Rolf De Marchi

März 30, 2012

Lebensfroher Stilmix

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 11:41 am

Blues Festival Basel 2012 - Neben der lokalen Band BluFonik überzeugte die amerikanische Pianistin und Sängerin Marcia Ball mit abwechslungsreichem Louisiana Blues.

«Let’s Have A Natural Ball» lautete der Titel, den der Main Act der «Swiss American Blues Night» im Rahmen des Blues Festivals Basel 2012 auf das Programm gesetzt hat. Zufall? Wohl kaum, wenn man bedenkt, das der Name der Sängerin und Pianistin, die diesen Klassiker des legendären Bluesgitarristen Albert King zum Besten gab, Marcia Ball lautet. Locker federnd in einem swingenden Groove legte die taff agierende Rhythmusgruppe mit Bassist Don Bennett und Drummer Damien Lanes den Boden für die leicht abgedunkelte, ausdrucksvolle Stimme von Marcia Ball; dazwischen immer wieder vorwärtsdrängende Riffs des Saxophonist Thad Scott und des Gitarrist Mike Schermer. Sinngemäss zelebrierte die Band anschliessend einen breitgestreuten, lebensfrohen Stilmix geprägt von Louisiana Blues, R’n’B, Cajun und Zydeco. Da folgten Schlag auf Schlag groovende Songs wie das rollende «We Fell Hard», das kräftig pulsende «Roadside Attractions» und das mit rassigem Punch gespielte «That’s How It Goes». Im dem beherzt gespielten Blues «Look Bevor You Leap» belegten die Mitmusiker der Sängerin ihre Backing Vocals-Qualitäten. In Slow-Blues wie «Mule Headed Mann» oder das nur mit dem E-Piano begleitete, solo von Marcia Ball vorgetragene «This Used To Be Paradise» wiederum bewies die Sängerin grosse Begabung als ausdrucksstarke Balladensängerin.
Dass Marcia Ball auch kraftvoll in die Tasten zu greifen versteht und immer wieder kernig gestaltete Solos auf ihrem Piano gestaltete, erübrigt sich; eine Feststellung, die übrigens auch auf den Gitarristen Mike Schermer zutrifft, der vor allem durch seine elementaren, druckvoll gespielten Soli auffiel. Und wenn der Saxophonist der Band, Thad Scott auf seinem breit und schneidenden gespielten Horn abdrückte, gab’s kein Halten mehr, da kam die Stimmung im Saal schnell mal auf den Siedepunkt.
Bei alledem soll natürlich der Support Act des Abends, die regionale Blues- und Soulband BluFonik rund um den Gitarristen Claudio Vivarelli nicht vergessen gehen, die im vergangenen Jahr am Blues Festival Basel die «Swiss Talent Blues Night» gewonnen hatte und zur Belohnung am aktuellen Festival unter den grossen Profi-Acts mitspielen durfte. Das Sextett schlug sich da recht tapfer und liess immer wieder mal ihr Rhythmusmaschinchen mit zupackenden Funkblues ordentlich rollen, wenngleich es vor allem bei den Breaks und den Übergängen gelegentlich etwas holperte und knirschte. Sängerin Malika Marmouq mit ihrer dunklen, druckvollen Stimme vermochte die ersten Stücke zu überzeugen, war mit der Zeit aber zu sehr mit Show beschäftigt, worunter die Qualität ihres Gesangs litt. Gitarrist Paco Kol überraschte durch kreative, spritzige Solos, wenngleich man ihm gelegentlich gerne ein beherztes «Weniger ist mehr» zugerufen hätte. Die Band hat gute Anlagen; intensiv proben und viele Gigs absolvieren, dann wird sie vielleicht auch zukünftig wieder mal am Blues Festival Basel unter den Grossen mitspielen dürfen.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

Bluesladies mit Power

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 9:02 am

Blues Festival Basel 2012 - In zwei Konzerten waren neben Schweizer Bluesbands Eden Brent mit klassischem Pianoblues und «Blues Caravan» mit kraftvollem Bluesrock zu hören.

Die Region Basel hat in puncto Blues nicht wenige Talente aufzuweisen wie die Band BlueFonik beweist, die im vergangenen Jahr die «Swiss Talent Blues Night» des Blues Festivals Basel 2011 gewonnen hat. Am diesjährigen Eröffnungskonzert des Festivals allerdings schwangen an der «Swiss Talent Blues Night» Bands aus der Lichterstadt Luzern oben auf und verwies den einzigen lokalen Act in die Ränge. Bluecerne war in den Augen der Fachjury ohne jeden Zweifel die beste Band dieses Contest und wird im kommenden Jahr mit einem Auftritt im Hauptprogramm des Blues Festival Basel 2013 belohnt; Biscuit Jack belegten den zweiten Platz, derweil die Markus Gisin Blues Band aus Gelterkinden mit der Sängerin Manu Hartmann in ihren Reihen sich mit dem dritten Platz begnügen musste.
Mit Lady Power ging’s am nächsten Abend mit der «Female Blues Night» weiter. Das Konzert eröffnet wurde von der Pianistin und Sängerin Eden Brent, die den Blues quasi in die Wiege gelegt bekam, ist sie doch im Herzland diese Musik, dem Mississippi Delta zu Welt gekommen. Dass Eden Brent, die eine kaum enden wollende Zahl von Blues Awards abgeräumt hat, eine solide Musikausbildung an der University of North Texas absolviert hat, war bei ihrem Auftritt unüberhörbar. Mit makellosem Pianospiel unterstützt sang sie mit quecksilberig heller, leicht rauchigen Stimme mit gepflegter Schnoddrigkeit Songs wie «Mississippi Flatland Blues» oder «Ain’t Got No Troubles». Jedoch bei allem Können, das Eden Brent unter Beweis stellte, vermisste man etwas das Herzblut, das beim Blues unerlässlich ist. Dazu kam, dass man vor allem im Pianosiel der Interpretin eine persönliche Note vermisste: Ihr Vortrag wirkte wie eine klischierte Aneinanderreihung von Zitaten aus 90 Jahre Geschichte des Bluespianos.
Den Blues neu erfunden hatte die anschliessend unter dem Motto «Girls with Guitars» auftretende «Blues Caravan» aus England und den USA zwar auch nicht, aber immerhin war beim Auftritt von Samatha Fish (voc/git), Dani Wild (voc/git), Victoria Smith (b) und Denis Palatin (dr) das zuvor bei Brent vermisste Herzblut zu verspüren. Und dass die in knappen Minikleidchen aufgebrezelten Girls nicht nur sexy aussehen konnten, sondern auch hervorragend zu singen und ihre Instrumente gekonnt zu spielen verstanden, bewiesen sie sowohl in eigenen Songs als auch in gecoverten Klassikern wie dem Led Zeppelin-Song «Kashmir» oder dem legendären Hit von Sceamin’ Jay Hawkins «I Put A Spell On You». Vom Drum-Spiel des französischen Schlagzeugers Denis Palatin solide unterstützt, drückten da die Ladies mit Power auf ihren Gitarren ab, und im Besonderen mit ihren spritzigen, nicht unoriginellen Soli vermochten sowohl Samatha Fish als auch Dani Wild zu überzeugen. Beeindruckend auch der Leadgesang der beiden Frontfrauen, der oft von ihren Mitmusikerinnen mit soliden Backing Vocals unterstürzt wurde.

Erschiehnen in der Basellandschaftlichen Zeitung

März 28, 2012

Weich gezeichneter Ansatz

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 12:46 pm

Stadtkirche Liestal - Der junge französische Pianist Adam Laloum überzeugte vor allem durch sein samdig-weiches Legatospiel.

Es gibt sie wieder öfters, die jungen talentierten Pianisten, die nicht wie noch vor weinigen Jahren als gefeierte junge Wilde auf Teufel komm raus die Tasten ihre geplagten Instrumente mit gestählten Fingern traktieren. Der 25-jährige in Toulouse geboren französische Pianist Adam Laloum, der im Rahmen der Baselbieter Konzerte unter dem Titel «Fantasie und Sonate» ein Piano Rezital in der Stadtkirche Liestal gab, bewies im Laufe eines kurzweiligen Abends, dass er ohne Zweifel zur einfühlsamen, klangsinnigen Fraktion der Pianozunft gerechnet werden muss.
Dies wurde bei der Interpretation der «Fantasia» c-Moll KV 475 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) schon nach wenigen Takten klar. Wenn man zum Vergleich die Aufnahme einer der genialsten Mozart-Interpreten Friedrich Gulda aus dem Jahre 1981 (Deutsche Grammophon) beizieht, in der der Meister nicht nur den Anfang dieses Werks eher kantig, die Tragik in diesem Werk betonend spielte, zeichnete Adam Laloum im Besonderen die beiden Adagio-Teile dieses dramatischen Werks mit zartem Fingerschlag. Ohne Hast gestaltete der konzentriert spielende Pianist das tragische Schicksalsmotto zu Beginn des Stücks, um wenig später kontrastreich kraftvoll mit aufwühlenden Forteschlägen eine unheilvoll düstere Atmosphäre heraufzubeschwören. Quirlig locker dann wiederum liess Adam Laloum im darauf folgenden Allegro seine Finger über die Arpeggien und Skalen gleiten, um schliesslich gegen Ende dieser improvisiert wirkenden Komposition wieder zum Eingangsthema zurück zu kehren. Gewiss hatte der weich gezeichnete Ansatz von Laloum etwas für sich, wenn gleich Liebhaber eher konturierten Spiels bei dieser Interpretation nicht sehr auf ihre Kosten gekommen sein dürften.
Im ähnlichem Stil ging es anschliessend in Robert Schumanns (1810-1856) Sonate Nr. 1 fis-Moll op. 11 weiter. Nicht ohne spielerische Kreativität interpretierte Adam Laloum die «Introduzione» zu Beginn dieses Werks, um in der darauf folgenden Aria seine Ader zum Sentiment fliessen zu lassen. Locker, fast schon leger erklangen das Scherzo und das Intermezzo, denen das abschliessend perlende Finale folgte.
Nicht nur dieses, auch das letzte an diesem Abend gespielten Werk, Franz Schuberts (1797-1828) Sonate G-Dur D 894, spielte der junge Pianist mit nahezu makelloser Fingertechnik. Und auch hier vermochte der Interpret durch sein samdig-weiches Legatospiel zu überzeugen, wenngleich man - ähnlich wie schon Eingangs bei Mozart - vor allem in den langen Pianopassagen von Schuberts Sonate dramatisierende Dynamik und zupackende Agogik zu Steigerung der Spannung gelegentlich etwas vermisste. Dennoch muss die grossartige pianistische Leistung von Adam Laloum an diesem Konzertabend unterstrichen werden und es steht zu vermuten, dass dieser junge Pianisten noch eine beachtliche Karriere machen wird.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

März 26, 2012

Musikalischer Winterschlaf

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 2:11 pm

Gare du Nord Basel - Unter der Leitung von Jürg Henneberger brachte das Ensemble Phoenix Basel Kompositionen Schweizer Komponisten zur Uraufführung.

Zarte, sphärische, von dezenten Tremoli der Streichinstrumente umrankte Liegeklänge, nur gelegentlich von impressionistisch fein getupften Klaviertönen überlagert, so setzte sie ein, die Komposition «Hibernation» für Flöte, Klarinette, Klavier und Streichtrio des Westschweizer Komponisten Christophe Schiess (1974). Es war wohl kein Zufall, dass diese vom Ensemble Phoenix Basel in Auftrag gegebene und unter der Leitung von Jürg Henneberger in der Gare du Nord zur Uraufführung gebrachte Komposition mit so zarten Klängen begann. «Hibernation» ist der Fachbegriff für Winterschlaf, der von nicht wenigen Tieren gemacht wird. Dieses erstaunliche Phänomen hat den in Basel zum Komponisten ausgebildete Christophe Schiess dazu inspiriert, zu ein Stück zu diesem Thema zu schreiben.
Und ähnlich einem Tier, das im diesem langen Schlaf seinen Atem extrem verlangsamt, wirkte auch die Komposition «Hibernation» über lange Strecken fein gewirkt aber nie spannungslos. Und wie auch ein Tier gelegentlich für kurze Momente aus dem Winterschlaf aufwacht, um Fettreserven in seinem Körper abzubauen, so gab es auch in dieser Musik kurze Passagen, in denen das Spiel des Sextetts intensiver wurde. Da waren dann schraubenartige Tonketten oder wild durcheinander wuselnde, kurze Tonmotive zu hören. Doch immer wieder fiel die Musik in sich zusammen und machte wieder dem filigranen Fluss des Anfangs Platz.
So ziemlich das Gegenteil bekam man da in der zweiten an diesem Abend gespielten Komposition «Molasse vivant» für Flöte, Klarinette, Schlagzeug, Klavier und Streichtrio (2007 UA) des Luzerner Komponisten Michel Roth (1976) zu hören. Hier erklangen düstere Klangwolken, die oft von intensiv wirbelnden Klangpartikeln und ausladenden Klangmassen durchbrochen wurden. Seiner Musik besondere Intensität aber vermittelte Michel Roth durch wiederholt eingebaute Pausen der Stille, die als Kontrast zur Vehemenz der Musik noch zusätzlich einen Schub verliehen.
Bei den «Danse aveugle» für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier (1997) hatte der Komponist Hanspeter Kyburz (1960) als Grundmaterial auf algorhythmische und fraktale Elemente aus dem Computer zurückgegriffen. Dennoch wirkte diese Musik alles andere als konstruiert: Da wechselten flirrende und schattenhafte Momente mit bewegt kantig gestalteten Passagen vielfältig ab.
Als letztes stand mit dem Stück «Ein Kinderlied» für Ensemble des ebenfalls an der Hochschule für Musik Basel ausgebildeten kolumbianischen Komponisten Leonardo Idrobob (1977) ein weiterer, für dieses Konzert geschriebener Kompositionsauftrag des Ensemble Poenix Basel auf dem Programm. Ungewöhnlich an diesem Werk waren die Momente im dynamischen Spiel, wo auf ein Zeichen der Musiker das Licht im Saal gelöscht wurde und nur noch spärlich expressive Töne und Klänge im Dunklen zu hören waren.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

März 25, 2012

Mir träume vo dr Wält

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 3:31 am

Stadtcasino Basel - Mit einem vielseitigen musikalischen «mini.musik-Konzert» vermochten Mitglieder des Sinfonieorchesters Basel eine zahlreichen Kinderschar für klassische Musik zu begeistern.

Ungemein niedlich und putzig war er anzusehen, der Reigen von mehreren Dutzend Knirpsen, der vor der Bühne im Festsaal des Stadtcasino Basel erwartungsvoll Aufstellung genommen hatte. Und als das «mini.musik-Konzert» schliesslich mit fünf Musikerinnen und Musiker des Sinfonieorchester Basel mit dem spritzig gespielten «Allegro» aus dem Quartett für Holzbläser des französischen Komponisten Jean Françaix begann, herrschte mit einem Schlag Ruhe im Saal und die Kleinen hörten mit gespitzten Ohren fasziniert zu.
«Im Kinderzimmer» lautete das Motto bei diesem Konzert für Kids im Kindergartenalter, zu dem das Sinfonieorchester Basel im Rahmen seiner Konzertreihe «mini.musik» geladen hatte. Und wie es sich für ein ordentliches Kinderzimmer gehört, lagen überall auf und vor der Bühne imaginäre Spielsachen herum, über die die Musikvermittlerin und Moderatorin des Konzerts Irena Müller-Brozovic und der Tänzer Norbert Steinwarz vom Theater Basel vorsichtig steigen mussten. «Myni mini.musik» lautete der Titel des entzückenden Kinderlieds von Céline Shuler, das die beiden anschliessend mit den Kleinen anstimmten. Mit leuchtenden Augen folgte die Kinderschar jeder Bewegung der beiden singenden Erwachsenen, wirbelten mal mit den Ärmchen in der Luft, gingen behende in die Knie oder schossen kleinen Gummibällchen gleich wieder in die Höhe. Nachdem das Lied mit den Worten «Mir träume vo dr Wält i däm Kinderzimmerzält.» geschlossen hatte, stolperten die beiden Moderatoren über eine mysteriöses, goldfarbig rundes Ding, über dessen Funktion gerätselt wurde. Eine Schale, ein Autolenkrad, ein Hörrohr oder gar ein Heiligenschein? Nein, es war der Trichter des Waldhorns von Diane Eaton, die doch tatsächlich dieses für ihr Instrument unentbehrliche Teil verloren hatte.
Vereint mit ihren Mitmusikern Marina Wiedmer (Flöte), David Seghezzo (Oboe), Nikita Cardinaux (Klarinette) und Magdalena Welten Erb (Fagott) interpretiert die Hornistin Diane Eaton anschliessend Stücke von Eugène Bozza und Alec Wilder. Besonders gelungen dann die «Intrada» aus den «Antiche Danza Ungheresi» von Ferenc Farkas, mit dem das Quintett einen wilden Ritt der Kinder auf imaginären Pferden begleitete. Es folgte ein spritziges Wettrennen der Musiker untereinander mit dem «Allegro con spirito» aus den «Sechs Bagatellen» des ungarischen Komponisten György Ligeti. Nachdem die Oboe von der Kinderschar zur Siegerin erkoren worden war, fuhren die Kids vorschriftsgemäss angegurtet mit Helm zu Ligetis «Presto ruvido» Rennauto um endlich nach dem Lichterlöschen mit dem «Adagio» ins Reich der Träume zu entschlummern. Doch dann wurden die Kleinen von einem lebhaft interpretierten «Saltarello» des Ungarn Ferenc Farkas wieder aufgeweckt, um sich fröhlich hüpfend und springend von den Gastgebern des Sinfonieorchesters Basel zu verabschieden.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

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