Neben Giuseppe Verdis «Messa da Requiem» bringt die Basler Sinfonietta die Komposition «Der Tod auf einem fahlen Pferd» des Westschweizer Komponisten Laurent Mettraux zur Uraufführung.
Laurent Mettraux wurde 1970 in Fribourg geboren wo er an Musikakademie Klavier, Violine, Gesang und Musiktheorie sowie in Genf Komposition studiert hat. Er hat verschiede Kompositionspreise gewonnen und seine Werke werden mehr und mehr auch international von bedeutenden Interpreten aufgeführt.
Herr Mettraux. Sie komponieren Neue Musik. Kann man damit reich werden?
Laurent Mettraux (mit einem breiten Lächeln): Nein, reich wird man damit sicher nicht, im Besonderen wenn man wie ich nur vom Komponieren lebt und keinen Brotberuf wie eine Lehrtätigkeit an einer Musikhochschule hat. Ich muss mich ständig um Gelder von Ensembles oder Stiftungen wie Pro Helvetia kümmern, was mich leider viel Zeit kostet, die mir vom Musikschreiben abgeht.
Sie haben im Laufe Ihrer Musikausbildung Meisterkurse unter anderen des Berner Komponisten Heinz Holliger und des Esten Avo Pärt besucht. Was hat Sie dazu bewogen, zu diesen vom Stil her sehr unterschiedlichen Komponisten in den Unterricht zu gehen?
Mettraux: Stilfragen sind für mich zweitrangig. Die Welt der Musik sowohl in ihrer Geschichte vom Altertum bis in die Gegenwart als auch bezüglich ihrer Kulturen wie China, Japan oder Indien ist so unglaublich reich an Kostbarkeiten, dass ich wie eine Biene von musikalischer Blüte zu Blüte fliege, um anschliessend den gewonnen Nektar in meinen Honig, beziehungsweise meine Kompositionen umzuwandeln. Bei Holliger hat mich vor allem die Lehre neuer Klänge und instrumentaler Spielarten fasziniert, bei Pärt hingegen war ich vom Archaisch-Meditativen in dessen Werken angetan.
Sie wurden im Jahr 1998 für Ihr Orchesterwerk «Ombre» mit dem Preis der Donaueschinger Musiktage ausgezeichnet. Was ist ein Preis wert von einer Veranstaltung, die ihre beste Zeit in den 50er- und 60er-Jahren hatte und mittlerweile von vielen als das Treffen Ewiggestriger betrachtet wird?
Mettraux (mit einem Schmunzeln): Das war fast ein kleiner Skandal damals, als ich diesen Preis gewann. Viele waren irritiert, das ein Aussenstehender wie ich, der nicht zum erlauchten Kreis der etwas in sich gekehrten Donaueschinger Szene gehört, mit einem Werk mit neoromantischen Elementen den Preis gewonnen hatte. Gewisse avantgardistische Kreise wirkt tatsächlich etwas abgehoben und schein vieles, was um sie herum läuft, nicht so recht zur Kenntnis nehmen zu wollen. Gerade deshalb habe ich mich aber über den Preis sehr gefreut.
Jahr für Jahr kommen zu einer bereits existierenden gigantischen Menge an teilweise qualitativ hochstehenden Kompositionen Hunderte neuer Werke hinzu, die oft nur uraufgeführt werden und dann nie wieder gespielt werden. Wie geht es Ihnen diesbezüglich mit ihren Werken?
Mettraux: Anfänglich war das bei mir auch so, inzwischen aber bekunden immer mehr Musiker Interesse an meinen Werken und es hat sich auch herumgesprochen, dass ich bezüglich des Notenmaterials nur beste Qualität liefere, das übers Internet problemlos und schnell bestellt werden kann. Inzwischen werden meine Werke auch international immer öfter wiederaufgeführt.
Sie haben als Sujet für die von der Basler Sinfonietta bestellten Auftragskomposition «Der Tod auf einem fahlen Pferd» eine Textstelle aus der Apokalypse gewählt, wo der vierte apokalyptische Reiter mit Namen Tod das Schwert, den Hunger und die Pest über die Menschheit bringt. Warum haben Sie gerade diesen Stoff gewählt?
Mettraux: Die Basler Sinfonietta hat mich gebeten, einen engen thematischen Bezug zum anderen Werk des Konzerts, Verdis Requiem zu schaffen, so dass dieses Thema auf der Hand lag. Dazu kommt, dass der Stoff sich hervorragend dazu eignet, dramatische Spannung zu schaffen und entsprechend die vielen Möglichkeiten eines Sinfonieorchesters einzusetzen.
Im Unterschied zu Verdis Requiem, das immerhin am Ende einen zarten Hoffnungsschimmer aufleuchten lässt (Herr gib ihnen ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen), endet ihr aktuelles Werk augenscheinlich in der Hoffnungslosigkeit. Gibt es keine Hoffnung?
Mettraux: Durch die Thematik des Stoffes bedingt gibt es in diesem Werk tatsächlich keine Hoffnung. Ich möchte allerdings darauf hinweisen, dass in diversen anderen meiner Werke mit ernstem Inhalt auch die Hoffnung nicht zu kurz kommt.
Ist es möglich zu beschreiben, was das geneigte Publikum am kommenden Samstag im Basler Münster musikalisch in Ihrem Werk «Der Tod auf einem fahlen Pferd» zu hören kriegt?
Mettraux: Eine expressive Atmosphäre durchsetzt mit sonderbaren Klängen einerseits, markante Bläsereinsätze, unerbittliche Rhythmen und wilde Akkordik andererseits.
Haben Sie eine Tipp für all diejenigen, die mit Neuer Musik Mühe bekunden, wie sie einen besseren Zugang zu Ihrer Musik finden können?
Mettraux: Sie sollten die Musik auf sich einwirken lassen, die Melodien, Klänge und Rhythmen verfolgen und die Bilder vom Schrecken des herangaloppierenden Todes und seinen furchtbaren Verwüstungen vor Ihrem inneren Augen aufsteigen lassen.
Herr Mettraux, vielen Dank für dieses Gespräch.
Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung