Rolf De Marchi

Oktober 29, 2014

Die Vision des Terence Blanchard

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 1:48 pm

Beim dritten Konzert der Jazzreihe offbeat im Volkshaus Basel präsentierte «The Terence Blanchard E Collective» eine gelungene Fusion von Funk mit Jazz.

Flirrenden Synthesizerklängen waberten beim Einstieg in das Konzert des Terence Blanchard E Collective von der anfangs leeren Bühne des Volkshauses Basel. Dann mischten sich filigran getupfte Pianoklänge dazu und eine Stimme aus dem Off gab ein kurzes Statement zur Befindlichkeit von Jazz- und Bluesmusiker zum Besten, das schliesslich in den Worten «We have to have a vision» gipfelte. Der amerikanische Jazztrompeter und Komponist Terence Blanchard jedenfalls hat unüberhörbar eine Vision, wie man im weiteren Verlauf dieses Abends im Rahmen der Konzertreihe Offbeat erfahren konnte: Er will gute Musik machen!
Als wenig später Drummer Oscar Seaton das erste Stück einzählte, stieg das Quintett mit einem gemächlich rollenden Funk-Groove ein, der anfänglich idyllisch zum Zurücklehnen einlud. Doch Kuschelsound war beim Terence Blanchard E Collective nicht angesagt. Bald mischten sich mehr und mehr schräge Akkorde und Riffs des Pianisten Fabian Almazan und des Gitarristen Charles Altura in das Geschehen, die die Idylle auflösten. Mit der Präzision einer Schweizer Uhr schlug Drummer Oscar Seaton schnörkellos den Grundbeat, den er allerdings immer wieder mit perfekt gesetzten kurzen Kicks und Rolls aufbrach. Oft synkopiert zwischen den Beats wiederum setzte der E-Bassist Donald Ramsey seine Bassriffs, was der Musik einen dynamisch federnden Drive gab. Darüber setzte Bandleader Terence Blanchard mit seiner Trompete kurze thematische Motive, die er eigenhändig auf einem kleinen Synthesizer kommentierte.
In den anschliessenden Solos verliess Drummer Seaton den Grundbeat und gestaltete sein rhythmisches Spiel freier. Und auch das auf höchstem technischem Niveau gestaltete Solospiel der Musiker bewegten sich ungebunden durch den Tonraum. Im Besonderen Trompeter Blanchard setzte sich in seine Solos oft aus der angestammte Tonart ab, um kreativ über sämtliche zwölf zu Verfügung stehenden Töne zu wandern.
Bei solchen Gelegenheiten bewies Terence Blanchard, dass er zu Recht zu den besten Trompetern der aktuellen Jazzszene gerechnet wird. Der 52-jährige Musiker hat in seiner Karriere mit den wichtigsten Grössen des Jazz zusammengespielt und Berühmtheit als Filmkomponist mehrerer Filme des amerikanischen Regisseurs Spike Lee erlangt. Und dass Blanchard nicht nur den Hard Bop und den modernen Jazz souverän beherrscht, sondern sich auch in funky Grooves brillant zu bewegen weiss, bewies er in diesem Konzert.
Das Terence Blanchard E Collective hatte an diesem Abend gleich mehrere brandneue Stücke im Gepäck, die teilweise noch nicht einmal einen Titel hatten und die demnächst auf einer neuen CD erscheinen sollen. Dazu spielte das Quintett noch ein Stück der Rockband «The Cream», um damit dem vor wenigen Tagen verstobenen Bassisten dieses legendären Powertrios Jack Bruce ein musikalisches Denkmal zu setzen. Für die Zugabe dieses musikalisch reichen Konzerts hatte Blanchard einen Jazzklassiker ausgewählt: Wayne Shorters Standart «Footprints», der dank seinem mit Funk neu gewobenen Gewand erfrischend aktuell herüber kam.

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