Rolf De Marchi

April 22, 2017

Die Blues Caravan on tour

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 9:52 am

Wie schon die letzten Jahre hinterlässt die «Blues Caravan» auch in der Schweiz eine Spur zufriedener Fans.

Normalerweise sind Karawanen in der Wüste unterwegs. Momentan aber zieht eine Karawane mitten durch Europa und hat auf ihrem Weg in Fricks Monti im nördlichen Aargau ihre Zelte aufgeschlagen.
Jedes Jahr organisiert das deutsche, auf Blues- und Bluesrock spezialisierte Plattenlabel Ruf Records die «Blues Caravan». Bei diesem Projekt wird in jährlich wechselnder Besetzung eine Gruppe von Musikern zusammengestellt, die durch Europa, den USA und Australien tourt. So auch dieses Jahr, wo das Label drei Musiker ausgewählt hat, die aus unterschiedlichen stilistischen Ecken kommen.
Der britische Sänger Si Cranstoun bestritt den ersten Part des Abends. Der Londoner hat sich auf Vintage Sound der 1950er- und 60er-Jahre spezialisier. Lustvoll verbindet er Elemente aus Soul und R’n’B mit Jive zu einem spritzigen Gemisch. Cranstoun war in seinem früheren Leben als Strassenmusiker unterwegs. So hatte er gelernt, die Aufmerksamkeit seines Publikums zu gewinnen. Dazu seine silberig-helle Stimme, die perfekt zum spritzig swingenden Sound passte. Musik, die wie Champagner berauschte und in die Beine ging.
Abrupt dann der Stilwechsel im zweiten Teil des Abends. Jetzt war Funk angesagt, in dem sich die aus Philadelphia stammende Sängerin und Altsaxophonistin Vanessa Collier hörbar wohl fühlte. 2014 hatte die Sängerin ihr Debutalbum „Heart, Soul & Saxophone“ herausgebracht, das in Dan Aykroyd’s Radioshow mit „magnificent“ belobigt wurde. Aus diesem Album interpretierte Collier mit ihrer Soul geprägten Stimme funky groovende Songs wie «Tongue Tied» oder «Keep It Saxy». Überraschend waren die Solos der Saxophonistin, in denen sie sich fast wie gefangen ausschliesslich in der pentatonischen Skala bewegte. Praktisch keine chromatischen Abweichungen, erstaunlich für eine Absolventin des Berklee College of Music.
Als äusserst flexibel erwies sich die erstklassige Begleitband der Blues Caravan. Cesare Nolli (Gitarre), Roger Inniss (Bass) und Markku Reinikainen (Drums) meisterten jeden Stilwechsel souverän. Als der US-amerikanische Bluessänge Big Daddy Wilson die Bühne betrat, tauchte die Band ab zu den Wurzel des Blues. Wilson wurde vor über 50 Jahren in North-Carolina geboren und machte eine Karriere als Soldat der US-Armee in Deutschland. Dort entdeckte er seine Liebe zum Blues, der sein Leben änderte. Mit machtvoller Stimme erdete der gewichtige Mann Songs aus seinem letzten Album «Neckbone Stew».
Nachdem die komplette Blues Caravan mit Klassikern wie «Twistin’ The Night Away» diverse Tanzbeine in Schwung gebracht hatte, brach sie ihre Zelte in Fricks Monti ab und zog weiter Richtung Moods in Zürich.

Erschienen im «Jazz and more»

April 10, 2017

Das Blues Festival Basel 2017

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 12:34 am

Im Vorfeld des Festivals erhielt der britischen Bluesrock-Gitarrist und Sänger Aynsley Lister viele Vorschusslorbeeren. Hoch waren auch die Erwartungen, weil Lister gleich drei weitere hervorragende Bluesrockgitarristen zu seinem Gig auf der Bühne des Volkshauses Basel eingeladen hatte: Laurence Jones, Ben Pools und Stivie Nimmo. Doch dann machte sich zuerst einmal Ernüchterung breit: Weichgespült fast wie die Musik einer Popband wirkte der Sound der Band und Listers jungenhaft brave Stimme liess auch kein rechtes Blues-Feeling aufkommen.
Mit dem ersten Gastmusiker, dem britischen Gitarrist Laurence Jones, nahm die Sache dann aber Fahrt auf und als der britische Gitarristen Ben Poole die Stelle von Jones einnahm, ging’s richtig los. Deftiger, in die Beine gehender Sound vermochte zumindest die Fans des Bluesrock zu überzeugen. Schliesslich übernahm Stevie Nimmo aus Schottland die Rolle des Gastes. Allein durch seine physische Präsenz dominierte der Schotte die Bühne. Dazu kam Nimmos kraftvolle Bluesstimme und sein donnernder Gitarrenton; er war der Platzhirsch, ohne Zweifel.
Noch deftiger ging es am folgenden Abend mit dem kanadischen Gitarristen Philip Sayce weiter. Das Trio spielte harten, mitreissenden Bluesrock und Sayce vermochte vor allem durch seine helle, energiegeladenen Stimme und seinem mächtigen Gitarrenton zu überzeugen.

Blues Festival Basel - Eine Bilanz

Viele Festival-Besucher sind der Meinung, dass die 18. Ausgabe des Blues Festival Basel 2017 ein voller Erfolg gewesen ist. Tolle Sängerinnen, grandiose Gitarristen und der Heimwehbasler Sam Burckhardt, der einmal mehr eine tolle Band aus Chicago nach Basel gebracht hat. Sie sind zufrieden.
Es gibt aber auch andere Stimmen. Im Besonderen unter den glühenden Bluesfans sind nicht wenige, die den Überhang des Bluesrock im Programm monieren. Sie beklagen, dass der akustische und der klassische City Blues in der Tradition eine B.B. King oder Buddy Guy zu kurz gekommen ist.
Auch wird die Gefahr thematisiert, dass sich das Festival mehr und mehr in einer kuscheligen Blase abkapselt und die musikalische Welt ausserhalb nicht mehr richtig wahrnimmt. Was für Bands und Musik programmieren andere Festivals und Konzertveranstalter? Was passiert in der aktuellen Bluesszene? Welche Bands sind Top, welche Newcomer sind am abheben?
So wird beispielsweise Jahr für Jahr aus nostalgischen und persönlichen Gründen der Samstag Abend ausschliesslich mit Blues aus Chicago blockiert. Dabei wird ignorieren, dass im Rest der USA an vielen Orten in punkto Blues mindesten so viel los ist wie in Chicago. Louisiana, Mississippi, Texas, Westküste, überall sind Top Acts unterwegs, die den meisten europäischen Blues Musikern und Bands nur so um die Ohren spielen. Bei allem Respekt, da können selbst die Blues begeisterten Engländer nicht mithalten.
Man vermisse einen roten Faden, wird beanstandet. Alles wirke, wie zufällig zusammengewürfelt: Eine englische Country Musikerin, die hörbar nicht im Blues heimisch ist (Sarah Jory); eine amerikanische Singer/Songwriterin, in deren Musik der Blues eine untergeordnete Rolle spielt (Dana Fuchs); nicht besonders innovative Boogie Woogie Pianisten (Axel Zwingenberger und Ben Waters); eine Soul-Funk Sängerin mit einer guten Stimme, aber unmotivierter Band (Tasha Yaylor); ein ewiger Gast aus Chicago (Sam Burckhardt); alles werde wahllos in den Korb gestopft.
«Man muss Musik programmieren, die das Publikum mag,» wird als Gegenargument ins Feld geführt. Nicht sehr stichhaltig! Jahr für Jahr stellt das Lucern Blues Festival ein attraktives Programm auf die Beine, das den Blues mit allen seinen Facetten auf sehr hohem musikalischen Niveau beleuchtet und die Säle des Grand Casino Luzern sind immer bis auf den letzten Platz voll!

April 6, 2017

Mehr oder wenig Überraschendes

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 1:01 pm

Vom 4. bis 9. April geht das 18. Blues Festival Basel 2017 über die Bühne des Volkshauses Basel. Eine Zwischenbilanz.

«Es läuft gut» meint Louis van der Haegen, der Gründer und langjährige Präsident der Blues Festival Basel. «Die beiden ersten Konzertabende waren gut besucht, wir sind sehr zufrieden» ergänzt der 82-jährige, den seine Freunde «Mr. Blues» nennen.
Tatsächlich gab es schon am ersten Konzertabend eine Überraschung, wo in der Promotion Night fünf von einer Jury nominierten Schweizer ‚Nachwuchsbands’ ihr Können unter Beweis stellten. Das musikalische Niveau der Newcomer war wesentlich höher als in den vergangenen Jahren. Die Ausscheidung gewonnen hat die Luzerner Band «Estella Benedetti & Michael G. Band» und darf als Belohnung nächstes Jahr am Blues Festival Basel 2018 im Hauptprogramm bei den grossen Bands mitspielen.
Eingefleischte Bluesfans, die zum zweiten Konzertabend kamen, machten sich möglicherweise Sorgen wegen der britischen Pedal Steel Guitar Spielerin, Gitarristin und Country Sängerin Sarah Jory. Würde sie mit ihrer Country-Musik in das Programm des Blues Festival passen? Die Überraschung: Sarah Jory stellte ihre Setliste um, so dass überwiegend Bluesstücke auf der Liste standen. Beeindruckend, wenn Sarah Jory auf ihrer Pedal Steel Guitar eine Ballade anstimmte und ihr ausdrucksstarkes Instrument zum Singen brachte. Da gab es feuchte Augen.
Ein Höhepunkt des Abends war die Übergabe des «Swiss Blues Award» durch Regierungsrat Baschi Dürr. Den Preis entgegen nehmen durften Hannes Anrig und Fabio Lafranchi, die seit 2002 kompetent das Vallemaggia Magic Blues Festival im Tessin organisieren.
Den Abschluss machten die beiden Boogie Woogie-Pianisten Axel Zwingenberger und Ben Waters mit seiner Band. Boogie Woogie, Jump Blues und Rhythm ’n’ Blues eines Jerry Roll Morton oder Louis Jordan standen auf dem Programm. Nichts Überraschendes, könnte man meinen. Aber immerhin: Ben Waters hatte seinen 17-jährigen Sohn Tom mitgebracht, der auf seinem Altsaxophon in diesen Musikstilen auf erstaunlich hohem Niveau zu improvisieren verstand.

Noch zwei Tage

Auf der Bühne des Volkshauses Basel stehen noch zwei Konzertabende auf dem Programm. Heute Freitag um 20 Uhr eröffnet der kanadische Bluesrockgitarrist und Sänger Philip Sayce den Abend. «Ich wurde in Wales geboren, meine Eltern emigrierten dann aber nach Toronto, Kanada, wo ich aufwuchs» meint Sayce. «Schon in England waren meine Eltern grosse Musikfans, so dass ich mit der Musik von Eric Clapton, Buddy Guy und Marc Knopfler aufwuchs. Neben Clapton aber hat vor allem Stevie Ray Vaughan mein Gitarrenspiel beeinflusst.» Das hört man. Wie die meisten Bluesrockgitarristen seiner Generation lässt Philip Sayce die Finger gerne mit irrwitzigem Tempo über die Saiten seines Instruments gleiten.
Der Zweite Act heute Freitag, die amerikanische Sängerin Dana Fuchs, wird oft mit der legendären Blues-Sängerin Janis Joplin verglichen. Was Dana Fuchs rauchige Stimme betrifft, mag der Vergleich angehen, was allerdings die emotionale Tiefe der grossen Joplin angeht, sind Zweifel angesagt.
Bleibt noch morgen Samstag Abend, 8. April, wo «alle Jahre wieder» angesagt ist. Wie schon seit einer gefühlten Ewigkeit wird auch dieses Jahr wieder der ewige Dauergast und Saxophonist Sam Burckhardt aus Chicago mit einer Crew professioneller Musiker aus der «Windy City» auf der Bühne stehen. Es ist müssig, jedes Jahr dieselbe Geschichte vom Basler Saxophonisten zu erzählen, der nach Chicago ausgewandert ist und dort als Profimusiker in der lokalen Bluesszene Karriere gemacht hat. Es wird gute Musik zu hören sein, aber Überraschendes ist da mit Gewissheit nicht zu erwarten.

Februar 27, 2017

Humor als Katalysator

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 1:27 am

Die Riviera Jazz Connection überzeugte nicht nur musikalisch, sie gewann ihr Publikum auch durch Humor und Charme.

Für gute Musik ist Humor keine zwingende Vorraussetzung. Schaden tut er aber auch nicht, im Gegenteil, er kann sogar als Katalysator dienen. Dass diese Behauptung stimmt, bewies die Jazzband Riviera Jazz Connection anlässlich eines Konzertes im Schützen Kulturkeller in Rheinfelden. Mit ihrer erfrischend humorvollen Art eroberten die sechs Musiker die Herzen ihres Publikums im Fluge. Der Abend wurde vom Verein “Ja-ZZ“ durchgeführt, der schon seit Jahren im Schützen Kulturkeller als Konzertveranstalter Gastrecht geniesst.
Die Riviera Jazz Connection wurde 2005 in Montreux gegründete und hat sich auf den klassischen Jazz des frühen 20. Jahrhunderts spezialisiert. New Orleans, Charleston, Blues und Swing hin bis zum Creole Jazz finden Eingang in ihr Repertoire. Dabei bemüht sich die Band, weniger ausgetretene Pfade zu beschreiten und nicht die immer gleichen Stücke ihrer grossen Vorbilder zu spielen. So spielte die Band von Louis Armstrong etwa das weniger bekannte „Mac The Knife“ oder das selten zu hörende „Ce monsieur qui parle“ von Sidney Bechet.
Besonders gelungen aber waren von der Band selber erstellte Arrangements wie etwa das Walliser Volkslied „La haute sur la montagne“, das die Band mit einem kräftigen Schuss Latin-Sound aufmischte. Gut gewürzt mit humorvollen Glossen und kleinen, slapstickartigen Gesangseinlagen spielte die Connection dieses populäre Volkslied. Dabei kamen auch die musikalischen Aspekte nicht zu kurz: Bassist Patrick Perrier und Schlagzeuger Gianni Solinas legten die solide Basis, Pianist Paul Kapp und Gitarrist und Banjospieler Pierre Ponnaz setzten das stützende harmonische Gerüst und die beiden Solisten - an der Trompete und dem Flügelhorn Denis Michel sowie auf der Klarinette und den Saxophonen Marc Sturzenegger - gaben der Musik der Riviera Jazz Connection Substanz und architektonisches Raffinement.

Februar 23, 2017

Eine Stimme wie ein Truck

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 2:48 am

Die rührige Basler Konzertvereinigung Groove Now präsentierte im legendären Basler Restaurant Atlantis «The Blues Giants» mit dem Sänger Sugaray Rayford, den Gitarristen Mike Zito und Albert Castiglia, dem Bassisten Willie J. Campbell und dem Drummer Jimi Bott.

«This is not a concert, this is a party!» Diesen Satz rief Bluesmann Sugaray Rayford mehrmals in den Raum des vollbesetzten Basler Restaurant Atlantis. Und das Publikum nahm sich dies zu Herzen, beziehungsweise in die Beine. Wie einst in den grossen Tagen des «Tis» stieg die Stimmung und das Konzert von «The Blues Giants» entwickelte sich tatsächlich mehr und mehr zu einer Party.

Doch schön der Reihe nach: Seit ein paar Jahren organisiert «Groove Now» hochstehende Konzerte mit Hauptgewicht Blues und Soul in Basel. Anfänglich gingen die Konzerte im Sudhaus Warteck über die Bühne, dann wechselte der Veranstalter in den grossen Saal des Volkshauses Basel. Dieser Saal überzeugt zwar durch seine gute Akustik, seine kühle, etwas distanzierte Atmosphäre aber kommt dem Blues nicht gerade entgegen, schreit dieser Musikstil doch förmlich nach Intimität und Geborgenheit einer Bar oder eines überschaubaren Musikclubs.

Kein Ort in Basel ist besser geeignet für den Blues als das legendäre Atlantis. Vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren erlebte das «Tis», wie die Basler Musikfans dieses Lokal liebevoll nennen, seine Hochblüte als Musikclub und hatte unter Bands einen klangvollen Namen. Aus ganz Europa, ja selbst aus den USA strömten die Bands der damaligen Clubszene nach Basel, um im Tis zu spielen. Doch dann, in den 1990ern erfolgte der langsame Niedergang, bis der Club die Konzerte einstellte und zu einem Tanzschuppen degradiert wurde. 2007 keimte wieder Hoffnung auf. Das Lokal wurde renoviert und zum Restaurant und Eventlokal von heute umgestaltet.

Schliesslich hatte Groove Now die zündende Idee: Das Atlantis ist der ideale Ort für Soul und Blues, warum also nicht die Konzerte dort organisieren? Gedacht, getan. Groove Now und die Leitung vom Atlantis setzten sich zusammen und nach zähen Verhandlungen wurde man sich einig: Der Veranstalter verlässt das Volkshaus Basel und führt seine Konzerte ab Januar 2017 im Atlantis durch. Und da das Lokal wesentlich weniger Plätze zu Verfügung hat (maximal 250 Personen) als das Volkshaus (maximal 1′300 Personen), finden die Konzerte in Zukunft an zwei Abenden hintereinander statt, was übrigens für die Musikfans auch ihren Vorteil hat. Sie haben nun zwei Daten für den Konzertbesuch zur Verfügung, was eine grössere Flexibilität in der Agenda ermöglicht.

Seit Wochen schon fieberten die Liebhaber des Soul und Blues weit über Basel hinaus dem Eröffnungskonzert von Groove Now im Basler Restaurant Atlantis entgegen. Und sie wurden nicht enttäuscht. Das für so ein Event nur das Beste vom Besen in Frage kommt, liegt auf der Hand: «The Blues Giants» mit dem Sänger Sugaray Rayford, den Gitarristen Mike Zito und Albert Castiglia, dem Bassisten Willie J. Campbell und dem Drummer Jimi Bott.

Welcher dieser Musiker wie viele Blues Awards gewonnen hat und wer mit wem, wie viele Male gespielt hat, damit wollen wir gar nicht erst anfangen, die Liste wäre schier endlos. Daher gleich zum Konzert: Die alles dominierende Figur auf der Bühne war ohne Zweifel Sänger Sugaray Rayford. Allein seine physische Präsenz ist phänomenal. Mächtig wie Berg, hüpfte und tänzelte der grosse, schwere Mann wiederholt über die Bühne und wackelte mit den Hüften wie es Elvis Presley nicht besser hingekriegt hätte. Und seine Stimme erst: Mächtig wie ein Truck, der auch auf engsten Landstrassen geschickt zu fahren versteht. Vor allem in den Soul-Balladen erreichte der Sänger mit seiner dunklen, ausdrucksvollen Stimme eine emotionale Tiefe, die ihresgleichen sucht.

An Rayfords Seite stand Mike Zito mit einem glasklaren Sound auf seiner Gitarre. Mit konzentrierter Präzision und stupender Fingertechnik setzte er seine intelligenten Riffs und Licks, wobei es ihm immer gelang, die Balance zwischen Technik und musikalischer Kreativität zu wahren.

Diese Ausgewogenheit zu finden, glückte dem zweiten Gitarristen auf der Bühne, Albert Castiglia weniger. Auch er ein begnadeter Fingertechniker, der sich allerdings öfters in seinen phänomenal schnell gespielten Wiederholungen von Figuren und Arpeggien verlor, worunter der emotionale Ausdruck zu leiden hatte. Zugegeben, «Less is more» ist ein Klischee, in dem aber ein grosses Körnchen Wahrheit steckt.

Für die Rhythmusgruppe mit Bassist Willie J. Campbell und Drummer Jimi Bott gibt es keinen Superlativ, der auch nur annähernd die Leistung dieser Musiker beschreiben könnte. Die Beiden spielten mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks, dabei hoch konzentriert und flexibel, um jederzeit auf das Spiel ihrer Mitmusiker adäquat reagieren zu können.

Am Ende dieses gelungenen Abends verliessen 250 glückliche Basler Musikfans das Lokal. Nach zwei dunklen Dekaden hat das «Tis» zu seiner wahren Bestimmung zurückgefunden: Eines der besten Musiklokale der Schweiz zu sein!

Erschienen unter https://www.bluesnews.ch/

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