Rolf De Marchi

November 26, 2007

Mit mitreißender Energie

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 11:55 am

Das Philharmonische Orchester Basel vermochte mit ansprechenden Interpretationen und hohem technischen Niveau zu überzeugen.

Es lässt sich fast nicht verhindern: wenn von einem Amateurorchester gesprochen wird, denkt man fast automatisch, dass es zweitrangig sein müsse. Nun mag dass ja in vielen Fällen zutreffen, beim 1904 gegründeten, gegenwärtig rund 60 Köpfe umfassende Philharmonische Orchester Basel allerdings erweist sich dieser Schluß als Vorurteil. Zugegeben, ein paar der Musiker in Schlüsselfunktionen - der Violinist und Konzertmeister Wim Viersen oder der Trompeter Paul Spörri seien stellvertretend erwähnt - sind Profimusiker, was sich als cleverer Schachzug erweist, halten doch diese Leute an den Scharnierstellen des Orchesters das Ganze zusammen.
Wie gut diese Taktik aufgeht, konnte man anläßlich eines Konzertes des Philharmonischen Orchesters unter der Leitung von Jonathan Brett Harrison im Grossen Saal des Stadtcasinos Basel erfahren. Bereits beim ersten Werk, der Sinfonia di Bologna von Gioacchino Rossini (1792-1868) saß der Einsatz der Hörner in den ersten Takten wie eine Eins, was bei diesem schwer zu spielenden Instrument keine Selbstverständlichkeit ist. Elegant-federnd interpretierte das Orchester dieses kleine Werk, wenn man von ein paar seltenen Schwerfälligkeiten mal absieht. Auch war die Stimmung unter den Violinen noch nicht ganz perfekt, was sich dann aber beim anschließenden Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll KV 491 von Wolfgang Amadé Mozart (1756-1791) mit Wolfram Lorenzen als Solist wesentlich verbesserte.
Mehr noch als beim vorangegangenen Rossini fiel auf, wie sehr Dirigent Jonathan Brett Harrison auf Transparenz in den Stimmen achtete, ohne dabei ins kalt-analytische zu verfallen, das Emotionale in der Musik zu vernachlässigen. Stimmten der Solist Lorenzen und das Orchester im 1. Satz rhythmisch noch nicht immer ganz präzise überein, war das Zusammenspiel im 2. und 3. Satz hervorragend. Im Besonderen im 2. Satz interpretierte Wolfram Lorenzen seinen Solopart feinfühlig, ohne dabei in den Kitsch abzugleiten.
Nach der Pause dann toppte das Orchester noch seine Leistungen mit der 4. Sinfonie c-Moll von Franz Schubert (1797-1828). Der mit Allegro vivace überschriebene Teil des 1. Satzes spielte das Philharmonische Orchester in der Tat mit einer ansprechenden Lebhaftigkeit, die Spaß machte und den Finalsatz dieser Sinfonie schließlich lud des Orchester mit einer Energie auf, die mitriß.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

Mit mitreißender Energie

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 11:55 am

Das Philharmonische Orchester Basel vermochte mit ansprechenden Interpretationen und hohem technischen Niveau zu überzeugen.

Es lässt sich fast nicht verhindern: wenn von einem Amateurorchester gesprochen wird, denkt man fast automatisch, dass es zweitrangig sein müsse. Nun mag dass ja in vielen Fällen zutreffen, beim 1904 gegründeten, gegenwärtig rund 60 Köpfe umfassende Philharmonische Orchester Basel allerdings erweist sich dieser Schluß als Vorurteil. Zugegeben, ein paar der Musiker in Schlüsselfunktionen - der Violinist und Konzertmeister Wim Viersen oder der Trompeter Paul Spörri seien stellvertretend erwähnt - sind Profimusiker, was sich als cleverer Schachzug erweist, halten doch diese Leute an den Scharnierstellen des Orchesters das Ganze zusammen.
Wie gut diese Taktik aufgeht, konnte man anläßlich eines Konzertes des Philharmonischen Orchesters unter der Leitung von Jonathan Brett Harrison im Grossen Saal des Stadtcasinos Basel erfahren. Bereits beim ersten Werk, der Sinfonia di Bologna von Gioacchino Rossini (1792-1868) saß der Einsatz der Hörner in den ersten Takten wie eine Eins, was bei diesem schwer zu spielenden Instrument keine Selbstverständlichkeit ist. Elegant-federnd interpretierte das Orchester dieses kleine Werk, wenn man von ein paar seltenen Schwerfälligkeiten mal absieht. Auch war die Stimmung unter den Violinen noch nicht ganz perfekt, was sich dann aber beim anschließenden Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll KV 491 von Wolfgang Amadé Mozart (1756-1791) mit Wolfram Lorenzen als Solist wesentlich verbesserte.
Mehr noch als beim vorangegangenen Rossini fiel auf, wie sehr Dirigent Jonathan Brett Harrison auf Transparenz in den Stimmen achtete, ohne dabei ins kalt-analytische zu verfallen, das Emotionale in der Musik zu vernachlässigen. Stimmten der Solist Lorenzen und das Orchester im 1. Satz rhythmisch noch nicht immer ganz präzise überein, war das Zusammenspiel im 2. und 3. Satz hervorragend. Im Besonderen im 2. Satz interpretierte Wolfram Lorenzen seinen Solopart feinfühlig, ohne dabei in den Kitsch abzugleiten.
Nach der Pause dann toppte das Orchester noch seine Leistungen mit der 4. Sinfonie c-Moll von Franz Schubert (1797-1828). Der mit Allegro vivace überschriebene Teil des 1. Satzes spielte das Philharmonische Orchester in der Tat mit einer ansprechenden Lebhaftigkeit, die Spaß machte und den Finalsatz dieser Sinfonie schließlich lud des Orchester mit einer Energie auf, die mitriß.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

November 22, 2007

«Als ich ein kleiner Junge war…»

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 3:37 pm

Hinreißend einfühlsam erzählte Schauspieler Walter Sittler aus den autobiographischen Erzählungen von Erich Kästner.

«Als ich ein kleiner Junge war» lautet der Titel des 1957 erschienenen, autobiographischen Buches, in dem der deutsche Schriftsteller Erich Kästner (1899-1974), der vor allem durch seine vergnüglichen, scharfsinnigen Kinderbücher und seinen humoristischen, zeitkritischen Gedichte Berühmtheit erlangt hatte, auf humorvolle Weise seine Kindheitserinnerungen niedergeschrieben hat. Kästner selber hatte Teile aus seinem Buch im Radio vorgelesen, was möglicherweise den Schauspieler Walter Sittler auf den Gedanken gebracht hat, diese wunderbaren Erinnerungen in einer Soloperformance auf die Bühne des Häbse-Theaters im Kleinbasel zu bringen.
Nicht nur der Name Erich Kästner dürfte dafür gesorgt haben, dass das Häbse-Theater gerammelt voll war, auch der 1952 geborene, in Stuttgart lebende deutsch-amerikanische Schauspieler Walter Sittler, der vor allem durch die Fernsehserien «Girl friends» und «Nikola» bekannt geworden ist, dürfte viele angelockt haben.
Und in der Tat hatte sich das Kommen gelohnt, bewies doch Sittler, dass er nicht einfach als oberflächlicher Fernsehdarsteller abgetan werden darf. Hinreißend einfühlsam, ohne Effekthascherei oder falschen Pathos trug er frei viel Amüsantes, gelegentlich aber auch sehr Nachdenkliches aus Kästners Kindheit vor. Angefangen bei den in ihrer sächsischen Heimat verwurzelten Vorfahren, die alle einfache Handwerker waren, über den Vater, der Sattlermeister war, vor allem aber der Mutter, mit der der Schriftsteller durch eine tiefe Liebe verbunden war, und schließlich viele kleine anekdotische Geschichten aus dem Leben und den Leiden Kästners selber, erhielt man überraschende Einblicke in das Leben des Autors und seine Zeit. Man erfuhr, wie damals mit der Pferdbahn gefahren wurde, mit welchen Modemarotten die Damenwelt jener Zeit zu kämpfen hatte und im Besonderen, wie schön das Dresden seiner Jugend war, bevor es im 2. Weltkrieg total zerstört wurde.
Ein wenig wie in Film und Fernsehen ließ sich Sittler von einem 6-köpfigen Musikensemble begleiten, dass an vielen Stellen auf gefühlvolle Weise den Vortrag des Rezitators mit Musik im Stile von Kurt Weill (1900–1950) oder Hanns Eisler (1898-1962) kommentierte, beziehungsweise dramatisierte und so die nostalgische Reise in die Vergangenheit gelungen musikalisch untermalte.
Es ist sehr dankenswert, das Walter Sittler diesen geistreichen, humorvollen aber auch sehr tiefsinnigen Text von Erich Kästner voll kluger, vom gesunden Menschenverstand diktierter Lebensweisheit auf die Bühne gebracht hat.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

November 20, 2007

Ein Leben für den Jazz

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 2:27 am

Der künstlerische Leiter des alljährlich im Frühling stattfindenden Jazzfestival Basel Urs Blindenbach wurde mit dem Kulturpreis der Stadt Basel geehrt.

«Weniger Kriege, mehr Bildung!» Dieses Schlagwort des großen Jazzpianisten Keith Jarrett sei immer auch sein Motto gewesen, erklärte der Kulturveranstalter Urs Blindenbacher anläßlich des Festaktes, bei dem ihm der Kulturpreis der Stadt Basel 2007 überreicht wurde. Nicht nur bei seinem Hauptberuf als Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte in Liestal, sondern auch in seiner über dreißig jährigen Tätigkeit als Organisator von Jazzkonzerten und -festivals habe er sich darum bemüht, dem Basler Publikum guten Jazz zu vermitteln.
Nach einigen ersten Konzerten im Totentanz veranstaltete «Jazz in Basel» unter der Leitung von Urs Blindenbacher 1976 mit bescheidenen Mitteln das erste Jazzkonzert in der Safranzunft mit dem deutschen Jazzposaunisten Albert Mangelsdorff. Weitere großartige Konzert mit Namen wie Art Blakey, Dollar Brand, Elvin Jones, McCoy Tyner oder Max Roach folgten. Selbst vor modernem, ja avantgardistischem Jazz schreckte Urs Blindenbacher in jenen fernen Tagen nicht zurück wie folgende Namen beweisen: Peter Brötzmann, Antony Braxton, Lester Bowie oder Art Ensemble of Chicago; Konzerte voller energetischer Spannkraft, angereichert mit experimentellen Überraschungen fern von langweiligen, in Konventionen erstarrten Ritualen.
Bald war auch die Safranzunft zu eng, schon nach zwei Jahren mußten die Konzerte in grössere Sälen wie das Stadttheater, das Gundeldingercasino, später das Stadtcasino Basel und das Volkshaus Basel umziehen.
Was ursprünglich mit ein paar locker organisierten Konzerten begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer regen Konzerttätigkeit, was schließlich 1990 zur Gründung des Vereins «Jazz by Off Beat» führte.
Spiritus rector all dieser Aktivitäten war der 1953 geborenen Jazzfan Urs Blindenbach, der seit über dreißig Jahren großartige Musik nach Basel bringt. Im Besonderen das alljährliche, heute von Jazz by OFF BEAT gemeinsam mit der Jazzschule Basel organisierte Jazzfestival Basel, für dessen künstlerische Leitung Urs Blindenbacher verantwortlich ist, hat dafür gesorgt, das Renommee Basels als eine dem Jazz aufgeschlossene Stadt über die Grenzen hinaus in die Welt zu tragen. Und dass dieses höchst dankenswerte Engagement des Veranstalters nun endlich von der Stadt mit dem Kulturpreis 2007 der Stadt Basel gebührend gewürdigt wurde, war eigentlich schon lange fällig.
Verbunden mit einer kleinen Feier im Basler Großratssaal fand gestern Montag Abend die
Übergabe des Kulturpreises an Urs Blindenbacher statt. Auf ein paar warmen Begrüßungsworten durch die Regierungspräsidentin Dr. Eva Herzog und einem kurzen «musikalisches Intermezzo» durch die Jazz-Vokalgruppe The Ladybirds folgende eine mit witzigen Anekdoten gespickte Würdigung des früheren, langjährigen Mitarbeiters von Urs Blindenbach, der Werber und Kunstvermittler John Schmid. So berichtete er unter anderem von den Problemen, mit denen Urs Blindenbacher immer wieder konfrontiert gewesen sei wie beispielsweise einen weltberühmten Jazztrompeter namens Chet Baker aus dem Gefängnis holen, nachdem dieser an der Grenze wegen «vergammeltem Aussehens» verhaftet worden war.
Nach der eigentlichen Übergabe des Kulturpreises der Stadt Basel 2007 durch die Regierungspräsidentin Dr. Eva Herzog sprach Urs Blindenbacher noch ein paar Dankesworte, bei denen er der Schulleitung Gymnasium Liestal, der Jazzschule Basel, den Mäzenen, vor allem aber seinen Mitarbeitern und seiner Familie für ihre langjährige Geduld und Unterstützung dankte. Mit einem vergnüglichen Potpourri populärer Melodien, vorgetragen von der Vokal-Gruppe The Ladybirds, schloss die Veranstaltung.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

November 11, 2007

Rockig-popiger Folkblues

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 4:38 pm

Mit ihren mit unvergleichlichem Charme vorgetragenen Songs vermochte Vera Kaa zu überzeugen.

«Du singsch Wiberblues» soll ihr Freund, der Sänger und Bluesgitarrist Philipp Fankhauser einmal zu ihr gesagt haben, erzählte die Sängerin Vera Kaa anläßlich ihres Konzertes mit ihrer Band in der Kulturscheune Liestal. Ganz daneben lag Fankhauser mit seinem Urteil wohl nicht, war doch im Verlaufe dieses Abends von der als «Grand Dame des Blues» angekündigten Vera Kaa, die das Wort Blues ununterbrochen im Munde führte, erstaunlich wenig wirklich bodenständiger Blues zu hören. Die große Mehrzahl der gespielten Stücke wie beispielsweise der legendäre Taxi-Song «Campari Soda» erinnerten mehr an gepflegten Rock oder Folk den an Blues. Sogar Schweizer Volksliedgut wurde im Verlaufe des Abends zu sogenanntem Blues verwurstet.
Um nicht falsch verstanden zu werden: die Band von Vera Kaa hat wirklich gut gespielt und immerhin waren vom Gitarristen Marc Jencarelli immer wieder hinreißend blusige Solos zu hören. Und auch die «Rotzfreche Göre» von einst, Vera Kaa, die Anfangs der 80er Jahre mit ihren Neue Deutsche Welle-Songs sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz Erfolge feierte, inzwischen aber zu gestandenen Gesangsdiva mutiert ist, hat mitreißend gesungen. Dazu kam der gewinnenden Charme von Vera Kaa, ihr wunderbar feiner Humor sowohl in den Songtexten als auch in ihren Ansagen, wobei die Sängerin auch vor kleinen Fettnäpfchen - sie bezeichnete versehendlich Liestal als Basel - nicht zurückschreckte. Dabei ist auch nicht zu bestreiten, dass Vera Kaa über ein gewisses Bluesfeeling verfügt, wenngleich ihre gelegentlich als «rauh» titulierte, eher aber als einfühlsam-hell zu bezeichnende Stimme an die einer Folksängerin erinnerte den an die einer gestandenen Bluessängerin.
Authentischen Blues aber bekam man eigentlich erst gegen Ende des Konzertes zu hören, wo sich zu guter Letzt auch die engstirnigsten Bluespuristen dank ein paar doch noch hinreißend gespielter Bluesstücke wie das legendäre «Hound Dog», das einst im Original (selbst von Elvis Presley) unerreicht von Big Mama Thornton gesungen worden war, über den vorangegangenen Frust hinwegtrösten konnten.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

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