Rolf De Marchi

April 6, 2016

Spannungsgeladene Momente

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 10:04 am

Im Schützen Kulturkeller in Rheinfelden gastierte das David Regan Orchestra, das zum Besten gehört, was die europäische Big Band Szene momentan zu bieten hat.

Der Sound, den das David Regan Orchestra bei seinem Konzert im Schützen Kulturkeller in Rheinfelden zelebrierte, war schlicht gigantisch. Kein Wunder, die Formation umfasst 18 Musiker, davon 14 Bläser, da kann man einiges anstellen! In der Komposition «The Groove Merchant», 1969 vom Thad Jones Orchestra phänomenal eingespielt, fetzten die sechs Saxophone des David Regan Orchestra ihr technisch anspruchsvolles Thema unisono mit Präzision und einem irrwitzig schnelle Tempo rauf und runter, das fast schon ans Überirdische grenzte. Etwas lockerer, aber nicht weniger packend der Thelonious Monk-Klassiker «Straight No Chaser», der mit seinem elastisch geswingten Groove in die Beine ging. Jedes Stück brachte neue Überraschungen: Mal rasten die Saxophone durch alternative Skalen und gebrochenen Akkorde, dann hieben die Trompeten, Flügelhörner und Posaunen harte Akkorde in den Raum, die gelegentlich mit schrillen Dissonanzen das Gehör auf die Probe stellten. Besonders spannungsgeladen aber waren die Momente, wo das Geschehen im wildem Call and Response Verfahren in schneller Folge von einer Hornsektion zu anderen wanderte. Hier bewies die Band wahre Meisterschaft.
In eher ruhigen Balladen wie etwa der Frank Sinatra-Song «In The Wee Small Hours In The Morning» wiederum überzeugte das David Regan Orchestra durch ein hohen Grad an Sensibilität. Filigran webte die Rhythmusgruppe den perkussiven Begleitteppich, zart umgarnt von schillernden Akkorden der Bläser und überlagert von elegischen Kantilenen eines schwelgerisch solierenden Saxophons.
Mit jeder Note, mit jedem Takt, mit jedem Stück wurde klar, dass hier Profimusiker zu Gange waren, die sowohl spieltechnisch als auch interpretatorisch zur Spitzenklasse gehören. Mit Recht darf das David Regan Orchestra zum Besten gerechnet werden, was die europäische Jazzszene bezüglich Big Band Jazz momentan zu bieten hat. Dies bewiesen nicht zuletzt auch die vielen spektakulären Solos der verschiedenen Musiker, die in puncto Virtuosität und Kreativität kaum zu überbieten waren. Die Mitglieder des David Regan Orchestra stammen vorwiegend aus der Schweiz und aus Frankreich, wobei die Band ihre Reihen oft auch mit Gastmusiker der internationalen Jazzszene ergänzt wie etwa der amerikanische Tenorsaxophonist Bob Mintzer oder dem Altsaxophonist Steven Wilson.
Begründer und Leiter der Grossformation ist der an der Manhattan School of Music in New York ausgebildete, heute als Lehrer an der Musikhochschule Zürich wirkende Altsaxophonist David Regan, der auch in unterschiedlichen Jazzformationen sowohl in den USA als auch in Europa Konzerte gibt. Das David Regan Orchestra hat sich vorwiegend auf modernen Big Band Jazz rund um Thad Jones, Duke Ellington und Count Basie hin bis zu zeitgenössischen Arrangements von Bob Bookmeyer, Bill Holman, Jim McNeely und andere mehr spezialisiert. Es bleibt zu hoffen, dass das David Regan Orchestra bald wieder im Schützen Kulturkeller in Rheinfelden zu Gast sein wird: Solch eine geniale Ohrabreibung lässt man sich gerne erneut verabreichen!

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