Rolf De Marchi

März 21, 2016

Transatlantische Zusammenarbeit

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 4:08 am

Im Schützen Kulturkeller in Rheinfelden fesselte das Transatlantic Jazz Swingtet sein Publikum mit einem abwechslungsreich gestalteten Programm voll souverän gespieltem Jazz.

Während die USA und die EU immer noch um ein Freihandelsabkommen ringen, findet die Zusammenarbeit zwischen den Kontinenten auf dem Gebiet des Jazz längst statt. Wie fruchtbar diese gemeinsame Arbeit über den Atlantik hinweg sein kann, bewies das Transatlantic Jazz Swingtet, das im Kulturkeller des Hotel Schützen in Rheinfelden ein mitreissendes Konzert gab. Der Klarinettist und Saxophonist Engelbert Wrobel, einer der begnadetsten Benny Goodman-Stilisten Deutschlands, hatte die vierköpfigen Band speziell für eine Europatournee zusammengestellt. Neben dem deutsch-amerikanischen Pianisten Chris Hopkins und dem amerikanischen Gitarristen und Banjo-Spieler Eddie Erickson stand da noch die seit Jahren in New York lebende Australierin Niki Parrott mit ihrem imposanten Kontrabass auf der Bühne des Schützen Kulturkellers.
Erstaunlich an dieser Besetzung war, dass das Quartett auf ein Schlagzeug verzichtete, bei einer Swingband, so könnte man meinen, ein Risiko. Mitnichten! Ganz im Gegenteil erwies sich dies als Vorteil, wirkte dadurch der Sound der Band transparenter und damit besser durchhörbar. So beispielsweise im Donaldson and Kahn-Klassiker «Love Me Or Leave Me» aus dem Jahre 1928, den die Band mit einem locker swingenden Groove spielte. Mit einem perfekt abgestimmten Gefühl für Dynamik gestalteten die vier Musiker das elegante Thema mit seinem abwärts gerichteten, einzigartigen Oktavsprung am Anfang. Es folgte ein nach allen Regeln gespieltes Klarinettensolo von Engelbert Wrobel. Mit souveräner Fingertechnik raste der Solist mit ausgeklügelten Tonfiguren, Skalen und Motivfetzen durch sämtliche Register und Lagen seines Instruments, ohne auch nur ein Hauch von Unsicherheit erkenne zu lassen. Sprühend vor Spielwitz wiederum Eddie Erickson, der auf seinem Banjo ein Feuerwerk von Rhythmen entfachte, das er mit synkopierten Verschiebungen virtuos aufbrach und so seinem Solo einen kräftigen Schuss Komik einflösste.
Entscheidend aber für das Gelingen dieser Interpretation war Niki Parrott, der es gelang, mit ihrem akzentuiert federnden Bassspiel den swingenden Groove des Stücks gehörig zum Pulsen zu bringen und so das fehlende Schlagzeug vergessen zu lassen. In ihrem Solo liess die Musikerin ihre Finger in grossen Sprüngen flink über das Griffbrett ihres mächtigen Instruments hüpfen. Auf ihren hochhackigen Pumps tänzelnd, zeigte die zierliche Lady vollen Köpereinsatz und liess ihr langen Ohranhänger wild um ihren wippenden Kopf wirbeln.
Komplett anders gestickt der anschliessend gespielte, von Henry Mancini geschriebene Klassiker «Moon River», der durch den Film «Breakfast at Tiffany’s» Berühmtheit erlangt hat. Mit angenehm weicher Stimme interpretierte Niki Parrott diesen gefühlvollen Song mit plastischer Gestaltungskraft. Hier vermochte Pianist Chris Hopkins als Solist seine Stärken auszuspielen: Mit fein abgestimmter Fingertechnik zauberte er filigran perlende Klangarabesken zerbrechlich wie Glas.
Auf diesem hohen musikalischen Niveau folgte ein Ohrwurm dem nächsten, wobei
sich auch Gitarrist Eddie Erickson als hervorragender Sänger erwies, der seine Songs mit Humor zu würzen verstand. Mit immer neu wechselnden Besetzungen, mal im Duo, mal zu dritt oder zu viert sorgte das Quartett zusätzlich für musikalische Abwechslung und vermochte so das Publikum im Schützen Kulturkeller mit seiner tollen Atmosphäre und seiner hervorragenden Akustik zu fesseln.

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