Rolf De Marchi

August 17, 2014

Blues vom Feinsten

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 12:19 pm

Seit nun mehr fünf Jahren organisiert die Konzertreihe Blues Now! in Basel regelmässig Events mit herausragenden Musikern und Bands der internationalen Bluesszene. Um dieses 5-jährige Jubiläum gebührend zu feiern, stellte die Organisation im Volkshaus Basel das dreitägige 1. Internationale Blues Now! Festival auf die Beine.
Der eigentliche Höhepunkt dieses gelungenen Festivals war schon am ersten Abend zu hören, The Mannish Boys aus Los Angeles, USA. Diese Band vereinigt nicht nur Spitzenmusiker in ihren eigenen Reihen, sie wirkt generell als Kondensationspunkt für die Crème der West Coast Bluesszene Kaliforniens. So standen bei diesem Konzert nicht weniger als vier Gitarristen auf der Bühne. Begleitet von einer taff spielenden Rhythmusgruppe lösten sich die vier Musiker mit ihren Soli Schlag auf Schlag ab. Mal gestaltete das reguläre Bandmitglied Kirk Fletcher mit warm angelegtem Gitarrensound expressiv gestaltete Tonlinien, dann wiederum liess sein Kollege Franck Goldwasser mit silbrig hellem Sound seine Finger virtuos über die Saiten seiner Gitarre wirbeln. Nicht minder eindrücklich war auch das Spiel des Gastmusikers Kid Ramos, der seine Gitarre mit transparent gezeichneten Tonfiguren regelrecht zum Singen brachte. Schliesslich sei noch der als Nachwuchstalent angepriesene Gitarrist Monster Mike Welch erwähnt, der allerdings den Eierschalen längst entwachsen ist, spielte der junge Mann doch mit einer Souplesse und einer Reife, die ihn locker auf das Niveau seiner ältern Kollegen hob.
Geradezu auf die Folter aber spannten die Mannish Boys ihr Publikum, indem sie ihre wichtigste Trumpfkarte bis zuletzt im Ärmel behielten. Nach 45 Minuten endlich kam der Mann auf die Bühne, auf den alle mit grösster Spannung gewartet hatten: der Sänger Sugaray Reyford. Der fast zwei Meter grosse, mit ausladender Körperfülle gesegnete Mann vermochte nicht nur mit seiner tief in der schwarzen amerikanischen Gesangstradition des Gospel, Soul und Blues verwurzelten Stimme zu überzeugen; trotz seines massigen Köperbaus bewegte sich der Sänger mit einer Agilität, die überraschte und seine Präsenz noch zusätzlich unterstrich.
Neben den Mannish Boys verdient noch der amerikanische Mundharmonikaspieler und Sänger Sugar Ray Norcia unbedingte Erwähnung. Gestärkt durch eine kleine Besetzung hervorragender Musiker widmete er sich eher leiseren, akustischen Klängen. Souverän bewegte sich die kleine Truppe sowohl am Freitag-, als auch am Samstagabend durch die Geschichte des Blues. Mal widmete sich Sugar Ray Norcia dem Country Blues und sang mit seiner hellen, leicht rauchigen Stimme ausdrucksstark über die vielen Sorgen und Freuden, die ein Bluesmusiker heimsuchen können. Dann wiederum begann die kleine Band im Stile des klassischen Rhythm and Blues zu swingen und zu grooven oder sie stimmte eine Bluesballade an, die ans Herz ging. Neben seinem Gesang bewies Sugar Ray Norcia auch mit seinem souveränen Spiel auf seiner Bluesharp, dass er mit Recht zu den Besten der aktuellen amerikanischen Bluesszene gerechnet wird.

Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung

Keine Kommentare»


RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag.  TrackBack-URI

Einen Kommentar schreiben


You must be logged in to post a comment.

0.390 sekunden WP 1.5    xhtml css