Rolf De Marchi

Mai 28, 2012

Deutlich wahrnehmbares Engagement

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 12:17 pm

Mit dem jungen russischen Pianisten Sergey Koudriakov als Gast interpretierte das von Kevin Griffiths geleiteten Collegium Musicum Basel Werke von Zoltán Kodály, Franz Liszt
 und Johannes Brahms (1833-1897).

1951 wurde es von Mitgliedern des damaligen Basler Theaterorchester und dessen Leiter Albert E. Kaiser gegründet, das unabhängige Orchester Collegium Musicum Basel. Und in den mehr als 60 Jahren seines Bestehens, so erfuhr man aus dem Munde des Präsidenten des Vereins CMB Dr. Hans Martin Tschudi anlässlich des letzten Abonnement Konzerts der Saison 2011/2012 im Musiksaal des Stadtcasinos Basel, habe das CMB im Unterschied zum Sinfonieorchester Basel und der Basel Sinfonietta nie finanzielle Unterstützung seitens des Kantons Basel-Stadt erhalten. Das CMB habe sich all die Jahre nur dank der grosszügigen Förderung durch private Sponsoren und den relativ kleinen Gagen der Orchestermitglieder über Wasser halten und sein Publikum mit engagierten Konzerten bei der Stange halten können. Der Appell des Präsidenten an das zahlreich erschienene Publikum jedenfalls, der grosse Musiksaal war fast bis auf den letzten Platz besetzt, man möge doch das CMB auch in Zukunft durch reichliche Spenden unterstützen, klang dringlich, fast so, als ob das Weiterbestehen des Orchesters auf dem Spiel stünde.
Wie dem auch sei, mit den anschliessend interpretierten «Tänzen aus Galánta» des ungarischen Komponisten Zoltán Kodály (1882-1967) gelang es dem vom jungen Dirigenten Kevin Griffiths geleiteten Collegium Musicum Basel ordentlich, etwaige finanzielle Sorgen zu vertreiben. Nicht ohne Emphase spielte das CMB diese Tänze, wenngleich man streckenweise die für die Interpretation dieser zauberhaften Stücke notwendige federnde Leichtigkeit etwas vermisste.
Überzeugend dann der 34-jährige russische Pianist Sergey Koudriakov, der das Klavierkonzert Nr. 1 Es-Dur
 von Franz Liszt
 (1811-1886) mit der erforderlichen Verve in die Tasten seines Instruments meisselte. Einzig im zweiten, im «Quasi adagio» zu spielenden Satz wirkte sein Spiel etwas starr; ein Tick mehr gestalterische Agogik hätte da wohl nicht geschadet. Nachvollziehbar wiederum die Führung durch Kevin Griffiths, der nebenbei bemerkt der Sohn des ehemaligen Dirigenten des Zürcher Kammerorchesters Howard Griffiths ist: mit der nötigen Umsichtigkeit gelang es dem jungen Orchesterleiter sinnfällig, Pianist Sergey Koudriakov und das CMB zu einer gut fundierten Einheit zusammenzuführen.
Solide schliesslich erklang zum Abschluss die 1883 in Wien mit grossem Erfolg uraufgeführte Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 90

 von Johannes Brahms (1833-1897). Zwar waren wiederholt kleinere, kaum wahrnehmbare Fehler wie etwas uneinheitlich gespielte Einsätze, geringfügige Intonationsprobleme oder nicht immer ganz sauber angeblasene Töne im Blech zu hören. Auch liesse sich in puncto transparenter Durchhörbarkeit der einzelnen Instrumentalstimmen wohl noch etwas machen; dennoch genoss man die Interpretation dieser grossartigen Sinfonie nicht ohne Vergnügen, was nicht zuletzt auf das deutlich wahrnehmbare Engagement der Musikerinnen und Musiker das Collegium Musicum Basel und dessen Dirigenten Kevin Griffiths zurückzuführen war.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

Mai 25, 2012

Fresko voller emotionaler Höhenflüge und Abgründe

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 1:13 pm

Gemeinsam mit der Violinistin Isabella van Keulen interpretierte das vom deutschen Dirigenten Gabriel Feltz geleitete Sinfonieorchester Basel Werke von Brahms, Mozart und Tschaikowsky.

Mit zwei wuchtigen Tutti-Schlägen auf der Tonika und der terzlosen, nur mit der leeren Quinte angedeuteten Dominante stieg das Sinfonieorchester Basel ein in die «Tragische Ouvertüre» von Johannes Brahms (1833-1897), die das Orchester im Rahmen der Volkssinfoniekonzerte im Musiksaal des Stadtcasinos Basel zu Gehör brachte. Auf- und ab schwang sich anschliessend das Hauptthema, ausufernd in einen wogenden rhythmischen Prozess, der sich dynamisch steigernd zu einem weiteren Tutti-Ausbruch weiterentwickelte. Mit akkurat gezeichneter Dynamik leitete anschliessend der deutsche Dirigent Gabriel Feltz, seines Zeichens Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker, das Sinfonieorchester Basel durch dieses mit vielfältigen motivischen Elementen gespickte Werk mit seinen vitalen kontrapunktischen Entladungen.
Wirkte Brahms Ouvertüre steckenweise noch etwas behäbig vorgetragen, gelang es dem Orchester, der anschliessenden Interpretation von Wolfgang Amadeus Mozarts (1756-1791) Konzert für Violine und Orchester Nr. 4 D-Dur, KV 218 federnden Drive einzuhauchen. Wohltuend auch die Darbietung der Solistin Isabella van Keulen, deren Violinton zwar etwas dünn wirkte, die aber durch ihr gradliniges Spiel frei von sentimentalen Übertreibungen zu überzeugen vermochte. Dem Dirigent Gabriel Feltz, der ein glückliches Händchen für Mozarts Musik zu haben scheint, gelang es ausnehmend gut, die Solistin und das Orchester zu einer Einheit zu verschmelzen und diese schillernde Musik zum glitzern und funkeln zu bringen.
Höhe- und Schlusspunkt dieses Konzerts aber bildete ohne Zweifel die Sinfonie Nr. 6 h-Moll, op. 74 von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893), bei deren Wiedergabe es dem Sinfonieorchester Basel vortrefflich gelang, dem Beinamen dieses Werks «Pathétique» gerecht zu werden. Mit glühender Emphase streifte das Orchester durch diese fünfsätzige Komposition mit ihrer charakteristischen, subtil abgestuften Palette an Orchesterfarben, mit denen Tschaikowsky dieses gigantische Fresko voller emotionaler Höhenflüge und Abgründe gemalt hatte. Kantig gemeisselte Partien mit bisweilen grell überhöhten Effekten des Grandiosen, des Martialischen, des Hymnischen waren da zu hören, in denen vor allem die Blechbläser ihr Können entfalten konnten; lyrische Passagen wiederum überzeugten durch ihren weich gezeichneten Streicherstrom, wären die Holzbläser vor allem in den tänzerisch gestalteten Abschnitten ihre technische Brillanz unter Beweis stellen konnten.
Im Besonderen erwähnenswert aber ist der vierte, im «Allegro molto vivace» zu spielende vierte Satz, im dem es Gabriel Feltz bestechend gelang, sprühende Funken aus dem Orchester herauszuschlagen. Jedes Mal, wenn man glaubte, mehr sei nicht mehr heraus zu holen, zog der Dirigent die Dynamikschraube weiter an und trieb den Klangkörper energisch vorwärts hin zur gewaltigen orchestralen Apotheose. Mit wogenden, mehr und mehr in tragische Tiefe absinkenden Streicherklängen liess das Sinfonieorchester Basel diese phänomenale Sinfonie in einem dezenten Decrescendo ausklingen.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

Mai 23, 2012

Ein Wunschkonzert à la carte

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 12:55 pm

Unter der Moderation von Ex-DRS-Programmleiter Arthur Godel feierte das Guarneri Trio Prague sein 25-jähriges Bestehen mit einem Wunschkonzert.

Vor einem guten Vierteljahrhundert gründeten der Violinist Čeněk Pavlík, der Violoncellist Marek Jerie und der Pianist 
Ivan Klánský das Guarneri Trio Prague. Seit seiner Etablierung 1986 spielt das kleine Ensemble in der gleichen Besetzung, was in der heutigen, schnelllebigen Zeit keine Selbstverständlichkeit ist. Natürlich musste dieses 25-jährige Jubiläum in der vergangenen Saison 2011/2012 mit einer ausgedehnten Tournee durch Südamerika und Europa gebührend gefeiert werden. Dabei durfte auf dieser Konzertreise auch ein Halt in Basel nicht fehlen, ist das Trio doch seit seiner Gründung Dauergast in der Konzertreihe «Kammermusik um halb acht». So auch dieses Mal, wo sich das Guarneri Trio für sein Jubiläumskonzert im voll besetzten Hans Huber-Saal im Stadtcasino Basel etwas spezielles hat einfallen lassen: ein «Wunschkonzert à la carte». Als Maître de plaisire hatte das Trio den langjährigen, inzwischen in den Ruhestand getretenen Programmleiter von Radio DRS 2 Artuhr Godel eingeladen, der das Konzert moderierte.
Alle Zuhörerinnen und Zuhörer im Publikum fanden auf ihren Sitzen ein Programmheft vor, in dem fünfzig einzelne, nach Kategorien wie «Mit Energie und Leidenschaft», «Langsam, mit inniger Empfindung» oder «Scherzando, mit Humor» geordnete Sätze aus Klaviertrios vorwiegend der Klassik und Romantik aufgelistet waren. Allen im Publikum wurden auf dem Heften auch Nummern zugeordnet, die dann ausgelost wurden. Die Ausgelosten wiederum waren dazu berechtigt, je nach Geschmack oder Interesse einzelne dieser Sätze auszuwählen, die dann anschliessend vom Guarneri Trio interpretiert wurden.
Diese Vorgehensweise schien dem Publikum grosse Freude zu bereiten und ermöglichte es dem Moderator Arthur Godel, mit seinem fundierten Musikwissen zu brillieren und den drei Mitgliedern des Trios viel Interessantes über deren langjährige Konzerttätigkeit zu entlocken. So erfuhr man beispielsweise, dass der Name des Ensembles Guarneri Trio Prague daher rührt, dass Violinist Čeněk Pavlík und Violoncellist Marek Jerie auf Instrumenten der traditionsreichen Cremoneser Geigenbauerfamilie Guarneri des 17. und 18. Jahrhunderts spielen.
Vom rein musikalischen Standpunkt allerdings erwies sich dieses Wunschkonzert als weniger ergiebig und dies aus zwei Gründen: Herausgerissen aus ihrem Gesamtkontext wirkten die einzelnen Stücke isoliert, ein vertieftes Einhören war so nicht möglich. Kaum war man auf die Musik eingestimmt, wurde man durch die nächste Moderation und Verlosung wieder aus ihr herausgerissen. Dazu kam, dass die drei Musiker schwerlich fünfzig Sätze wirklich seriös vorbereiten konnten, was sich bei der Interpretation einzelner Sätze wie etwa eine bömische Polka von Antonín Dvořák oder eine Elegie von Joseph Suk bemerkbar machte; entgegen der normaler Weise vom Guarneri Trio Prague zu hörenden höchsten spieltechnischen Brillanz wirkte ihr Spiel bei diesem Konzert sowohl in puncto Intonation als auch rhythmisch wiederholt unpräzise.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

Mai 7, 2012

Ein magisches Trio

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 7:41 pm

Jazzfestival Basel - Richard Galliano, Didier Lockwood, Biréli Lagrène setzten ein würdiges Finale.

Es ist oft angebracht, Slogans, die in Programmheften der Festivals den einzelnen Konzerten verpasst werden, ein gewisses Misstrauen entgegen zu bringen, neigen diese doch nicht selten zu Übertreibungen. Im Falle des Trios Richard Galliano (Akkordeon), Didier Lockwood (Violine) und Biréli Lagrène (Gitarre) allerdings, das dem Jazzfestival Basel 2012 im Musiksaal des Stadtcasino Basel den Schlusspunkt setzte, erwies sich die Vorankündigung «The Magic Trio» als angebracht. Das war wahrhaftig magisch, was diese drei Spitzenmusiker, die mit Fug zur Crème der französischen, ja der europäischen Jazzszene gerechnete werden müssen, an diesem Abend zu bieten hatten.
Mit einem gelungenen Mix diverser Stilrichtungen ist es dem Trio gelungen, ein abwechslungsreiches Programm zu gestalten. Neben der eigentlichen Basis, dem Jazz waren da immer wieder auch Elemente aus Filmmusik, dem argentinischen Tango oder der französischen Musette zu hören. Und auch wenn das Trio offenkundig keines ihrer Stücke spielten, so schwebten doch die meiste Zeit die Geister des Gitarristen Django Reinhardt und des Jazzgeigers Stephan Grappelli, den Urväter des französischen Jazz, im Raum. Nicht dass die Musiker ihre grossen Vorbilder billig kopiert hätten: Mit einem modernen, relativ geraden Ton, frei von übertriebenen sentimentalen Klischees beispielsweise spielte Didier Lockwood auf seiner Violine. Wenn der Musiker allerdings solierte, überzeugte er durch seine lodernde Intensität und wenn der Geiger beispielweise im Jazzstandard «Autum Leaves» im höchsten Flageolett mit zartem, gläsernem Ton das Thema spielte, dürfte nicht wenigen im Publikum ein wohliger Schauder über den Rücken gerieselt sein.
Der Gitarristen Biréli Lagrène wiederum erwies sich nicht nur als hervorragender Solist, er bildete über weite Strecken auch das swingende Fundament des Trios, das locker eine Rhythmusgruppe ersetzen konnte. Mit perfektem Timing legte der Gitarrist auf der tiefsten Saite Basslinien, die er mit makellos geschlagenen Akkorden harmonisierte.
Für einen Hauch Tango und französische Musette wiederum war der Akkordeonist Richard Galliano zuständig, der allerdings auch in Jazzstandards wie etwa im Duke Ellington-Klassiker «In A Sentimental Mood» durch emotionsgeladenes Feuer zu überzeugen vermochte. In solchen Momenten beeindruckte der Akkordeonist nebst seiner makellosen Fingertechnik im Besonderen auch durch seine einfühlsam gestaltete Melodik.
Einer der Höhepunkte des Abends aber bildete ein mit viel Spielwitz ausgestalteter Blues, den die drei Musiker mit speziellen, humorvoll konturierten Instrumentaltechniken einleiteten. Mit hinreissender Verve schmolz da das Trio Richard Galliano, Didier Lockwood und Biréli Lagrène zur soliden Einheit zusammen, in der jeder der Drei mit geschärften Sinnen auf jede musikalische Regungen seiner Kollegen feinfühlig reagierte.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

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