Rolf De Marchi

Mai 11, 2016

Schneller als das Auge

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 4:25 pm

Das Benny Green Trio aus New York bestach im Schützen Kulturkeller Rheinfelden durch Können und einem kontrastreichen Programm.

Fast unheimlich, mit welchem Tempo der New Yorker Jazzpianist Benny Green seine Finger in den Solos über die Tasten seines Instruments wirbeln liess. Bei seinem Konzert im Schützen Kulturkeller in Rheinfelden gab es Momente, wo die quirligen Finger des Pianisten kaum wahrnehmbar waren, so schnell bewegten sie sich. Erstaunlich dabei, Benny Greens Pianospiel wirkte trotz aller Technik nie unmusikalisch. Der Mann wusste genau, was er tat und verlor den musikalischen Ausdruck nie aus den Augen. In Kompositionen wie «Seascape» von Kenny Barron oder Cedar Waltons «Groundwork» bestach der Pianist mit seiner Fähigkeit, immer neue, innovative Tonfiguren und Melodiefetzen einzusetzen, die er mit beispielloser Virtuosität nach Belieben in der Tonart hin und her schob und miteinander verzahnte. Der Kreativität Greens schien keine Grenze gesetzt zu sein. Dass der Pianist neben seiner stupenden Spieltechnik auch eine sensible Ader hat, bewies er in nicht wenigen, ruhigeren Balladen, wo der Musiker mit feinsinnigem Gespür elegische Stimmungen heraufbeschwor.
Benny Green hat sich in der US-amerikanischen Jazz-Szene einen Ruf als einfühlsamer Begleitmusiker erarbeitet. So war er relativ jung Mitglied von Art Blakeys Talentschmiede The Jazz Messengers. 1983 spielte er in der Begleitband der faszinierenden Sängerin Betty Carter und ab 1993 war er drei Jahre Mitglied im Trio von Ray Brown. Während seiner weiteren Karriere war er Sideman in den Bands von Milt Jackson, Diana Krall, Freddie Hubbard und vielen mehr. Weitere Meriten verdiente sich der Pianist mit eigenen Projekten mit Gastmusikern wie Stanley Turrentine, Christian McBride, Buster Williams, Terence Blanchard. Dabei legte er immer Gewicht auf gleichberechtigte Partner, die musikalisch auf Augenhöhe mit ihm zusammenarbeiteten.
So auch im aktuellen Konzert im Schützen Kulturkeller, wo der Kontrabassist David Wong dem Pianisten zur Seite stand. Wongs musikalisches Konzept unterschied sich von dem seines Partners Green. Während der Pianist es liebte, schnelle Tonketten zu flechten, konzentrierte sich der Bassist mehr auf rhythmische Aspekte. Er bemühte sich, das Gespielte durch unterschiedlichste rhythmische Verschiebungen, Einbau von Triolenfiguren etc. aufzubrechen. Wong setzte damit in seinen Solos einen bereichernden musikalischen Kontrapunkt zum Stil seines Gefährten Green.
Zentral auch Drummer Rodney Green, der das Spiel seiner Kameraden mit grossem Einfühlungsvermögen begleitete. Mit zartem Tippen auf Becken, sparsamen Schläge auf den Rand der Snare begleitete er seine Kompagnons in den lyrischen Balladen. In schnellen, dynamischen Stücken entzündete der Drummer mit treibenden Beats auf der Bassdrum sowie energisch wirbelnden Rolls auf den Trommeln ein rhythmisches Feuer, das die Musik energiegeladen vorantrieb.
Das Konzert mit dem Benny Green Trio wurde vom Jazzclub Q4 organisiert. Q4 führt im Schützen Kulturkeller Rheinfelden regelmässig Konzerte durch.
Am Montag 23. Mai 2016 steht das Jonathan Kreisberg Quartet aus New York auf dem Programm des Schützen Kulturkeller in Rheinfelden.
Ein absolutes Muss für jeden Jazzfan: Montag, 6. Juni 2016, The David Regan Orchestra

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