Rolf De Marchi

Januar 22, 2010

Ein wagemutiger Entschluss

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 7:57 pm

Die «Freunde alter Musik Basel» präsentierten Werke von vier deutschen Komponisten der Klassik, die in London waren.

Ziemlich wagemutig beschloss Joseph Haydn nach seiner Pensionierung 1790 nach knapp dreissig Jahren als Hofmusiker auf dem Landsitz der wohlhabenden Adelsfamilie Esterhazy, im damals beachtlichen Alter von 58 Jahren sein Leben total umzukrempeln, die ungarischen Provinz zu verlassen und in die damals grösste und reichste Metropole Europas London zu reisten. Dort feierte man ihn wie einen Star und die Konzerte mit seiner Musik wurden regelrecht gestürmt, was ihn dazu veranlasst, später ein zweites Mal in das Zentrum eines wachsenden Kolonialreiches mit einer wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung sondergleichen zu reisen.
Ausser Joseph Haydn besuchten in jener Zeit noch drei weitere, der Klassik zuzurechnenden Komponisten deutscher Zunge die aufstrebende Stadt, denen die «Freunde alter Musik Basel» ein Konzert unter dem Motto «Vier Komponisten in London» im Hans Huber-Saal des Stadtcasinos Basel widmeten. Das dreiköpfige Ensemble mit Mira Glodeanu (Violine), James Munro (Violone) und Frédérick Haas (Fortepiano) interpretierte von Haydn mehrere Sätze, die aus diversen Trios für Cembalo oder Pianoforte, Violine und Violoncello herausgepickt worden waren. Spieltechnisch gelang nicht immer alles perfekt: gelegentlich traf die Violine vor allem in den hohen Lagen die Tonhöhe nicht ganz exakt und beim Pianoforte - ein Nachbau eines historischen Instruments aus dem Jahre 1795 - hörte man in Folge seines relativ trockenen Klangs selbst kleinste Patzer wie unter der Lupe genau. Sonderlich störend auf die gelungenen Interpretationen wirkten sich diese kleinen Mängel aber glücklicherweise nicht aus.
Neben einem Allegro des wenig bekannten Komponisten Daniel Streibelt (1765-1823) spielten Mira Glodeanu und Frédérick Haas zwei Sätze aus der Sonate G-Dur für Pianoforte und Violine von Johann Christian Bach (1735-1782), deren Interpretation allerdings etwas farblos und uninspiriert wirkte. Johann Christian Bach, jüngster Sohn des grossen Thomaskantors Johann Sebastian Bach liess sich übrigens als einziger der vier Komponisten 1761 für den Rest seines Lebens in London nieder.
Schliesslich Wolfgang Amadeus Mozart, der als achtjähriger Knabe 1764 von seinem Papa Leopold an die Themse geschleppt worden war, um dem Londoner Publikum als Wunderkind vorgeführt zu werden. Neben filetierten Sätzen aus anderen Werken schloss das Trio sein Konzert mit der Wiedergabe des Trios B-Dur für Klavier, Violine und Violoncello, dessen kontrastreiche, zupackende Interpretation jede vorangegangene Unbill vergessen liess.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

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