Ein magisches Trio
Jazzfestival Basel - Richard Galliano, Didier Lockwood, Biréli Lagrène setzten ein würdiges Finale.
Es ist oft angebracht, Slogans, die in Programmheften der Festivals den einzelnen Konzerten verpasst werden, ein gewisses Misstrauen entgegen zu bringen, neigen diese doch nicht selten zu Übertreibungen. Im Falle des Trios Richard Galliano (Akkordeon), Didier Lockwood (Violine) und Biréli Lagrène (Gitarre) allerdings, das dem Jazzfestival Basel 2012 im Musiksaal des Stadtcasino Basel den Schlusspunkt setzte, erwies sich die Vorankündigung «The Magic Trio» als angebracht. Das war wahrhaftig magisch, was diese drei Spitzenmusiker, die mit Fug zur Crème der französischen, ja der europäischen Jazzszene gerechnete werden müssen, an diesem Abend zu bieten hatten.
Mit einem gelungenen Mix diverser Stilrichtungen ist es dem Trio gelungen, ein abwechslungsreiches Programm zu gestalten. Neben der eigentlichen Basis, dem Jazz waren da immer wieder auch Elemente aus Filmmusik, dem argentinischen Tango oder der französischen Musette zu hören. Und auch wenn das Trio offenkundig keines ihrer Stücke spielten, so schwebten doch die meiste Zeit die Geister des Gitarristen Django Reinhardt und des Jazzgeigers Stephan Grappelli, den Urväter des französischen Jazz, im Raum. Nicht dass die Musiker ihre grossen Vorbilder billig kopiert hätten: Mit einem modernen, relativ geraden Ton, frei von übertriebenen sentimentalen Klischees beispielsweise spielte Didier Lockwood auf seiner Violine. Wenn der Musiker allerdings solierte, überzeugte er durch seine lodernde Intensität und wenn der Geiger beispielweise im Jazzstandard «Autum Leaves» im höchsten Flageolett mit zartem, gläsernem Ton das Thema spielte, dürfte nicht wenigen im Publikum ein wohliger Schauder über den Rücken gerieselt sein.
Der Gitarristen Biréli Lagrène wiederum erwies sich nicht nur als hervorragender Solist, er bildete über weite Strecken auch das swingende Fundament des Trios, das locker eine Rhythmusgruppe ersetzen konnte. Mit perfektem Timing legte der Gitarrist auf der tiefsten Saite Basslinien, die er mit makellos geschlagenen Akkorden harmonisierte.
Für einen Hauch Tango und französische Musette wiederum war der Akkordeonist Richard Galliano zuständig, der allerdings auch in Jazzstandards wie etwa im Duke Ellington-Klassiker «In A Sentimental Mood» durch emotionsgeladenes Feuer zu überzeugen vermochte. In solchen Momenten beeindruckte der Akkordeonist nebst seiner makellosen Fingertechnik im Besonderen auch durch seine einfühlsam gestaltete Melodik.
Einer der Höhepunkte des Abends aber bildete ein mit viel Spielwitz ausgestalteter Blues, den die drei Musiker mit speziellen, humorvoll konturierten Instrumentaltechniken einleiteten. Mit hinreissender Verve schmolz da das Trio Richard Galliano, Didier Lockwood und Biréli Lagrène zur soliden Einheit zusammen, in der jeder der Drei mit geschärften Sinnen auf jede musikalische Regungen seiner Kollegen feinfühlig reagierte.
Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung