Rolf De Marchi

Januar 20, 2010

Sprühende Virtuosität

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 1:22 am

Mit stupender Spieltechnik interpretierte der junge Pianist Louis Schwizgebel-Wang Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Frédéric Chopin und Modest Mussorgsky.

Zeichneten sich in den vergangenen Jahren begabte Newcomer der Klassikszene vorwiegend durch ihren fiebrig-zupackenden Interpretationsstil aus - die in hiesigen Gefilden bekannte Violoncellistin Sol Gabetta sei hier stellvertreten erwähnt - scheint das Pendel bei den jungen Interpreten in letzter Zeit wieder vermehrt in Richtung feinfühliger Empfindsamkeit zurück zu schlagen.
Ein Beleg für diese These legte der gerade mal 23 Lenze zählende Pianist Louis Schwizgebel-Wang während eines ausverkauften Konzerts im Rahmen der Baselbieter Konzerte in der Stadtkirche Liestal ab. Ein wenig im Stile ehrwürdiger Pianisten einer längst vergangen geglaubten Epoche zauberte er Wolfgang Amadé Mozarts Klaviersonate F-Dur KV 280 (1775) mit exakter Spieltechnik luftig-leicht auf die Tasten seines Konzertflügels. Dem Hauch eines Parfums mit einer zarten Note gleich interpretierte er dieses dreisätzige Werk souverän und anmutsvoll.
Das Ausnahmetalent Louis Schwizgebel-Wang wurde 1987 in Genf als Sohn einer Chinesin und eines Schweizers geboren, hat mehrere Preise gewonnen und erste Konzerterfahrungen in den USA und England gesammelt.
Auch bei der anschliessenden Wiedergabe der Sonate h-Moll op. 58 von Frédéric Chopin gab es streng genommen nichts auszusetzen: in zartem Pastell interpretierte der junge Pianist das Allegro und das Largo sowie auch hier mit nahezu makellose Spieltechnik quirlig flink das Scherzo und das Finale. Hier allerdings vermisste man steckenweise denn doch ein wenig die wuchtige Energie, mit der einst Arthur Rubinstein Chopins Klaviermusik einem breiteren Publikum bekannt gemacht hatte.
Bei der abschliessenden Realisation von Modest Mussorgskys Klavierzyklus «Bilder einer Ausstellung» (1874) nach Gemälden des befreundeten Architekten und Malers Viktor Hartmann bestätigte sich dieses Bild: bei spieltechnisch anspruchsvollen Stücken wie den «Tuilerien», dem «Ballett der Küchlein in ihren Eierschalen» oder «Der Marktplatz von Limoge» überzeugte Schwizgebel-Wang mit seiner sprühenden fingerfertigen Virtuosität. Bei Stücken allerdings wie «Das alte Schloss», Bydlo», «Samuel Goldberg und Schmuyle» und vor allem beim «Das grosse Tor von Kiew» vermisste man etwas interpretatorische Originalität und Wagemut, ein Umstand, der wohl auf das Fehlen von Erfahrung des jungen Musikers zurück zu führen war. Es besteht aber die berechtigte Hoffnung, dass Louis Schwizgebel-Wangs Klavierspiel wie bei einem jungen, milden Wein in den kommenden Jahren ein interpretatorisch individuelleres, reiferes und fruchtigeres Bouquet erlangen wird.

Keine Kommentare»


RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag.  TrackBack-URI

Einen Kommentar schreiben


You must be logged in to post a comment.

0.120 sekunden WP 1.5    xhtml css