Rolf De Marchi

Januar 20, 2010

Perlen von einzigartiger Schönheit

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 2:35 am

Die Grossmeister für historisch orientierte Musikpraxis Emma Kirkby und Anthony Bailes brillierten mit Lautenliedern des Frühbarocks.

Normalerweise werden die Konzerte der Basler Lauten Abende im Zinzendorfhaus Basel eher mässig besucht, was sehr bedauerlich ist, wird doch bei diesen Events regelmässig Alte Musik auf qualitativ höchstem Niveau geboten. Auf den ersten Blick mag es also überraschen, wenn bei einem dieser Konzerte sämtliche Tickets ausverkauft sind und sogar zu spät gekommene Interessenten abgewiesen werden müssen.
Bei näherer Betrachtung der Besetzung allerdings, die dieses Konzert absolvierte, wurde der ungewohnt hohen Andrang zu diesem Event schnell klar: zwei wahre Koryphäen der auf historisch orientieren Spielpraxis spezialisierten Musikszene standen an diesem Abend auf der kleinen Bühnen im weissen Saal des Basler Zinzendorfhauses mit seiner schlichten Schönheit.
An der Laute war der Britische Musiker Anthony Bailes zu hören, der ein Teil seiner Musikausbildung an der Schola Cantorum Basiliensis absolviert hat und seit den 1970er Jahren zu den treibenden Kräften der Wiederentdeckung der Laute gehört. Er beleitete mit seinem erwürdigen Instrument die britische Sängerin Emma Kirkby, die sich im Laufe ihrer fast 40jährigen Karriere in Ensembles wie dem Taverner Choir, dem Consort of Musicke und der Academy of Ancient Music an die Spitze gesungen hat. Heute brilliert sie mit Spitzenorchester wie dem London Baroque, dem Freiburger Barockorchester oder dem Orchestra of the Age of Enlightment. Sie wurde übrigens vor kurzem von der englischen Queen Elisabeth II. in den Ritterstand, dem «Dame Commander of the Order of the British Empire» erhoben.
Im Verlaufe des hinreissenden Konzerts strafte die Sängerin, die bald ihren 61 Geburtstag feiern kann, all jene bösen Zungen Lüge, die behaupten, sie hätte den Zenit ihrer Gesangskunst längst überschritten. Möglich, dass ihre Stimme, die sich schon immer durch eine gewisse Sprödigkeit auszeichnete, noch etwas schlanker geworden ist, in puncto Beherrschung der für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts notwendigen Gesangstechniken allerdings macht ihr immer noch niemand etwas vor.
Mit grösster Meisterschaft trug die Sängerin beispielweise «Care-charming sleep» des englischen Lautenisten und Komponisten Robert Johnson (1582-1633) vor. Jede Ton wurde perfekt angesungen, jede Ausschmückung mit grösster Akkuratesse ausgeführt: Verzierungskunst at his Best! Mit exquisiten dynamischen Abstufungen und nuancierten Stimmschattierungen wiederum erforschte Emma Kirkby in «Slide soft you silver floods»von Henry Lawes (1596-1662) gekonnt die emotionalen Tiefen dieser gehaltvollen Musik.
Anthony Bailes wiederum passte sich mit seinem Lautenspiel makellos der gefühlsgesteuerten Agogik seiner Partnerin an. Kontrastreich geriet ihm auch der Vortrag von Solostücke wie die schillernde Toccata 1a des grossen Lautenmeisters Girolamo Giovanni Kapsperger (ca. 1580-1651), die er mit seiner fesselnden musikalischen Gestaltungskraft zum funkeln brachte.
Es steht zu hoffen, dass das Publikum auch in Zukunft so zahlreich an die Konzerte der Basler Lauten Abenden pilgern wird.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

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