Rolf De Marchi

September 14, 2010

Mit fieberndem Furor

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 10:35 am

Mit einem hinreissenden Konzert des Tango-Quintetts «El Después» feierte die Konzertorganisation «Kammermusik um halb acht» ihr 25-jähriges Jubiläum.

Neben ihren spektakulären Verwandten wie der Oper oder der Orchestermusik hat sie nicht gerade einen leichten Stand, die von vielen Ahnungslosen belächelte Kammermusik. Um so erfreulicher, dass es engagierte Anwältinnen und Anwälte gibt, die sich für diese oft auf falsche Vorurteile stossende Musikform einsetzten wie beispielsweise Beatrix Jerier, die seit 25 Jahren die Musikreihe «Kammermusik um halb acht» leitet und gemeinsam mit einer kleinen Schar hilfreicher Geister insgesamt 152 Konzerte im Hans Huber-Saal des Stadtcasinos Basel organisiert hat.
Dass dieses runde Jubiläum mit einer angemessen Feier begangen werden musste, liegt auf der Hand. Überraschend bei diesem Event im Foyer des Theater Basel war, dass nicht wie üblich bei solchen Konzerten ein klassisches Streichquartett oder ein Klaviertrio auf der Bühne sass, das Werke von Ludwig van Beethoven oder Johannes Brahms zelebrierte, nein, ein Quintett mit elektrisierender Tangomusik aus Argentinien versetzte das zahlreich erschienene Publikum in Begeisterung.
Nachdem Beatrix Jerier ein paar amüsante Anekdoten aus der 25-jährigen Geschichte der K1/8 zum Besten gegeben hatte und ihren Dank für die vielen Freiwilligen und den zahlreichen Musikern, die ihr in all den Jahren zur Seite standen, ausgesprochen hatte, äusserte noch der Basler Regierungspräsident Guy Morin ein paar anerkennende Worte über die kulturell bereichernde Tätigkeit der K1/8 in der Stadt Basel.
Schliesslich kam dann auch die Musik zu ihrem Recht mit dem Tango-Quintett «El Después», das das Konzert mit dem Stück «Reflexiones» eröffnete, eine dem Tango Nuevo verpflichtete Komposition des Gitarristen des Ensembles Alejandro Schwarz. Weitere Arrangements von Schwarz folgten, die von der Band mit hinreissender Verve vorgetragen wurden. Höhepunkte des Abends aber bildeten Klassiker vom König des Tangos Astor Piazzolla wie der vor Leidenschaft glühende «Libertango» oder das feurige «Adios Nonino». Gesteigert wurden diese fesselnden Interpretationen noch durch den Vortrag der «Suite del Angel», die das Quintett gemeinsam mit dem bekannten, der klassischen und Neuen Musik verpflichteten Violoncellisten Henri Demarquette energiegeladen vortrug. Im Besonderen das «Resurreccion del Angel» wurde mit solch fieberndem Furor vorgetragen, dass es einen schier vom Stuhl riss. Krönender Abschluss bildete dann noch der unverwüstliche Ohrwurm «Jalousie» des dänischen Komponisten Jacob Gade, der fast schon klischeehaft für den Tango steht wie wohl kaum ein anderes Stück.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

September 11, 2010

Verblüffend moderne Alte Musik

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 1:12 pm

Unter der Leitung von Fritz Näf vermochten die Basler Madrigalisten mit ihrem Vortrag von Claudio Monteverdis 6. Madrigalbuch zu überzeugen.

Obwohl Claudio Monteverdi (1567-1643) seine Musik vor rund vierhundert Jahren zu Papier gebracht hat, ist man beim Hören seiner Werke immer wieder verblüfft, wie modern die Musiksprache dieses genialen Komponisten bis heute geblieben ist. Einen schlagenden Beleg dafür bekam man von den Basler Madrigalisten bei ihrem Konzert unter dem Titel «Gesänge von Schmerz und Trauer» im Foyer des Stadttheaters Basel geliefert, in dem sie Vokalwerke aus Monteverdis «Il Sesto Libro de Madrigali» zu Gehör brachten. Im Besonderen in Madrigalen wie «Ohimè il bel viso» bekam man mit Dissonanzen gespickte Harmoniefortschreitungen zu hören, die einen an die Musik des frühen 20. Jahrhunderts erinnerten, wo Komponisten wie Arnold Schönberg dabei waren, die Grenze zur Atonalität zu überschreiten.
Ausdrucksstark und mit Gefühl für die dynamischen Schattierungen, die diese expressive Musik fordert, wurden diese fünfstimmigen Vokalwerke von den Basler Madrigalisten akkurat ausgelotet. Zwar wirkte der Vortrag des Chors beim Einstieg in das «Lamento d’Arianna» noch etwas diffus und konturlos, bald aber fand das Vokalensemble zu geschlossener Homogenität und vermochte im weiteren Verlauf des Konzerts durch gemessene Verve zu überzeugen. Da die Basler Madrigalisten acht Mitglieder umfassen, Monteverdis Madrigale aber nur fünf Stimmen verlangen und eine Doppelbesetzung einzelner Stimmen nicht in Frage kam, wurden die Sängerinnen und Sänger wiederholt ausgetauscht, was dem Vortrag einen zusätzlichen interpretatorischen Reiz verlieh.
Mit der Textverständlichkeit allerdings stand es nicht immer zum Besten, ein Mangel, der vermutlich in erster Linie auf die trockene Akustik des weitläufigen Foyers des Basler Theaters zurück zu führen war. Auch für die Laute des dreiköpfigen Instrumentalensemble mit Jonathan Rubin (Laute), Daniele Caminiti (Theorbe) und Marc Meisel (Cembalo), das den Chor versiert begleitete, erwies sich die Akustik als nicht ideal, war diese doch über weite Strecken kaum zu hören.
Wesentlich mitverantwortlich für den gelungenen Vortrag der Basler Madrigalisten dürfte auch dessen Leiter Fritz Näf gewesen sein, der das Vokalensemble 1978 gegründete hatte. Auch wenn der Chorleiter, der seit Jahren die Leitung der Hochschule für Musik und Theater in Zürich inne hat, nicht persönlich auf der Bühne stand, war dessen musikalische Kompetenz bei der Interpretation dieser nie an Aktualität verlierenden Chorwerke stets wahrnehmbar.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

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