Rolf De Marchi

Juli 1, 2012

Ein gelungenes Bluesfest

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 10:04 am

Nicht zuletzt dank dem schönen Wetter strömten Tausende in die City von Kleinbasel, um ein vielseitiges Programm des «Summerblues Basel - 4. Glaibasler Bluesfest» zu geniessen.

Kein ‚Volksfest’ sollte er sein, sondern den Blues mit all seinen Facetten repräsentieren, der «Summerblues Basel», der dieser Tage zum vierten Mal Tausende von Besucherinnen und Besuchern in die Innenstadt von Kleinbasel gelockt hat. Diesem Anspruch wurde das fleissige Organisationsteam rund um dessen Präsidenten Thierry Rueff, das diesen gelungenen Event in aufwendiger freiwilliger Fronarbeit auf die Beine gestellt hat, zweifellos gerecht. Dass dieses als «Glaibasler Bluesfescht» angepriesene kleine Festival sich schliesslich aber dennoch zu einem veritablen Volksfest entwickelte, liess sich wegen dessen Konzept nicht verhindern. Flankiert von Holztischen und Sitzbänken mit Festzeltcharakter, wo nicht nur durstlöschende Getränke konsumiert wurden, waren da auf sechs Plätzen des minderen Basel Bühnen aufgestellt worden, auf denen ohne erkennbare Ausnahme 17 Bands mit Eifer darum Bemüht waren, im geneigten Publikum gute Stimmung zu verbreiten.
Nicht zuletzt auch das warme Wetter und die teilweise pittoreske Atmosphäre der einzelnen Spielorte trugen zum Erfolg dieses Bluesfestes bei. Angefangen auf dem Claraplatz, wo die Schweizer Band «Tears for Beers Gangsta Blues» den Reigen eröffnete. Nicht den Blues neu zu erfinden stand bei den à la Blues Brothers gestylten Musikern auf dem Programm, dem Publikum mit fetzigen Ohrwürmern aus sechzig Jahre Blues- und Soulgeschichte einzuheizen war zweifellos das Ziel.
Auf der Bühne im Hof des Volkshauses bemühte sich «Caecar’s Blues Connection» des Basler Bluesgitarristen und Sänger Caesar Perrig, das Publikum in Begeisterung zu versetzen, vermochte aber den dafür nötigen Punch nicht recht zu finden. Wesentlich kerniger ging da auf dem Silberberg beim Alterszentrum zum Lamm der Tessiner Gitarrist und Sänger Bat Battiston mit seiner Band «Flagstones» zu Gange, dessen groovender Jump Blues im Stile 1950er Jahre gehörig in die Beine ging. Nicht zuletzt aber auch dank seinen an die Gitarrenlegende Albert King erinnernden Gitarrenkünsten und seiner metallisch-scharfen Blues-Stimme vermochte dieser Musiker zu überzeugen.
Das diesbezügliche Kontrastprogramm bot da auf der Bühne des Lindenbergs die Zürcher Sängerin Christina Jaccard, die mit schwarzem Samtkleid ausstaffiert und Strasssteine behangen auf Diva machte. Nicht ohne Reitz konturierte die Sängerin mit ihrer dunkel timbrierten Stimme jazzangehauchten Blues, der von ihrer Begleitband mit dem bravourösen Boogie-Pianisten Dave Ruosch mit lockerem Spiel zum Swingen gebracht wurde. Die härtere Facette des Blues wiederum repräsentierten eher rockorientierte Bands wie etwa die Combo «Don P. & The Blues Jags» auf der Bühne vor dem Waisenhaus oder das brillante junge Trio «Electrified Soul» aus dem benachbarten Südbaden, das mit seinem kantig-scharfen Bluesrock an den frühen Rory Gallagher erinnerte.
Immerhin ein Act konnte an diesem Abend verzeichnet werden, der den Blues in seiner reinsten Form vertrat: der deutsche Gitarrist und Sänger Wolfgang Kalb. Unter stetem Wechsel von der akustischen zur Dobro-Gitarre tauchte er ein in die Welt des frühen Delta- und Country Blues und gab unter der grossen Linde am Silberberg Songs wie etwa den legendären «Drifting Blues» von Johnny Moore oder «Love in Vain» von Robert Johnson zum Besten. Auf den Strassen zwischen den Bühnen wiederum konnte man wiederholt der Street Band «Improvisante» begegnen; sie hat sich auf die Interpretation von Jazz und Blues im Stile von New Orleans Brassbands spezialisiert.
Last but least muss in dieser aus Platzgründen unvollständigen Tour d’horizon durch den Summerblues Basel noch die legendäre «Lazy Poker Blues Band» erwähnt werden, die die Basler Bluesszene geprägt hat wie kaum eine andere. Gemeinsam mit ihrem Gastsänger Rolli Frei brachte die Band mit ihrem stimmungsvollen Blues einen Grossteil des zufrieden wirkende Publikum zum Tanzen und setzte damit einen passenden Schlusspunkt unter dieses gelungene Bluesfest.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

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