Fesselndes Cembalorecital
Der Cembalist Frédérick Haas vermochte durch sein zupackendes Spiel zu überzeugen.
Immer noch spuckt es in vielen Köpfen herum, das Vorurteil, dass das Cembalo wie eine gefühllose Nähmaschine ohne jeden musikalischen Ausdruck klinge. Dieses Vorurteil hat seine Wurzel in der Wiederentdeckung des Cembalos, das Ende des 18. Jahrhunderts vom Hammerklavier verdrängt wurde und Anfangs des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde. Bei dieser Wiederentdeckung des Cembalos orientierte man sich bei dessen Bau nicht an historischen Vorbildern, sondern am zeitgenössischen Klavierbau. So wurden Metallrahmen und andere moderne Materialien eingesetzt, was zwar die Lautstärke des Instruments erhöhte, den Klang aber leblos und starr erscheinen liess. Inzwischen hat sich dies in Folge der historisch orientierten Aufführungspraxis gänzlich geändert, orientiert sich doch der heutige Cembalobau fast gänzlich an historischen Instrument und verwendet heute beispielsweise den Holzrahmen, der einen viel wärmeren, flexibleren Ton zulässt.
Geradezu mustergültig konnte man dies bei einem Nachbau der Cembalobauers Christian Kuhlmann (Bremen) hören, der das Instrument einer Vorlage von Henri Hemsch (Paris 1751) nachempfunden hat. Dieses zweimanualige Cembalo mit seinem vollen, warmen Klang in den tieferen Lagen und einem fantastisch-hellen, fast glockenartigen Timbre in den hohen Lagen wurden vom französischen Cembalisten Frédérick Haas anläßlich eines Konzertes im Rahmen der «Cembalomusik in der Stadt Basel» im Münstersaal des Bischofshofs Basel gespielt.
Nebst der kleinen, aparten Suite V in E-Dur von Georg Friedrich Händel, die Haas einnehmend und lebhaft vortrug, interpretierte der Cembalist zupackend Johann Sebastian Bachs Englische Suite II in a-Moll, BWV 807. Geradezu rauschartig tobte sich der Mann im Prélude aus, fast zärtlich hingegen, die Möglichkeiten der Temponuancierungen gezielt einsetzend, die Sarabande, leidenschaftlich swingend die beiden Bourrées und die Gigue.
In eine ganz andere musikalische Welt wurde man von Frédérick Haas mit vier Sonaten des Bachzeitgenossen Domenico Scarlatti entführt. Glutvoll wirkte die Interpretation dieser oft experimentell wirkenden, raffiniert konstruierten Stücke mit ihren klug gesetzten Brüchen und Stimmungswechseln. Zwar spielte Haas nicht immer ganz fehlerfrei, dies tat aber der fesselnden Intensität des Vortrags dieser musikalischen Aperçus nicht den geringsten Abbruch. Nicht minder einnehmend gelangen dem Interpreten schließlich noch ein paar bezaubernde Stücke aus dem dritten Buch der «Pièces de clavecin» von François Couperin (1668-1733), mit denen Frédérick Haas sein rundum gelungenes Cembalorecital abschloß.
Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung