Rolf De Marchi

April 6, 2017

Mehr oder wenig Überraschendes

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 1:01 pm

Vom 4. bis 9. April geht das 18. Blues Festival Basel 2017 über die Bühne des Volkshauses Basel. Eine Zwischenbilanz.

«Es läuft gut» meint Louis van der Haegen, der Gründer und langjährige Präsident der Blues Festival Basel. «Die beiden ersten Konzertabende waren gut besucht, wir sind sehr zufrieden» ergänzt der 82-jährige, den seine Freunde «Mr. Blues» nennen.
Tatsächlich gab es schon am ersten Konzertabend eine Überraschung, wo in der Promotion Night fünf von einer Jury nominierten Schweizer ‚Nachwuchsbands’ ihr Können unter Beweis stellten. Das musikalische Niveau der Newcomer war wesentlich höher als in den vergangenen Jahren. Die Ausscheidung gewonnen hat die Luzerner Band «Estella Benedetti & Michael G. Band» und darf als Belohnung nächstes Jahr am Blues Festival Basel 2018 im Hauptprogramm bei den grossen Bands mitspielen.
Eingefleischte Bluesfans, die zum zweiten Konzertabend kamen, machten sich möglicherweise Sorgen wegen der britischen Pedal Steel Guitar Spielerin, Gitarristin und Country Sängerin Sarah Jory. Würde sie mit ihrer Country-Musik in das Programm des Blues Festival passen? Die Überraschung: Sarah Jory stellte ihre Setliste um, so dass überwiegend Bluesstücke auf der Liste standen. Beeindruckend, wenn Sarah Jory auf ihrer Pedal Steel Guitar eine Ballade anstimmte und ihr ausdrucksstarkes Instrument zum Singen brachte. Da gab es feuchte Augen.
Ein Höhepunkt des Abends war die Übergabe des «Swiss Blues Award» durch Regierungsrat Baschi Dürr. Den Preis entgegen nehmen durften Hannes Anrig und Fabio Lafranchi, die seit 2002 kompetent das Vallemaggia Magic Blues Festival im Tessin organisieren.
Den Abschluss machten die beiden Boogie Woogie-Pianisten Axel Zwingenberger und Ben Waters mit seiner Band. Boogie Woogie, Jump Blues und Rhythm ’n’ Blues eines Jerry Roll Morton oder Louis Jordan standen auf dem Programm. Nichts Überraschendes, könnte man meinen. Aber immerhin: Ben Waters hatte seinen 17-jährigen Sohn Tom mitgebracht, der auf seinem Altsaxophon in diesen Musikstilen auf erstaunlich hohem Niveau zu improvisieren verstand.

Noch zwei Tage

Auf der Bühne des Volkshauses Basel stehen noch zwei Konzertabende auf dem Programm. Heute Freitag um 20 Uhr eröffnet der kanadische Bluesrockgitarrist und Sänger Philip Sayce den Abend. «Ich wurde in Wales geboren, meine Eltern emigrierten dann aber nach Toronto, Kanada, wo ich aufwuchs» meint Sayce. «Schon in England waren meine Eltern grosse Musikfans, so dass ich mit der Musik von Eric Clapton, Buddy Guy und Marc Knopfler aufwuchs. Neben Clapton aber hat vor allem Stevie Ray Vaughan mein Gitarrenspiel beeinflusst.» Das hört man. Wie die meisten Bluesrockgitarristen seiner Generation lässt Philip Sayce die Finger gerne mit irrwitzigem Tempo über die Saiten seines Instruments gleiten.
Der Zweite Act heute Freitag, die amerikanische Sängerin Dana Fuchs, wird oft mit der legendären Blues-Sängerin Janis Joplin verglichen. Was Dana Fuchs rauchige Stimme betrifft, mag der Vergleich angehen, was allerdings die emotionale Tiefe der grossen Joplin angeht, sind Zweifel angesagt.
Bleibt noch morgen Samstag Abend, 8. April, wo «alle Jahre wieder» angesagt ist. Wie schon seit einer gefühlten Ewigkeit wird auch dieses Jahr wieder der ewige Dauergast und Saxophonist Sam Burckhardt aus Chicago mit einer Crew professioneller Musiker aus der «Windy City» auf der Bühne stehen. Es ist müssig, jedes Jahr dieselbe Geschichte vom Basler Saxophonisten zu erzählen, der nach Chicago ausgewandert ist und dort als Profimusiker in der lokalen Bluesszene Karriere gemacht hat. Es wird gute Musik zu hören sein, aber Überraschendes ist da mit Gewissheit nicht zu erwarten.

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