Rolf De Marchi

Juni 13, 2016

Haut einen fast vom Stuhl

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 12:33 am

In Ziefen nahe Liestal lebt ein Mann, der Kunstwerke aus Holz macht, die gut klingen: Der Gitarrenbauer Ossy Hürlimann.

Egal ob Amateur oder Profi, für den passionierten Gitarristen ist seine E-Gitarre mehr als einfach nur ein Instrument, für ihn ist sein ‚Brett’ fast schon Religion. Viele sind ein Leben lang auf der Suche nach der Gitarre mit dem wahren Ton, der ihrer Klangvorstellung entspricht. Inzwischen haben nicht wenige Gitarristen die Erfüllung ihres sehnlichsten Wunsches in Ziefen nahe Liestal gefunden. Dort lebt und arbeitet der Gitarrenbauer Ossy Hürlimann, der mit seinen einzigartigen Instrumenten in der Gitarren-Gemeinde fast schon Kultstatus erlangt hat.
Der Instrumentenmacher hat Jahre lang in der Chicago Dave Bluesband den E-Bass gezupft. Dabei spielte er auf verschiedenen Instrumenten und war nie zufrieden damit. Eines lag gut in der Hand, doch der Ton war schlecht, dann wiederum spielte er ein Instrument, das prima klang, dessen Handling aber unangenehm war. Schliesslich machte er sich kundig in Fachbüchern, im Internet und bei Schreinern und baute sich ein eigenes Instrument. Er war mit dem Resultat so zufrieden, dass er sich dazu entschloss, neben seinem Job als Betriebsleiter der Velostation Liestal ein zweites berufliches Standbein als Gitarrenmacher aufzubauen.
Wie nun arbeitet so ein Instrumentenbauer? Ein Gitarrist liest oder hört, dass es in Ziefen einen Mann gibt, der fantastische E-Gitarren und Elekrobässe baut. Der Musiker geht im Internet auf die Website von Ossy Hürlimann (www.madera-guitars.ch) und was er da sieht, haut ihn fast vom Stuhl. Wahre Kunstwerke bekommt er da zu Gesicht, eines schöner als das andere. Der Gitarrist nimmt mit dem Instrumentenmacher Verbindung auf, fährt nach Ziefen in dessen Show-Room und erfährt, dass jedes dieser Instrumente eine Unikat ist, bis ins letzte Detail ,massgeschneidert’ auf die Bedürfnisse des Gitarristen und dies erst noch zu vernünftigen Preisen.
Der Musiker entschliesst sich, eine Gitarre bauen zu lassen. Unter dem strengen Auge von Ossy Hürlimann spielt der Mann auf rund zehn verschiedenen Instrumenten und erklärt dem Gitarrenbauer, was ihm am gespielten Instrument gefällt, was nicht. Jeder noch so geringer Hinweis wird notiert. Weitere Fragen wie etwa das vom Musiker gewünschte optische Erscheinungsbild der Gitarre werden geklärt.
Dann begibt sich Ossy Hürlimann in seine Werkstatt, wo eine Unmenge Bretter aus Dutzenden von Holzarten lagern. Von tropischen Hölzern wie Mahagoni, Palisander oder Ebenholz hin zu einheimischen Hölzern von Apfel-, Zwetschgen-, Nuss- und Kirschbäumen sowie Esche, Erle und Ahorn finden sich da. Oft fällt der Gitarrenbauer die Bäume selber, sägt und lagert das Holz nach Kriterien, die auf Wissen und Erfahrung beruhen, damit das Holz wunschgemäss austrocknet.
Jetzt stellt sich die Frage, welche dieser Hölzer den Wünschen des Kunden am nächsten kommen. Jede Holzart hat spezifischen Eigenschaften: Es gibt Hölzer mit dekorativer Maserung, die optisch toll aussehen, die aber oft zu hart sind, schlecht schwingen und daher nicht so gut klingen. Andere Holzarten haben einen guten Klang, geben aber optisch nicht so viel her. Meist entscheidet sich der Gitarrenbauer für ein Mischform: Der Body des Instruments aus weicherem Holz mit guten Klangeigenschaften, auf der Decke und am Boden verleimt dünne Platten aus dekorativem Hartholz, was der Gitarre Stabilität und Schönheit verleit.
In einem aufwendigen Prozess werden nun der Body und der Hals zugesägt, geschliffen und dann zusammengefügt. Das Instrument wird lackiert oder mit Farbe behandelt, die elektrischen Tonabnehmer werden montiert, oft kleine Lämpchen in den Gitarrenhals eingebaut, die beim Spielen des Instruments je nach Frequenzgang aufleuchten und natürlich dürfen die Saiten nicht fehlen. Schliesslich wird der Kunde wieder eingeladen, das Instrument auszuprobieren. Letzte Anpassungen werden vorgenommen, bis die fertiggestellte Gitarre die Werkstatt von Ossy Hürlimann verlässt, um den Gitarristen und sein Publikum glücklich zu machen.

Cool wie Miles Davis

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 12:31 am

Das auf höchstem technischen Niveau spielende Dusko Goykovich Quintet überzeugte durch eine klug gestaltetes Programm.

Es gibt momentan in der Region nur wenige Orte, wo man so guten Jazz hören kann, wie im Schützen Kulturkeller in Rheinfelden. In diesem Lokal mit seiner angenehmen Atmosphäre und seiner hervorragenden Akustik organisiert der Jazzclub Q4 seit ein paar Jahren regelmässig Konzerte mit hervorragenden Bands und Musikern der Spitzenklasse.
Der Beweis: In der kommenden Saison, am 26. September 2016 steht der belgische Topgitarrist Philip Catherine mit seinem Trio auf dem Programm. Der Musiker wird seit Dekaden zur Super League der Jazzgitarristen gerechnet und tritt in der Regel eher in grossen Sälen und an Jazzfestivals auf. Dasselbe lässt sich vom amerikanischen Saxophonisten James Carter sagen, der mit seinem Organ Trio am 31. Oktober 2016 im Schützen Kulturkeller spielen wird. Der Ausnahme-Saxophonist hat vor allem durch sein energiereiches Powerplay Berühmtheit erlangt und ist für jeden Jazzfan ein Muss.
Den ultimativen Beweis für die Top-Qualität der Konzerte, die der Jazzclub Q4 organisiert, lieferte das Dusko Goykovich Quintet, das vor kurzem im Schützen Kulturkeller spielte. Der serbische Trompeter und Bandleader Dusko Goykovich zählt 84 Lenze, die man ihm beim Spiel auf seinem Instrument nicht anhört. Er musiziert mit einer spieltechnischen Souveränität, die manch jüngeren Musiker blass aussehen lässt. Seine Spezialität sind Balladen, die er entweder auf dem Flügelhorn mit seinem weichen Klang bläst oder aber mit der gestopften Trompete interpretiert. Dann weht ein Hauch von Cool Jazz à la Miles Davis durch den Raum. Stücke wie «Five O’Clock In The Morning» oder «A Ballad for Miles» gestaltete der Musiker mit hoher Sensibilität für Melodik aus.
Beeindruckend auch der deutsche Tenorsaxophonist des Quintetts, Jürgen Seefelder, der mit seinem Spiel an die Tradition der grossen Hard Bop-Saxophonisten wie John Coltrane oder Sonny Rollins in den späten 1950er-Jahren anknüpft. Selbst in den komplexesten Strukturen wie etwa in der Coltrane-Komposition «Bass Blues» war in seinem Solo nicht die geringste Unsicherheit zu verspüren, in schnell phrasierten Stücken wie Dizzy Gillespies «Ow!» wirkte Seefelders Spiel locker und beherrscht.
Ähnliches lässt sich vom deutschen Pianisten Claus Raible sagen, der durch ein hohes Mass an Kreativität auffiel. Mit seinen kraftvoll in die Tasten gehämmerten Akkorden trug er entscheidend zum energiegeladenen Drive der Band bei.
Schliesslich die Rhythmusgruppe mit dem mazedonischen Bassisten Martin Gjakonovski und dem serbischen Drummer Vladimir Kostadinovic. Egal ob eine zarte Ballade, ein locker rollender Shuffle oder temporeicher Hard Bop gespielt wurde, mit lebendig gestalteter Präzision legten die beiden ein solides Bett für ihre Kollegen.
Überzeugend auch die Auswahl der Stücke und Themen, die an diesem Abend gespielt wurden. Abwechslungsreich würzte die Band ihr Programm mit ausgeklügelten Arrangements des Kompositions-Magiers Benny Golson, des verspielten Dave Brubeck und des genialen Stückeschreibers Kenny Dorham, aufgelockert mit einem spritzigen Bossa Nova von Jamal Ferreira.
Programm siehe www.hotelschuetzen.ch/kultur.

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