Rolf De Marchi

November 12, 2005

Rockin’ all over the World

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 12:05 am

AVO Session / Im Festsaal der Messe Basel heizten die leicht ergrauten Rockveteranen der Status Quo dem Publikum kräftig ein.

Beim Konzert der Status Quo anlässlich der AVO Session im Festsaal der Messe Basel war die grosse Mehrheit des Publikums plus minus Fünfzig Jahre alt. Zufall? Sicher nicht, hatte diese Band doch ihre grösste Zeit Ende der 60er- und vor allem in den 70er-Jahren. Wer nun allerdings glaubt, die inzwischen etwas in die Jahre gekommenen Quo-Fans von damals hätten auch ihre alten Klamotten aus jener verrückten Zeit hervorgeholt, irrt sich glücklicherweise. Vermutlich wären auch die meisten von ihnen mit ihren inzwischen angegessenen ‚Güggelifriedhöfen’ gar nicht mehr in die unästhetischen, geblümten Hemden und Trompetenhosen, die damals en Vogue waren, reingekommen.
Doch alles hübsch der Reihe nach. Bevor Status Quo den Messesaal zum Kochen brachte, sang im Vorprogramm noch Sandee ein paar urige Rocksongs. Mit schöner, wenn auch etwas braver Stimme sang die ehemalige Background-Sängerin von Gölä ihre Songs, die im klassischen Berner Mundartrockstil gehalten waren, gut komponiert und arrangiert, aber nicht sonderlich originell, glaubte man doch ständig, Zitate gestandener Berner Rockgrössen wie Züri West, Patent Ochsner oder Gölä zu hören. Sandees Begleitband zeichnete sich allerdings durch solides, fetziges Spiel aus. Einzig mit dem präzisen Zusammenspiel mit vorprogrammierten Loops aus dem Sampler bekundete die Band etwas Mühe, was die Musiker andererseits ziemlich sympathisch machte.
Verzweifelt versuchte Sandee, die etwas in die Jahre gekommene träge Masse mit Klatschen und Anfeuerungsrufen zum Mitmachen zu animieren. Vergeblich. Um so grösser dann die Überraschung nach der Pause, als beim ersten Ton der Status Quo das Publikum wie ein Mann, äh Frau, na ja wie auch immer, mit Riesenjubel von den Sitzen aufsprang und teilweise spontan zu Tanzen anfing. Die einengende Sitz- und Tischordnung war für Viele mit einem Mal aufgehoben und sie stürzten nach Vorne an den Bühnenrand, um ihren Rockidolen möglichst nahe zu sein. Und sie wurden nicht enttäuscht. Mit alter Frische hämmerte die Band sein Programm runter, gespickt mit alten Hits wie «Down Down», «Whatever You Want» und «Rockin’ All Over The World».
Der Quo-Stil von damals hatte sich dabei nicht um ein Jota verändert. Die Band setzt nach wie vor auf die alten Erfolgsrezepte: Verdoppelung der Rhythmusgitarren und ein Viertel pro Beat im Bass, das reicht zum Glücklich zu sein. Ach ja, natürlich dürfen wir noch den immer wiederkehrenden klassischen Boogie-Shuffle nicht vergessen: punktierter Achtel, Sechzehntel, Punktierter Achtel, Sechzehntel… - Bummpa, Bummpa… - das höchste der rhythmischen Gefühle. Trotz schärfster Kontrolle konnte im Verlauf des Konzertes nicht eine einzige klugscheisserische Synkope ausgemacht werden, die die rustikale Suppe hätte verderben können. Das Volk tobte. Dazu kam, dass die Jungs auch noch echt gut aussahen, besser noch als damals, hatten sie doch mittlerweilen die markanten Gesichter von Mittfünfzigern mit Lebenserfahrung und vor allem trugen sie nicht mehr die dämlichen Frisuren der späten 60er. Es sei eingestanden, die alten Kämpen vermochten mit ihrer unverminderten Power und ihrem gewinnenden Charme sogar eingefleischte Status-Quo-Hasser von einst Respekt abzutrotzen. Chapeau!
Rolf De Marchi
Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung am 12. November 2005

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