Rolf De Marchi

Oktober 31, 2011

Wilde Glissandi und schräge Fanfaren

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 1:43 pm

Mit seinem aktuellen Programm «Matterhorn Matters» beendete die George Gruntz Concert Jazz Band ihre Schweizer Tournee im Schauspielhaus Basel.

Wenn’s nicht so traurig währ, wär’s zum lachen: Vier jungen Kandidatinnen zur Miss Schweizwahl 2009 scheiterten bei den Wissensfragen an der Aufgabe, auf einem Bild das weltweit berühmteste Wahrzeichen der Schweiz, das Matterhorn zu erkennen. Der zumindest in Jazzkreisen ebenfalls weltberühmte Basler Jazzmusiker, Arrangeur und Bandleader George Gruntz fand diesen Umstand so erstaunlich, dass er beschloss, dieses Versagen musikalisch zu verarbeiten: Er schrieb für seine George Gruntz Concert Jazz Band eine längere, suitenartige Komposition mit dem Titel «Matterhorn Matters».
Zum Abschluss seiner Tour zum 40-jährigen Jubiläum seiner Concert Jazz Band gastierte George Gruntz und seine Band mit seinem aktuellen Programm «Matterhorn Matters» im Schauspielhaus Basel, wo die Band auch das Stück gleichen Namens spielte. Fast marschmässig begleitet stieg die Band mit zwei schrägen, von wilden Glissandi eingeleiteten Fanfaren in das Stück ein, um wenig später in ein urkomisches Solo des US-amerikanischen Tuba-Spielers Howard Johnson überzugehen. Komplexe Begleitriffs der Bläser setzten ein, die schliesslich in das klassische Schweizer Volkslied «Lueget vo Berg und Tal» mündeten, das Arrangeur Gruntz allerdings dermassen mit Dissonanzen bestückt hatte, dass es vermutlich nicht wenigen heimatliebenden Parlamentarier im Bundeshaus Bauchgrimmen verursacht hätte.
Unvermittelt legte Bassist Ariel Volinez mit einem knackigen Funkriff los, über das die Bläsersektion schrille, rhythmisch vertrackte Bläserfiguren legte. Nach einem mit mächtigem Ton geblasenen, an Intensität kaum überbietbaren Solo des Tenorsaxophonisten Sal Giorgianni schliesslich der Höhepunkt des Stücks mit einem phänomenalen Solo, in dem der italienische Akkordeonist Luciano Biondini seine Finger mit fieberndem Furor über die kleinen Tasten seines Instruments wirbeln liess.
Jede einzelne Musikerin, jeder Musiker dieser exzeptionellen Band verdiente unbedingte Erwähnung, was aus Platzgründen leider kaum möglich ist: Angefangen bei der US-amerikanischen Trompeterin Tanya Darby über Jeff Stockham, der mit unglaublicher Virtuosität sowohl die Trompete als auch das Waldhorn zu spielen verstand, hin zum jungen Schweizer Trombonisten René Mosele und zum bärbeissigen Tenorsaxer Andy Scherrer, inklusive dem ehemaligen Blood, Sweat and Tears-Mitglied Dave Bargeron an der Trombone, um nur einige willkürlich zu nennen.
Alle diese Musiker sind Ausnahmekünstler, die George Gruntz zu einer Einheit zusammen schweisste, mit der er seine exzentrischen Arrangements in der Tradition eines Stan Kenton oder Gil Evans zu Gehör brachte. Tunes wie etwa die Garry Willis-Ballade «The Everlasting Night», der Jazz-Meilenstein «Impressions» von John Coltrane oder selbst ein Kinderliedchen wie das ebenfalls von Coltrane populär gemachte «My Favorites Things» wurden da zu hochwertigen Klanggebäude veredelt, die ihresgleichen suchen.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

Oktober 30, 2011

Schillernde Lautenmusik des Barocks

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 1:28 pm

Der italienische Lautenist Alberto Crugnola interpretierte deutsche Lautenmusik des 18. Jahrhunderts.

Sylvius Leopold Weiss (1686-1750) ist wohl der berühmteste Komponist deutscher Lautenmusik im 18. Jahrhundert. Dass es allerdings neben diesem grossen Meister der Lautenkunst zu dieser Zeit auch andere bedeutende Tonsetzer dieser Musikgattung im deutschen Raum gab, bewies der italienische Lautenist Alberto Crugnola anlässlich des ersten Konzerts im Rahmen der Basler Lauten-Abende 2011/2012 im Zinzendorfhaus an der Leimenstrasse in Basel.
Neben der farbenreichen Musik des deutschen Lautenmeisters David Kellner (um 1670-1748) überzeugte im Besonderen die Musik des vermutlich aus Ungarn stammenden, an verschiedenen deutschen Fürstenhöfen tätigen Komponist Paul Charles Durant (1712-nach 1769), dessen «Sonata per il liuto solo» a-Moll Lautenist Alberto Crugnola feinfühlig ausgelotet und ausdrucksstark zu Gehör brachte. Deutlich hörbar fusste diese schillernde Musik noch im Barock, dennoch war ein erstaunlicher harmonischer Reichtum mit überraschenden Wendungen zu hören, in dem sich die neue Zeit der musikalischen Empfindlichkeit Mitte des 18. Jahrhunderts ankündigte.
Neben der Sonata IV g-Moll von Adam Falckenhagen (1697-1754) wirkte da die «Sonata a liuto solo» g-Moll von Ernst Gottlieb Baron (1696-1760) eher schlicht komponiert, was dieser Musik aber nicht den geringsten Abbruch tat. Heiterkeit gepaart mit Tiefsinn dominierte die Interpretation Alberto Crugnolas und auch wenn das Spiel des Lautenisten nicht immer ganz ohne Makel war, vermochte er doch durch seine Sinnlichkeit zu überzeugen. Und dass schliesslich in einem Konzert mit deutscher Lautenmusik des 18. Jahrhunderts Musik des grossen Silvius Leopold Weiss nicht fehlen durfte, liegt auf der Hand: Lebendig ausgestaltet erklangen dessen Passacaille D-Dur und das Capriccio D-Dur, die das kompositorisch hohe Niveau dieses alten Meisters belegten.
Wurde dieses erste Konzert der aktuellen Konzertsaison der Basler Lauten-Abende vom italienischen, am Conservatorio G. Verdi die Milano ausgebildeten Solist Alberto Crugnola bestritten, der übrigens auf einem pittoresk anzusehenden Nachbau einer 13-chörigen Barock-Laute von Johann Blasius Weigert spielte, wird im nächsten Konzert am 4. Februar Lautenist Anthony Bailes gemeinsam mit der Sängerin Miriam Allan mit Lautenlieder von John Dowland (1563-1626) zu hören sein. Anthony Bailes gehört zu den Wegbereitern der Wiedergeburt der Laute in den 1970er Jahren und Miriam Allen wurde von niemand geringerem als der Grande Dame des Barock-Gesangs Emma Kirkby ausgebildet.
Die Konzertreihe abrunden wird am 28. April der Argentinier Gabriel Schebor auf der Barockgitarre und die Cembalistin Ana Paula Segurola aus Uruguay. An diesem Abend, der den Einfluss Südamerikas auf die Musik des Barocks thematisiert, stehen Werke von Arcangelo Corelli, Jean-Baptiste Lully, Santiago de Murcia und Lucas Ruiz de Ribayaz auf dem Programm.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

Oktober 27, 2011

Geruhsames Beruhigungsmittel

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 1:19 am

Stadtcasino Basel - Neben der Luzerner Sängerin Veronika Stalder bot die US-amerikanische Sängerin Stacey Kent gehobenen Mainstream Jazz.

Es sei ihr eine Ehre, mit ihrer Band den Support für Stacey Kent machen zu dürfen, meinte die 29-jährige, in Basel geborenen und heute in Luzern lebende Sängerin Veronika Stalder bei ihrem Auftritt im Rahmen eines Offbeat-Konzerts im Grossen Festsaal des Stadtcasino Basel. Die Sängerin, an die man sich vielleicht noch als Gewinnerin der «Battle of the Bands 2001» mit «Twice», einem Singer-Songwriter Folk-Duo mit ihrer Zwillingsschwester Patrizia erinnert, vermochte diese Aufgabe zufriedenstellend zu erfüllen mit ihrer makellos schönen, etwas farblosen Stimme. Auch ihre Band mit Chris Wiesendanger am Piano, Toni Schiavano am Bass und Fabian Bürgi am Schlagzeug überzeugte durch ihr kreatives, einfühlsames Spiel. Im Song «Oaktree» beispielsweise beeindruckte das Quartett durch seinen sparsamen Einsatz der musikalischen Mittel, mit dem es impressionistische Stimmungsbilder in den Raum zauberte.
Überzeugend auch die teils klugen Arrangements der Titel, wobei allerdings gelegentlich auch die Grenze zu Kitsch geschrammt wurde wie etwa im «Oceansong» oder im «Of Drumbeats And Hardbeats» der 2009 veröffentlichten CD «The Topography Of My Heart». Da glaubte man sich gelegentlich in ein Konzert einer Sängerin der skandinavischen «Elfchen-Fraktion» versetzt.

Auch das darauffolgende Konzert der US-amerikanischen Sängerin Stacey Kent war nicht immer ganz frei vom Kitschverdacht, was die Performerin dann aber gemeinsam mit ihrer fantastisch spielenden Band ablieferte, vermochte selbst verbissene Mainstream-Muffel zu verunsichern. Wenn man bereit war zu ignorieren, dass die Entwicklung des Jazz nach den frühen 1960 Jahren weiter ging, konnte man da voll auf seine Kosen kommen. Von Swing und Cool Jazz inspirierte Stücke waren da zu hören, vor allem aber zelebrierte Stacey Kent mit ihrer hellen, farbenreichen Stimme den brasilianischen Bossa Nova in Songs wie «Postcard Lovers» ihres Ehemanns Jim Tomlinson oder die beiden Antonio Carlos Jobim-Klassiker «Dreamer» und «Waters of March» von ihrem neuen Album «Dreamer in Concert». Im Besondern in den Bossa-Titeln vermochte auch der Ehremann der Sängerin Jim Tomlinson mit seinen weichen, sensibel geblasenen Soli auf dem Tenorsaxophon zu überzeugen, bei denen man unwillkürlich Ausschau hielt, ob da nicht etwa der Geist des legendären 1991 verstorbenen Bossa Nova-Saxophonisten Stan Getz neben Jim Tomlinson auf der Bühne stand, um dem Kollegen seine Ideen einzuflüstern.
Neben einigen weiteren auf Portugiesisch gesungenen Bossa-Stücken bewies Stacey Kent mit Songs wie etwa «Jardin d’hiver», dass sie auch ohne hörbaren Akzent perfekt auf Französisch zu singen versteht, was für eine amerikanische Sängerin keine Selbstverständlichkeit ist.
Wenn es an diesem gelungenen Auftritt von Stacey Kent etwas auszusetzen gäbe, dann vielleicht die zu lange Durststrecke, in der sie und ihrer Band auf immer dem gleichen etwas spannungslosen Level eine Ballade nach der anderen reihte, wo selbst der hinreissenden George und Ira Gershwin-Klassiker «They Can’t Take That Away From Me» zum geruhsamen Beruhigungsmittel runtergebügelt wurde. Da kam Langeweile auf!

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

Oktober 26, 2011

Polkagrooves und Wortwitz

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 3:16 am

AVO Session / Neben der Schweizer Sängerin Anna Rossinelli wurde im Besondern die amerikanische Sängerlegende Liza Minnelli dem Motto «Broadway» gerecht.

Eigentlich war alles vorhanden für ein gutes Konzert beim Auftritt der jungen Schweizer Sängerin Anna Rossellini am vierten Abend der AVO Session im grossen Festsaal der Messe Basel. Da sang eine Sängerin mit Bühnenpräsenz und einer dunklen, warmen Stimme ihre Songs elastisch mit einem weich geschwungenen Vibrato; dazu spielte eine solide Band mit einem Multiinstrumentalisten als Bläser, der souverän Sopran- und Baritonsaxophon sowie Querflöte blies, gelegentlich aber auch mal zum Akkordeon griff, um der Musik eine weitere musikalische Facette beizufügen.
Und dennoch wollte der Funke zwischen Band und Publikum an diesem Abend nicht so recht springen. Möglicherweise lag dies an der Auswahl der Songs, die mehr und mehr in farblose Rockklischees abglitt, wenn man mal von den ersten gespielten Stücken absieht, die noch eine gewisse Originalität aufwiesen. Titel wie «Holiday Vibes» mit seiner zarten Patina von Tome Waits und Sound der späten 1960er Jahren oder «Accident» mit seinem langsamen Polkagroove vermochten immerhin noch zu überzeugen. Dann aber folgten Songs, die zwar nett anzuhören waren, denen es aber an Ecken und Kanten fehlte. Aber auch die Band trug zum vermissten Funkensprung bei. Sie spielte zwar versiert, liess aber sichtbares Engagement und Begeisterung vermissen.
Zu erwähnen bleibt noch, dass Anna Rossinelli ihren legendären Song «In Love For A While», mit dem sie am Eurovision Song Contest 2011 gegen die geballte Stimmkraft des gegen die kleine, neutrale Schweiz vereinten Europas mit Sang und Klang untergegangen ist, hat sie bei ihrem Auftritt bei der AVO Session nicht gesungen. Honi soit qui mal y pense!

Auch der anschliessende Auftritt der legendären US-amerikanischen Schauspielerin und Sängerin Liza Minnelli, die 1972 durch ihre hinreissende Darstellung der Varietékünstlerin Sally Bowles im Film «Cabaret» in den Showbusiness-Himmel katapultiert wurde, hinterliess einen gespaltenen Eindruck. Da gab es einerseits Momente, wo die Künstlerin durch ihren redegewandten Wortwitz zu begeistern vermochte wie im Titel «Liza with A Z», in dem sie auf umwerfende Art die richtige Aussprache ihres Namens parodierte. Aber auch die Ballade «I Can’t Give You Anything but Love» trug Liza Minnelli gemeinsam mit ihrem Pianisten in einem umwerfend kitschigen Croonerstil vor, der schon fast an Parodie grenzte. In «Confession», Titelsong ihrer letzten CD wiederum, überzeugte die Sängerin durch humorvollen Vortrag des amüsanten Textes. Auch die brillant spielende Begleitband, die sich souverän zwischen den Stilen von triefender Ballade über schneidigem Tango hin bis zum lockeren Swing bewegte, trug zum positiven Bild bei. Im Besonderen die kleine Bläsersektion mit zwei Trompeten und einem Saxophon brachten viel Biss in das Spiel der Band.
Andererseits kam die Sängerin bei Vortrag intensiverer Songs wie «Cabaret» oder «He’s a Tramp» schnell mal an ihre physischen Grenzen, wo sie gelegentlich sichtbar um Atem ringen musste. Und die ins Mikrofon genuschelten, mit humorvollen Anekdoten gespickten, mit der Zeit aber wegen ihrer extremen Länge auch nervenden Ansagen trugen auch nicht gerade dazu bei, das künstlerische Niveau dieses Konzerts noch weiter anzuheben.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

Oktober 23, 2011

Von Cool bis Hinreissend

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 6:10 pm

AVO Session 2011: KT Tunstall, Stephan Eicher, Sophie Hunger und Pink Martini lieferten einen stilistisch vielseitigen Auftakt.

Nach dem souveränen Solo-Auftritt der schottische Sängerin KT Tunstall beim Eröffnungskonzert der AVO Session im Festsaal der Messe Basel scheint es nicht übertrieben, dieses Talent zu den hellen Fixsternen am an Schnuppen und Sternchen so reichen Singer-Songwriter-Himmel zu rechnen. Nicht nur, dass die Sängerin mit chinesisch-irischen Wurzen durch ihre clever gedrechselten, mit klugen Texten unterlegten Songs wie ihr erster und wohl bekanntester Hit «Black Horse & The Cherry Tree» zu überzeugen vermochte: Nebst ihrer hellen, mit einem zarten Touch Rauch abgeschmeckten Stimme, mit der sie ihre süffigen Songs vortrug, verblüffte KT Tunstall auch durch ihre geschliffenen Instrumentalkünste auf dem Piano und vor allem auf der Gitarre.
Brillant aber auch ihr Einsatz verschiedener elektronischer Geräte, mit denen sie Songs wie «Glamour Puss» oder «Madame Trudeau» abwechslungsreich mit Loops unterlegte, ohne dabei in repentierende Langeweile zu verfallen. Am meisten aber bestach KT Tunstall, wenn sie sich nur auf der akustischen Gitarre begleitete wie etwa im Tune «Hidden Heart», wo sich ihre flexible Stimme unbelastet entfalten konnte.

Ungemein frisch kam auch der zweite Act des Abends Stephan Eicher daher. Obwohl sein gespieltes Programm mehrheitlich mit Klassikern aus seiner über 40-jährigen Karriere besetzt war, kam da nie Langeweile auf, was nicht zuletzt neben den clever gestalteten Arrangements auch der hervorragen besetzten Band zuzuschreiben war. Neben der Schweizer Gitarren-Koryphäe Hank Shizzoe, die immer mal wieder virtuose Solos zelebrierte, ist da die Luzerner Sängerin Heidi Happy zu nennen, die nicht nur als Hintergrundsängerin agierte sondern wiederholt auch ganze Songs wie der legendäre «Eisbär» aus Eichers Grauzone-Zeit Anfang der 1980er Jahren singen durfte. Des weiteren verdient Bassist Baptiste Germser Erwähnung, der in Songs wie «Chanson bleu» oder «Combien de temps» mit dem Waldhorn feinsinnige Akzente setzte. Apropos «Combien de temps»: Hier ganz besonders muss auch auf das professionelle Streichtrio aus Frankreich mit Violoncellist Olivier Koundouno verwiesen werden, das nicht nur diesem Song durch sein erstklassiges Spiel einen unverwechselbaren, farbenreichen Touch verlieh. Nach weiteren alten Hits wie «Déjeuner en paix» oder der unter die Haut gehend interpretierte Klassiker «Campari Soda» beendete Stephan Eicher sein Konzert mit einer musikalischen Verbeugung vor dem Berner Liedermachen Bernhard Stirnemann, indem er dessen Song «Überläbe» aus dem Jahre 1971 mit viel Humor gewürzt vortrug.

Kein leichtes Spiel

Ob dem hohen musikalischen Niveau des Eröffnungskonzerts hatte da am darauffolgenden Abend die Berner Sängerin und Songwriterin Sophie Hunger kein leichtes Spiel. Im Besonderen nach dem charismatisch gewinnenden Auftritt von KT Tunstall liess das betont coole Auftreten von Sophie Hunger nur leidlich gute Stimmung aufkommen. Immerhin vermochte die Begleitband nicht zuletzt dank ihrer instrumentalen Flexibilität zu überzeugen. Griff da neben dem Posaunist Michael Flury der Gitarrist Christian Prader immer mal wieder auch zur Traversflöte, was der Musik Farbigkeit verlieh. Neben intensiveren Songs zwischen Folk und Indie-Rock wie der Titelsong «1983» der letzten CD der Sängerin, beeindruckten die Begleitmusiker vor allem in den seltenen Balladen mit ihren sorgfältig gesetzten Backing Vocals, wobei auch in solchen sensibel gestalteten Tunes Sophie Hunger ihr Können unter Beweis stellen konnte.

Den prickelnden Abschluss des zweiten AVO-Session-Abends bot die US-amerikanische Formation «Pink Martini», die mit der Sängerin und Augenweide Storm Large als Frontfrau einen wilden Mix unterschiedlichster Stilrichtungen bot. Von Klassik-Adaptionen wie Maurice Ravels «Bolero» über Latinoschnulzen wie «Bésame Mucho» hin bis zum prickelnd bizarr arrangierten Walzer «Que sera sera» bot das 11-köpfige, famos musizierende Ensemble exzellente Unterhaltungsmusik auf höchstem Niveau: nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

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