Rolf De Marchi

September 28, 2016

Jazz voller Nuancen und Finessen

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 1:17 am

Im Schützen Kulturkeller in Rheinfelden bewies der belgische Jazzgitarrist Philip Catherine, dass er nach wie vor zu den Besten seines Metiers gerechnet werden muss.

Normalerweise trifft man den belgischen Jazzgitarristen Philip Catherine eher auf grossen Bühnen oder an internationalen Festivals an. Eine lobenswertes Unterfangen also, wenn es einem lokalen Verein wie dem Jazzclub Q4 gelingt, diesen grossen Musiker auf die intime Bühne des Schützen Kulturkellers in Rheinfelden zu bringen. Wie aktuell Philip Catherines Musik nach wie vor ist, beweist die Tatsache, dass der Gitarrist vor kurzem für sein letztes Album «The String Project - Live in Brussels» mit dem Echo Jazz Award, dem wichtigsten Jazzpreis Deutschlands ausgezeichnet wurde.
Catherine hat sich in Verlauf seiner rund 50-jährigen Karierre – er wurde 1942 in London geboren - einen enormen musikalischen Erfahrungsschatz angeeignet, den er bei seinem Auftritt im Schützen Kulturkeller voll ausschöpfen konnte. Schon im ersten Stück «Twice A Week» zauberte der Gitarrist zusammen mit seinen beiden Partnern Nicola Andrioli am Piano und Bart de Nolf am Bass zart flirrende Klanglandschaften, die an die Klaviermusik eines Maurice Ravel erinnerten. Dann plötzlich verschob sich die Stimmung zu einem schnellen, packenden Groove, angereichert mit einem Touch Latin. Es folgte ein swingender Part, der schliesslich wieder in schillernden Klangwolken ausklang.
Einzigartig, wie Catherine die einzelnen Töne auf seiner Gitarre modulierte, um sie dann zu elegischen Melodiebögen zusammenzufügen. Diese Fähigkeit demonstrierte der Musiker besonders eindrücklich im lyrischen Cole Porter-Stück «So In Love», das vom Trio zu einer kleinen instrumentalen Jazzsuite ausgebaut wurde. Jeder einzelne Part in sich ein stilistisch fein abgestimmtes Jazzstückchen voller Nuancen und Finessen. Chapeau!

September 26, 2016

Blues, Soul und Roots

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 12:58 pm

Der US-amerikanische Gitarrist Damon Fowler war der beste Beleg für das hohe musikalische Niveau der Basler Konzertreihe von Groove Now. Die Konzertreihe wird auch die kommenden Monate die Fans von Blues, Soul, R&B und Southern Rock mit Top Acts eindecken.

«In einem guten Blues- oder Rocksolo kommt es nicht darauf an, möglichst schnell Töne zu spielen, entscheidend ist, die richtigen zu spielen!» meinte der Präsident und musikalische Leiter der Konzertreihe Groove Now Patrick Kaiser zu Beginn des Konzerts von Damon Fowler im Volkshaus Basel. Der amerikanische Gitarrist eröffnete mit seinem Konzert die aktuell angelaufene Saison 2016/17 von Groove Now. Fowler bewies mit deinem Gitarrespiel, wie recht Kaiser hatte. Souverän und mit viel Gefühl für Ausdruck und Melodik spielte der Gitarrist seine Solos, wobei jederzeit klar war, dass Fowler sein Instrument beherrscht wie nur wenige.
Anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, Damon Fowlers hohe, nasale Stimme. Doch dann der erste langsame Song. Beindruckend, wie der Sänger das Stück mit emotionaler Glut auflud und in eine tiefschwarze Soulballade verwandelte. Fowler zu Seite stand als Guest Beth McKee (USA). Mit ihren quirligen Pianostil und ihrer warmen, flexiblen Stimme setzte sie einen lebhaften Kontrapunkt zum Gesang und Gitarrenspiel von Fowler. Sensibel für jede dynamische Abstufung Fowlers agierte auch die Rhythmusgruppe mit Bassist Matt Walker und Drummer Justin Headley.

Hohe Qualität

Konzerte dieser Qualität wird es die nächsten Monate noch einige geben. So hat Groove Now für den 21. Oktober 2016 die Michael Landau Band im Volkshauses Basel organisiert. Um die stilistische Bandbreiter der Band zu vergrössern, wurde als zusätzlicher Guest der US-amerikanische Gitarrist Kirk Fletcher eingeladen.
In einem ausserplanmässigen ‚Special’-Konzert steht am 5. November 2016 Lizz Wright auf dem Plan. Die US-amerikanische Sängerin hat sich vor allem als Sängerin von gefälligem Pop-Jazz einen Namen gemacht. «Nicht sehr interessant für uns von Groove Now,» meint dazu Patrick Kaiser. «Jetzt aber hat Lizz Wright eine neue CD heraus gebracht, stilistisch breiter und total gerooted, in der Haltung nahe einer Joni Mitchell oder eines Bob Dylan. Jetzt passt sie hervorragend in unser musikalisches Konzept, so dass wir uns dazu entschlossen, sie einzuladen. Interessant auch, dass Lizz Wright zuerst auf uns zukam. Sie hatte in der Szene viel Positives über Groove Now gehört, so dass sie unbedingt bei uns singen wollte und am 5. November 2016 sogar einen Gig in Skandinavien sausen liess, nur um bei uns dabei zu sein.»
Weiter geht’s am 25. November 2016 mit der Randall Bramblett Band. «Der in Georgia, Alabama geborenen Säger und Pianist ist bei uns in der Schweiz immer noch ein Geheimtipp,» meint Kaiser. »Dabei hat der Mann in Bands wie Sea Level, den Allman Brothers oder Steve Winwood’s Traffic gespielt. Zudem gilt er auch als einer der besten Songwriter des Southern Rock.»
Ein ganz besonderer musikalischer Leckerbissen aber hat Groove Now am 27. und 28. Januar 2017 auf dem Schirm. Die Konzertreihe wechselt vom Volkshaus ins Atlantis mit seiner Klubatmosphäre, was der Musik der Konzertreihe sehr entgegen kommt. Dann hat Patrick Kaiser für diesen Abend eine ganz spezielle Crew von Top Bluesmusikern auf die Beine gestellt. «Wir sind nicht sonderlich an Bands ab der Stange interessiert. Ich bin seit längerem mit dem US-Sänger und Gitarristen Mike Zito befreundet. Ich hatte ihm vorgeschlagen, ein Treffen von Blues Giants mit Sugaray Rayford, Albert Castiglia, Willie J. Campbell, Jimi Bott und ihm, Mike Zito zu organisieren. Zito reagierte mit Begeisterung, die anderen Musiker waren ebenfalls Feuer und Flamme und so kam die Sache ins Rollen. Jeder dieser Musiker ist einzigartig, alle zusammen aber wird gigantisch! Nicht ohne Stolz stellen wir fest, dass sich das Projekt unter den Veranstaltern europaweit herumgesprochen hat und viele nun versuchen, diese Blues Supergroup, die wir organisiert haben, zu engagieren.»

Erschienen in er Basellandschaftlichen Zeitung und Blues News

September 6, 2016

Sensibilität und Klangsinn

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 11:24 am

Big Band-Sound vom Besten präsentierte das David Regan Orchestra im Schützen Kulturkeller in Rheinfelden.

Wer die Website des David Regan Orchestra anklickt, ist überrascht, wie wenig Konzerte die Band gibt (wenn man vom Schützen Kulturkeller in Rheinfelden mal absieht). Offenbar ist die Formation in der Schweiz auch zehn Jahre nach seiner Gründung immer noch ein Geheimtip. Dies ist um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass in den Reihen dieser auf höchstem musikalischen Niveau agierenden Big Band 17 Profimusiker sitzen, die zur Champions League der Schweizer Jazzszene gerechnet werden müssen. Einer der ersten, der das Potential dieser Band erkannt hat, ist der Jazzclub Q4, der das David Regan Orchestra quasi zu seiner Hausband gemacht hat und die Formation seit Jahren regelmässig alle drei Monate in den Schützen Kulturkeller in Rheinfelden einlädt.
Die Band hat sich auf die Interpretation von modernem Big Band-Jazz spezialisiert, der in den 1950er-Jahren den Swing eines Benny Goodmans abgelöst hat. That Jones ist der Name, der am häufigsten im Programm des David Regan Orchestra auftaucht. Kein Wunder, Jones hat eine zentrale Rolle bei der Entwicklung dieser Musik gespielt. So auch im letzten Konzert der Band, wo sich die einzelnen Bläser-Sektionen energiegeladen und mit ausgefeilter Präzision durch diese komplexen Arrangements mit ihren verschachtelten Themen, Stimmen und Gegenstimmen wanden. Mal legten die Saxophone schnelle, melodische Linien, die von den Posaunen sonor unterlegt und von den Trompeten mit kurzen, scharfen Riffs kommentiert wurden. Dann wiederum hieben die Blechbläser kantig gespielte Motivfetzen in den Raum, die von den Holzbläsern mit warmen, melodischen Phrasen umgarnt wurden. Einer der Höhepunkte des Abends aber bildete die aufwühlende Interpretation der That Jones-Ballade «A Child Is Born», in der das David Regan Orchestra beeindruckende Sensibilität und Klangsinn bewies.

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