Rolf De Marchi

Februar 15, 2004

Maskarade

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 2:16 am

Musikalisches Feuer aus dem Norden war vom Akademischen Orchester in der Martinskirche Basel zu hören.

Wenn man mit einem „agfrässene“ Basler Fasnächtler über die Fasnacht diskutiert, könnte man manchmal fast zur Überzeugung gelangen, nur in dieser Stadt sei bekannt, wie man sich richtig Maskiert, pardon, wie man sich richtig Kostümiert. Irrtum! In praktischen allen Ländern und Regionen der Welt pflegen die Menschen sich bei religiösen und auch weltlichen Festen zu maskieren und selbst im Norden Europas ist dieser Brauch bekannt.
Das unter der Leitung von Raphael Immoos stehende Akademische Orchester Basel hatte sich in vorfasnächtlicher Zeit dazu entschlossen, Werke von skandinavischen Komponisten zu suchen, in denen Masken eine Rolle spielen. Und siehe da, beim dänischen Komponisten Carl Nielsen sind sie fündig geworden. Der hat 1906 eine komische Oper mit dem Titel «Maskarade» geschrieben. Das Orchester entschied, unter diesem Titel in der Martinskirche ein Konzertabend mit den bei ihrer Suche gefundenen Werke zu gestalten und dabei auch die Ouvertüre dieser Nielsen-Oper zur Aufführung zu bringen. Die Interpretation dieses Vorspiels gelang dem Orchester recht ordentlich. An den schnell zu spielenden Stellen aber waren die Streiche rhythmisch nicht immer präzise, so dass diese Partien diffus, ohne die nötige Transparenz gespielt wirkten.
Anschliessend bewegte sich das Orchester Richtung Süden zum Schweizer Komponisten Caspar Diethelm, dessen «Harlekinade» für Solovioline und Streicher es zu Gehör brachte. Die Basler Violinistin Kamilla Schatz vermochte der Harlekin-Figur durch engagiertes Spiel zwar musikalisches Leben einzuhauchen, leider aber spielte das Orchester das Werk zu brav, so dass der Harlekin dennoch sein schelmisches Naturel nicht voll entwickeln konnte.
Dann folgte die selten gespielte 2. Sinfonie des Dänen Niels Wilhelm Gade. Hatte man am Anfang des Konzertes noch kleine Fehler und Intonationsprobleme gehört, gelang dem Orchester die Interpretation dieses schönen, leider zu selten gespielten Werks jetzt fast fehlerfrei.
Zur Spitzenleistung schliesslich fanden sowohl die Violinistin Kamilla Schatz als auch des Akademische Orchester bei der Realisierung des Violinkonzertes des Finnen Jean Sibelius. Mit grosser Ausdruckskraft und feuriger Intensität vermochte die Solistin problemlos kleine technische Fehler als unerheblich vergessen zu machen. Und das Feuer, das man am Anfang des Konzertes im Spiel des Orchesters noch etwas vermisst hatte, war jetzt auch zu hören. Dem Dirigenten Raphael Immoos, dem Akademische Orchester und der Violinistin Kamilla Schatz ist es damit gelungen, dem Abend mit einem würdigen Abschluss zu krönen.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

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