Rolf De Marchi

Dezember 28, 2008

Die schönsten Opernchöre

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 12:45 pm

Chor und Orchester der Warschauer Sinfoniker interpretierten gemeinsam mit Solisten populäre Arien und Chöre aus über 165 Jahre Operngeschichte.

Wiederholt hatte sich Maestro Giuseppe Verdi darüber beklagt, wie seine Opern in den Provinztheatern Italiens verunstaltet würden. Die Frage allerdings, wie er über das Konzert des Chors und des Orchesters der Warschauer Sinfoniker unter der Leitung von Wojciech Rodek im Stadtcasino Basel, das unter dem prätentiösen Motto «Die schönsten Opernchöre der Welt» stand, geurteilt hätte, darüber kann man nur spekulieren.
Möglicherweise wäre der Maestro mit der Darbietung des Chores nicht unzufrieden gewesen. Beim 30-köpfigen Orchester allerdings hätte er vermutlich Vorbehalte angemeldet, waren doch gerade in der Ouvertüre zu seiner Oper «Vespri siciliani» und im anschliessenden Chorstück «Devicy, krasavicy» aus «Eugen Onegin» von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky hässliche Intonationsprobleme vor allem bei den Streichern zu hören, die ihn sicher gestört hätten. Die schmissig gespielte Ouvertüre zu Georges Bizets «Carmen» am Anfang des Konzertes allerdings hätte ihm wo möglich gefallen.
Wie erwähnt schnitt da der Chor besser ab, der abgesehen von ein paar verwackelten Einsätzen in den Chören von Verdis «La Traviata» oder dem etwas konzeptlos wirkenden Schmugglerchor aus Georges Bizets «Carmen» seine Partien präzise und mit Verve interpretierte. Unterschiedlich wiederum die Leistungen der Solisten an diesem Abend: Mit warmer, ausdrucksstarker Stimme, wenn auch manchmal etwas zu sehr im Pianobereich sang der Sopran Monika Michaliszyn die Arie «Je veux vivre» aus der Oper «Romeo et Juliette» von Charles Gounod sowie das schmissige «Mercè, dilette amiche» aus Verdis «Vespri siciliani». Der Mezzosopran Jadwiga Postrozna wiederum wagte sich an Carmens berühmte Habanera-Arie «L’amour est un oiseau rebelle» aus der gleichnamigen Oper von Georges Bizet heran, eine Partie, die allerdings nicht so recht zu ihrer etwas dünnen, kühlen Stimme passen wollte, verlangt doch diese Rolle eher das energisch-kraftvolle Organ einer zwiespältigen, letztlich aber um ihre Selbstbestimmung kämpfenden Frau. Der Tenor Paras Ivaniv schliesslich interpretierte nicht ohne Witz Verdis unsterblicher Ohrwurm «La donna è mobile», dessen hoher Schlusston allerdings den begrenzten Stimmambitus des Tenors überstieg, so dass er ihn verwackelt mit der ungeübten Kopfstimme singen musste. Der gelegentlich noch mitsingende unbekannte Bass letztlich intonierte und artikulierte dermassen unsauber, dass es vielleicht besser war, seinen Namen nicht im begleitenden Hochglanzprogrammheft zu erwähnen.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

Dezember 18, 2008

Musik mit kernigem Pulsen

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 11:50 am

Die Camerata Vocale Freiburg und das Kammerorchester Basel boten eine qualitativ hochstehende Interpretation des Weihnachts-Oratorium von J. S. Bach.

Ganz ohne Zweifel gehört das Weihnachts-Oratorium BWV 248 (1734) zu den wohl populärsten Werken, die Johann Sebastian Bach (1685-1750) zu Papier gebracht hat. Nicht überraschend, wenn man bedenkt, wie viele schmissige Chöre und bedeutende Arien, von denen nicht weniger als 17 aus älteren Festkantaten zu Ehren von Fürsten und anderen weltlichen Anlässen stammen, Bach in dieses fulminante Werk hineingepackt hat.
Wie hinreissend und lebensbejahend diese Musik ist, bewiesen die Camerata Vocale Freiburg und das Kammerorchester Basel, die die beiden ersten und die letzten zwei der insgesamt sechs Teile des Weihnachts-Oratorium unter der Leitung von Winfried Toll in der Stadtkirche Liestal zur Aufführung brachten. Bereits der Anfangschor im fröhlichen 3/8-Takt mit seinen rührigen Pauken, den schmetternden Trompeten, den rauschenden Violinen im Orchestervorspiel und dem anschliessenden, ausgelassenen «Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage» wurden vom Chor und vom Orchester mit einer Verve vorgetragen, die berauschend war. Lebhaft und mit bestechender Transparenz in jeder Stimmelage stimmten die knapp vierzig Mitglieder der Camerata Vocale mit Präzision ihre Vokallinien auf einander ab, ohne dabei auch nur für einen Moment den emotionalen Gehalt der Musik ausser Acht zu lassen. Zu akzentuiert spritzigem Spiel wiederum feuerte Dirigent Winfried Toll mit sichtbarem Engagement das exakt spielende Kammerorchester an, das die Musik mit kernigem Pulsen vorantrieb.
Doch dessen nicht genug, ging dieses Sinnenfest anschliessend mit vier hervorragend singenden Interpreten der Solopartien weiter. Zuvorderst der Tenor Andreas Weller, der besonders als Evangelist durch seinen hervorragende Textverständlichkeit zu überzeugen vermochte. In puncto Textartikulation zwar weiniger überzeugend, bestechend hingegen durch die grosse Flexibilität seiner Stimme der englische Countertenor Robin Blaze, der beispielsweise in die Aria «Schlafe, mein Liebster» mit zärtlicher Wärme einstieg, um sie dann mit strahlend-heller Stimme abzuschliessen. Unter Einsatz seines ganzen Körpers wiederum sang der Bass Markus Flaig, wodurch sein Vortrag energiegeladen wirkte, weshalb er aber möglicherweise auch gelegentlich Silben der gesungenen Wörter ‚verschluckte’.
Voll betörender Schönheit schliesslich die Aria «Nur ein Wink von seinen Händen», die von der Sopranistin Heike Heilmann interpretiert wurde. Mit grossartigem Einfühlungsvermögen vom Kammerorchester Basel begleitet, sang sie ihre Partie mit glockenreinem Timbre, setzte jede Note präzise und zeichnete sämtliche Verzierrungen perfekt und dies mit einer Ausdruckskraft, die unter die Haut ging. Schade, dass diese hervorragende Sängerin in diesem qualitativ hochstehenden Konzert so selten zum Einsatz kam.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

Dezember 15, 2008

Ein zurückhaltend-sanfter Interpretationsansatz

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 11:26 am

Der Konzertchor Oberbaselbiet, der Gelterkinder- und Jugendchor, das Concertino Basel und mehrere Gesangssolisten brachten Heinrich von Herzogenbergs Weihnachtsoratorium «Die Geburt Christi» zur Aufführung.

Es ist dem Konzertchor Oberbaselbiet anzurechnen, dass er nicht wie die viele anderen lokalen Chöre das ohne Zweifel geniale Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach auf sein vorweihnachtliches Konzertprogramm gesetzt hat, sondern das weniger bekannte Weihnachtsoratorium «Die Geburt Christi» op. 90 für Solostimmen, Kinderchor, Oboe, Streicher, Harmonium, Gemeindegesang und Orgel (1894) des Österreichischen Komponisten Heinrich von Herzogenberg (1843-1900). Und auch wenn das Werk von Herzogenberg mit Texten aus der Bibel und geistlichen Liedern in puncto kompositorischer Raffinesse nicht an das Bach’sche Weihnachtsoratorium heranreicht, vermag es dennoch durch seinen schlichte Innigkeit zu überzeugen.
Jedoch bevor der Konzertchor Oberbaselbiet in der Katholischen Kirche von Gelterkinden sein Konzert eröffnete, führte die Leiterin des Chors Franziska Baumgartner-Meier noch eine viertelstündige «Probe» mit den zahlreich erschienen Gemeindemitgliedern durch, bei der vier im Programmheft abgedruckte Weihnachtslieder eingeübt wurden, die dann später im Verlaufe des Oratoriums auftauchten.
Nach einem geradlinigen Orgel-Prelude stieg aus den tiefen Streichinstrumenten des Concertinos Basel, das den Chor begleitete, ein sich immer höher in die Violinen schraubendes Motiv auf, das schliesslich im von der ganzen Gemeinde gesungenen Choral «Dies ist der erste Tag» mündete, der nach der Melodie des bekannten Weihnachtsliedes «Vom Himmel hoch da komm ich her» gestaltet war.
Qualitativ unterschiedlich fielen anschliessend die Darbietungen der Solisten aus. Sowohl der Sopran Anna Freivogel und der Mezzosopran Aurea Marston mit seiner warmen Stimme und dem weich geschwungenen Vibrato als auch der Tenor Simon Jäger-Vogel mit seinem schillernden, intonationssicheren Organ vermochten zu überzeugen. Vermutlich auf Grund mangelnder Erfahrung wirkte der Tenor Philipp Schmidlin dagegen noch ziemlich unsicher und der Bariton Adriano Oprandi sang gelegentlich zu leise, so dass er im Gesamtklang etwas unterging. Am Vortrag des Basses Patrick Oetterli wiederum gab es nichts auszusetzen. Herzerfrischend dann noch der glockengleiche Gesang des Gelterkinder- und Jugendchor, der im dritten Teil dazu stiess.
Der zurückhaltend-sanfte Interpretationsansatz durch den Konzertchor Oberbaselbiet passte gut zur schlichten Musik von Herzogenberg, wenn gleich man sich gelegentlich auch einen wilderen emotionalen Ausbruch gewünscht hätte. Abgesehen von ein paar Intonationsproblemen zu Beginn der Aufführung, trug auch das rund zwölfköpfige Concertino Basel mit seinem engagierten Spiel zu Gelingen der Aufführung von Heinrich von Herzogenbergs Weihnachtsoratorium wesentlich bei.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

Dezember 7, 2008

Wenig erkennbare Emotionen

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 1:20 am

Das Ensemble La Confraternita de’ Musici brachte geistliche Werke und Instrumentalmusik des neapolitanischen Barocks zu Gehör.

Dass die Region Neapel nicht nur in puncto Oper über eine reiche musikalische Tradition verfügt, sondern auch auf den Gebieten der geistlichen und der Instrumentalmusik einiges zu bieten hat, beweist das auf die Musik der Neapolitanischen Schule des 17. und 18. Jahrhunderts spezialisierte Ensemble La Confraternita de’ Musici. Ganz besonders auf einen Komponisten des neapolitanischen Barocks hat sich die 1997 vom Cembalisten und Organisten Cosimo Prontera gegründete Confraternita spezialisiert, wie man anlässlich eines Konzerts im Rahmen der Konzertreihe Kammermusik um halb Acht in der Martinskirche Basel erfahren konnte: der 1694 in Neapel geborene und ebenda 1744 verstorbene Leonardo Leo, dessen Werk über 500 Kompositionen, davon 60 Opern, umfasst.
Neben Werken von Leonardo Leo brachte das 9-köpfige Ensemble in der ersten Hälfte des Konzerts noch weitere Kompositionen neapolitanischer Barockmeister zu Gehör wie die Sinfonia für Streicher und Basso continuo von Pietro Marchitelli (1635-1715), ein in der musikalischen Konzeption nicht uninteressantes Werk, das allerdings von der Confraternita de’ Musici ohne erkennbare Emotionen ziemlich leidenschaftslos runter gespielt wurde. Was allerdings noch wesentlich mehr störte, waren die hässlichen Intonationstrübungen in den Streichinstrumenten, die ständig auch bei der Interpretation der darauffolgenden Werke wie der konzertante Psalm 110 «Confitebor tibi Dominum» für Sopran, Alt, Bass, zwei Violinen und Bc. von Giuseppe Tricarico (1632-1697) oder der Litanei für vier Solostimmen, Streicher und Bc. von Pasquale Cafaro (ca. 1700-1787) hin bis zur Sinfonia concertata di violoncello von Leonardo Leo zu hören waren. Eventuell waren diese Trübungen aber nicht das Verschulden der Musiker, hatte es doch an diesem Tag intensiv geregnet, so dass am Abend im Kirchenraum eine hohe Luftfeuchtigkeit herrschte, die sich möglicherweise negativ auf die Stimmung der Instrumente ausgewirkt hat.
Immerhin vermochten die vier Gesangssolisten einigermassen zu überzeugen: der Sopran Adriana Venditelli durch seine ausdrucksstarke Stimme und der Alt Angela Masi durch seine saubere Intonation. Der Tenor Alessandro Giangrande allerdings wirkte etwas ausdruckslos und der Bassbariton Angelo De Leonardis übertönte gelegentlich seine Gesangspartner mit seinem lauten Organ.
In der zweiten Hälfte des Konzertabends waren ausschliesslich Werke von Leonardo Leo zu hören wie das Salve Regina in F-Dur für Sopran, 2 Violinen und Bc., in dem Adriana Venditelli die grosse Klarheit und Fexibilität ihrer Stimme unter Beweis stellen konnte. Und in der anschliessend gespielten Fuga g-Moll sowie dem abschliessenden Magnificat für Sopran, Alt, Tenor, Bass, Streicher und Bc. spielten auch die Instrumentalisten doch noch mit wesentlich besserer Intonation und es war schliesslich sogar ein kleines wärmendes Feuer in den beiden letzten Interpretationen zu verspüren.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

Dezember 6, 2008

Wenig erkennbare Emotionen

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 4:59 pm

Das Ensemble La Confraternita de’ Musici brachte geistliche Werke und Instrumentalmusik des neapolitanischen Barocks zu Gehör.

Dass die Region Neapel nicht nur in puncto Oper über eine reiche musikalische Tradition verfügt, sondern auch auf den Gebieten der geistlichen und der Instrumentalmusik einiges zu bieten hat, beweist das auf die Musik der Neapolitanischen Schule des 17. Und 18. Jahrhunderts spezialisierte Ensemble La Confraternita de’ Musici. Ganz besonders auf einen Komponisten des neapolitanischen Barocks hat sich die 1997 vom Cembalisten und Organisten Cosimo Prontera gegründete Confraternita spezialisiert, wie man anlässlich eines Konzerts im Rahmen der Konzertreihe Kammermusik um halb Acht in der Martinskirche Basel erfahren konnte: der 1694 in Neapel geborene und ebenda 1744 verstorbene Leonardo Leo mit über 500 Werken, davon allein 60 Opern, die er zu Papier gebracht hat.
Neben Werken von Leonardo Leo brachte das 9-köpfige Ensemble in der ersten Hälfte des Konzerts noch weitere Kompositionen neapolitanischer Barockmeister zu Gehör wie die Sinfonia für Streicher und Basso continuo von Pietro Marchitelli (1635-1715), ein in der musikalischen Konzeption nicht uninteressantes Werk, das allerdings von der Confraternita de’ Musici ohne erkennbare Emotionen ziemlich leidenschaftslos runter gespielt wurde. Was allerdings noch wesentlich mehr störte, waren die hässlichen Intonationstrübungen in den Streichinstrumenten, die ständig auch bei der Interpretation der folgenden Werke wie der konzertante Psalm 110 «Confitebor tibi Dominum» für Sopran, Alt, Bass, zwei Violinen und Bc. von Giuseppe Tricarico (1632-1697) oder der Litanei für vier Solostimmen, Streicher und Bc. von Pasquale Cafaro (ca. 1700-1787) bis hin zur Sinfonia concertata di violoncello von Leonardo Leo zu hören waren. Eventuell waren diese Trübungen aber nicht das Verschulden der Musiker, hatte es doch an diesem Tag intensiv geregnet, so dass am Abend im Kirchenraum eine hohe Luftfeuchtigkeit vorherrschte, die sich möglicherweise negativ auf die Stimmung der Instrumente auswirkte.
Immerhin vermochten die vier Gesangssolisten einigermassen zu überzeugen: der Sopran Adriana Venditelli durch seine ausdrucksstarke Stimme und der Alt Angela Masi durch seine saubere Intonation. Der Tenor Alessandro Giangrande allerdings wirkte etwas ausdruckslos und der Bassbariton Angelo De Leonardis übertönte gelegentlich seine Gesangspartner mit seinem starken Organ.
In der zweiten Hälfte des Konzertabends waren ausschliesslich Werke von Leonardo Leo zu hören wie das Salve Regina in F-Dur für Sopran, 2 Violinen und Bc., in dem Adriana Venditelli die grosse Klarheit und Fexibilität ihrer Stimme unter Beweis stellen konnte. Und in der anschliessend gespielten Fuga g-Moll sowie dem abschliessenden Magnificat für Sopran, Alt, Tenor, Bass, Streicher und Bc. spielten auch die Instrumentalisten mit wesentlich besserer Intonation und es war schliesslich sogar ein kleines wärmendes Feuer in den Interpretationen zu verspüren.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

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