Rolf De Marchi

Juni 22, 2007

Warme Oboenklänge aus Indien

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 11:45 am

Das Shehnai Duo aus Indien verblüffte mit seiner Musik voll magischer Expressivität.

Im Unterschied zu verschiedenen bekannten indischen Musikinstrumenten wie die Sitar, die Sarod oder der Sarangi gehört die indische Oboe Shehnai bei uns in Europa eher zu den unbekannteren Instrumenten Indiens. Auf dem Subkontinent selber allerdings bildet die Shehnai seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil von Hochzeiten, Festen und Zeremonien; sie verheißt den Gästen ein glückliches und erfolgreiches Leben.
Inzwischen kann man das aus Holz gebaute, mit sechs bis acht Grifflöchern und einem Schalltrichter aus Messing versehene Doppelrohrblattinstrument aber auch vermehrt an Konzerten klassischer indischer Musik hören, wo es sich zurecht einen Platz erobert hat, wie das Shehnai Duo beweist, das anläßlich eines Konzertes in der Peterskirche dank der expressiven Ausdruckskraft seiner Instrumente einen tiefen Eindruck hinterließ.
Das Duo besteht aus den beiden Virtuosen Ashwani und Sanjeev Shankar, Mitglieder einer Familie in Benares, die seit vielen Generationen untrennbar mit der indischen Oboe verbunden ist. Nicht minder brillant begleitet wurden die beiden vom Tabla-Spieler Udai Mazumdar, der in puncto Virtuosität seinen beiden Partnern um nichts nachstand.
Allein der Einstieg in den ersten gespielten Raga «Marubihag», der sogenannten Alap, der Teil also, wo die Soloinstrumente ohne Perkussion auf die Charakteristik von Tonskala, Melodie, Tonbereich usw. einstimmen, war von einzigartiger Schönheit. Mit überraschend warmem Klang, oft unisono spielend, dann wieder individuell von zarten Echos des Partners durchbrochen solierend, häufig fragend in der einen Stimme, brillant antwortend in der anderen, schraubte sich das Duo über gut 15 Minuten hinweg in immer virtuoseres Spiel hinein. Im anschliessenden Hauptteil, der Gat mit der Tabla-Begleitung wurde das wogende Wechselspiel zwischen den beiden noch intensiver bis zum abschließenden, grandiosen Finale weitergetrieben.
Etwas leichter ging es dann mit dem Stück «Cheiti», einer Volksmelodie aus dem nordindischen Varamasi weiter. Und mit dem abschließenden «Thumri» des «Raga Bhairavi» bewies das von Udai Mazumdar begleitete Shehnai Duo nochmals, mit welch traumwandlerischer Sensibilität für das Spiel des Partners die beiden auf einander eingehen können.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

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