Rolf De Marchi

Mai 5, 2006

Ein spieltechnisches Feuerwerk

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 2:17 am

Jazzfestival Basel / Der kubanische Trompeter, Timbalist und Pianist Arturo Sandoval präsentierte eine explosive Mischung von Salsa und Bebob.

Er habe schon mehrere Jahre Musik gemacht, als er zum ersten Mal Plattenaufnahmen von Dizzy Gillespie und Charlie Parker hörte und mit einem mal begriff, dass er «nichts über gar nichts» wisse, berichtete der kubanische Trompeter Arturo Sandoval anlässlich der «Salsa Night» im Rahmen des Jazzfestivals Basel im Foyer des Theaters Basel. Inzwischen gehört Sandoval selber zu den «Wissenden», wie man schon nach wenigen Takten im ersten Stück erfahren konnte. Mit einem unglaublichen Speed raste er unisono mit dem Saxophonisten Felipe Luis LaMoglia mit grösster Präzision durch ein «Thema», das über mehrere hundert Noten pro Takt zu verfügen schien. Und wenn er dann noch beim Spielen in die hohen Register hinaufstieg, kam man aus dem Staunen nicht mehr heraus; der Mann muss Lippen aus Stahl besitzen, um so hoch mit solcheπr Klarheit spielen zu können.
Doch dessen nicht genug: wenig später trommelte er mit einer nonchalanten Selbstverständlichkeit auf einem Paar Timbales herum, als wenn er nie was anderes gespielt hätte. Und als er sich schliesslich dann noch ans Piano setzte, wurde es einem fast schon unheimlich, wie ein Mensch es hinkriegt, gleich drei Instrumente so hervorragend spielen zu können. Dass er auch noch ausgezeichnet und auf äusserst witzige Weise den Scatt-Gesang beherrscht, bedarf hier eigentlich fast schon keiner Erwähnung mehr; kurz: ein Vollblutmusiker vom Scheitel bis zur Sohle, von dem inzwischen selbst Altmeister Gillespie noch einiges lernen könnte, würde er noch unter uns weilen.
Dass ein Musiker solch eines Kalibers problemlos die besten Musiker seines Wohnortes Miami um sich scharen kann, ist selbstverständlich. Und dass deshalb diese Band mit seiner explosiven Mischung von kubanischem Salsa mit amerikanischem Jazz das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss, ebenfalls.
Jedoch, auch wenn die Musiker gerade in den irrsinnig schnellen, dem traditionellen Bebob verpflichteten Stücken durch ihre phänomenale Spieltechnik zu faszinieren vermochten, wirklich unter die Haut gingen in erster Linie die langsameren Kompositionen, wo das lateinamerikanische Element dominierte. Die Themen waren einfacher und verständlicher und in den Improvisationen wurde nicht einfach nur mit irrwitzigem Tempo durch kaum noch nachvollziehbaren Tonskalen gerast, sondern die Solos vorsichtiger und verständlicher, mit viel Gefühl für Melodik und so emotional ansprechender aufgebaut, um schliesslich erst am Ende mit einem spieltechnischen Feuerwerk abzuschliessen.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

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