Wahre Meisterschaft
Jazzfestival Basel 2007 / Das Hans Feigenwinter New Trio und das Lisette Spinnler Sextett bewiesen das hohe Niveau der nationalen Jazzszene.
Fast mit der Besetzung eines klassischen Jazzklaviertrios spielte das Hans Feigenwinter New Trio bei seinem Konzert im Rahmen des Jazzfestivals Basel 2007 im Roßstall der Basler Kaserne, mit einem kleinen aber nicht unwesentlichen Unterschied allerdings: der Berner Wolfgang Zwieauer zupfte nicht den klassischen Kontrabass sondern einen E-Bass. Falls nun Puristen einwenden sollten, dies entspreche nicht der Tradition, sei diesen entgegengehalten, dass der E-Bass dank der akzentuierteren Ansprache der Saiten beim Zupfen des Instrument (der traditionelle Kontrabass klingt wesentlich weicher) dem Trio einen frischen, dynamischeren Sound verlieh. Virtuos und dennoch relaxt wirkte das Baßspiel von Zwieauer, der seine Riffs präzise mit den raffiniert konturierten Rhythmen des Luzerner Drummers Arno Troxler zu verzahnen verstand.
Und als Tüpfelchen darüber dann noch die klugen Voicings, Riffs und Licks von Hans Feigenwinter, der wie nur wenige zeitgenössische europäischen Jazzpianisten das Funktionale beim Umspielen der Akkorden mit dem Melodiösen beim Spiel mit lyrischen Tonkaskaden zu verbinden versteht. Dieses Trio ist ein Versprechen für die Zukunft.
Den zweiten Teil des mit «CH-Spezial» überschriebenen Abends bestritt die mittlerweile längst aus dem Status einer Newcomerin herausgewachsenen Sängerin Lisette Spinnler mit ihrem Sextett. Inzwischen wird die junge Baselbieterin zum Besten gerechnet, was die Schweiz in puncto Jazzgesang aufzuweisen hat. Vor allem für ihren in einer Art frei erfundenen Nonsenssprache gehaltenen solistischen Scat-Gesang ist sie bekannt geworden. Wer’s mag.
Dabei bewies aber Lisette Spinnler ihre wahre Meisterschaft gerade im vermutlich einzigen in normalem, verständlichem Englisch gesungenen Stück, einer Jazzballade mit dem Titel «Breez«. Sensibel und mit großem Können begleitet von Colin Vallon (Piano), Patrice Moret (Bass) und Michi Stulz (Drums) sang Lisette Spinnler mit einer warmen, flexiblen Stimme, wobei sie mit stupender Treffsicherheit die ausdrucksstark modellierten Vokale exakt auf die richtigen Tonhöhen zog und so die verborgenen Schönheit, die in der englischen Sprache steckt, hervorzauberte. Das non plus ultra dieser Ballade dann noch das Solo des Tenorsaxophonisten Alex Hendriksen, der mit weichem Subtone expressiv ins Instrument hauchte und so die rund siebzigjährige Tradition des Balladenspiels auf dem Tenorsaxophon von Coleman Hawkins bis James Carter aufblühen liess.
Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung