Rolf De Marchi

Juni 24, 2007

Musik vom Sonnenberg

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 9:27 am

Im ehemaligen Frauenkonvent Olsberg präsentierte das Solsberg-Festival auf hohem Niveau Musik rund um das Violoncello.

Als «Musikfest zur Sommersonnenwende» ist sie angekündigt worden, die 2. Ausgabe des dreitägigen Solsberg-Festival in der anmutigen Barockkirche des ehemaligen Frauenklosters Olsberg, 16 Kilometer östlich von Basel, zu dem eine ansehnliche Schar von Sonnenanbetern gepilgert ist, um seinem Star, der Violoncellistin Sol Gabetta zu huldigen (Sol steht bekanntlich im Spanischen für Sonne). Publikum und Presse hat sie gefeiert in den letzten Jahren, die 1981 in Argentinien geborene Cellistin Sol Gabetta, die unter anderem an der Basler Hochschule für Musik ausgebildet wurde und gegenwärtig in Olsberg wohnhaft ist. Zwanzigjährig spielte sie 2001 am Lucerne Festival und hat für ihre Debut-CD, welche im Herbst 2006 erschienen ist, den renommierten ECHO-Klassik-Preis 2007 gewonnen.

Expressive Leidenschaft

Kammermusik für Klaviertrio war am ersten Konzertabend, der unter dem Titel «Erzherzog à Solsberg» stand, zu hören. Gemeinsam mit Sol Gabetta am Cello musizierte wie schon letztes Jahr die in Klassikkreisen angesehene Violinistin Patricia Kopatchinskaja sowie der brillante finnische Pianist Henri Sigfridsson.
Anlässlich des 300. Todestages von Dietrich Buxtehude (1637-1707) hatte das Trio als erstes eine Bearbeitung von dessen Triosonate a-Moll op. 1 Nr. 3 aufs Programm gesetzt. Ein Wagnis, wie sich schnell zeigte, ist man doch inzwischen dank der ausgiebigen Musikpraxis auf historischen Instrumenten in den vergangenen Dekaden bei dieser Musik auf eine Begleitung mit Cembalo oder Theorbe konditioniert. Jedoch wenn man von dem Problem des zu dominant wirkenden modernen Flügel mal absieht, gab es an der Interpretation dieser Triosonate nichts auszusetzen.
Beim anschliessenden «Erzherzog-Trio», dem Klaviertrio B-Dur op. 97 von Ludwig van Beethoven überzeugte das kleine Ensemble vor allem im 1. Satz (Allegro moderato) durch eine gelungene dynamische Ausgestaltung, wobei allerdings auch hier der Konzertflügel an den Fortissimostellen gelegentlich etwas zu sehr über die Stränge schlug und die Streichinstrumente überdeckte. Auch das anschliessende Scherzo gelang noch recht spritzig, die letzten beiden Sätze allerdings wirkten etwas farblos.
Das änderte sich dagegen schlagartig, als die Drei zur Wiedergabe des letzten Werkes des Abends schritten: dem Klaviertrio Nr. 2 e-Moll op. 67 (1944) des russischen Komponisten Dimitrij Schostakowitsch (1906-1975). Trauer über einen kurz zuvor verstorbenen Freund sowie der Schmerz über das Elend und die Not des 2. Weltkrieges dominieren in diesem Werk, das den musikalischen Bedürfnissen des Ensembles gänzlich zu entsprechen schien. Ein gewaltiges Fresko voll verhaltener Kraft und expressiver Leidenschaft wurde da in temperamentvollen Farben gemalt.

Musik voll lebendiger Frische

«Il prete rosso a Solsberg» lautete der Titel des zweiten Abends des Festivals. Das Kammerorchester Basel unter der Leitung der Konzertmeisterin Julia Schröder interpretierte hinreißend mehrere Concerti grossi von Arcangelo Corelli (1653-1713) sowie gemeinsam mit Sol Gabetta drei Concerti für Violoncello und Orchester von Antonio Vivaldi. So großartig Sol Gabetta spielte, der heimliche Star des Abends aber war eindeutig das gerade mal 13 Köpfe umfassende Kammerorchester Basel, das trotz kraftvoll-energischem Ton einen erstaunlich transparenter Klangkörper bildete, der die Musik mittels austarierter Dynamik, klug plazierter Rubati, gezielt gesetzten Betonungen und Dehnungen der Motive einzigartig ausgestaltete und damit den Interpretationen eine unvergleichliche Frische und Lebendigkeit einhauchte.
Krönender Abschluss des Konzertes bildete eine Cellobearbeitung des eigentlich für Solo-Violine komponierten 4. Konzertes aus den vier Jahreszeiten, «L’Inverno» des «pretre rosso» Antonio Vivaldi. Die Solostimme wurde von Sol Gabetta allerdings in solch einem wahnsinns Tempo angegangen, dass selbst für die Magierin der schnellen Finger die Grenzen erkennbar wurden.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

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