest die beiden Violinistinnen Fuchs unterhaltsam-heitere Musik zu Besten gaben.
Am dritten Schauplatz dieses kleinen Klassik-Festivals auf der Bühne im Hof bei der Orangerie schliesslich liess das Devienne Quartett François Deviennes (1759-1803) Quartett in C-Dur, op. 73 Nr. 1 mit der ungewöhnlichen Besetzung zwei Violinen, Violoncello und Fagott aufleben. Souverän interpretierte David Schneebeli auf dem Fagott seine spieltechnisch anspruchsvoll klingende Partie, die steckenweise ein wenig an ein kleines Solokonzert für Fagott erinnerte.
Viele weitere köstliche musikalische Leckerbissen standen im Verlauf dieses «Tages der Musik» noch auf dem Programm, das um 19 Uhr mit einem grossen Konzert des Sinfonieorchester Basel unter der Leitung von Mario Venzago mit Werken von Händel, Rimskij-Korsakov, Offenbach und Beethoven abschloss.
Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung