Rolf De Marchi

November 30, 2017

Schlichte Gradlinigkeit

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 11:16 am

Der 88-jährige Saxophonist und Komponist Benny Golson bewies, dass er nicht zum alten Eisen gehört.

Liebhaber des Jazz kennen Benny Golson als hervorragenden Tenorsaxophonisten, aktiven Jazzmusikern hingegen ist der 1929 in Philadelphia, Pennsylvania geborene Golson vor allem als Komponist von Jazzstücken bekannt. Mehrere dieser Stücke haben Eingang in das dicke Notenbuch „The Real Book“ gefunden, ein umfangreiches Kompendium mit Hunderten bekannter Jazzkompositionen, das von vielen Musikern als die Bibel des Jazz erachtet wird. Wer es schafft, mit einem Stück in dieses Buch aufgenommen zu werden, ist Teil der Geschichte.
Vom Jazzclub Q4 organisiert, spielte Benny Golson im Schützen Kulturkeller in Rheinfelden, wo die wichtigsten dieser Kompositionen nicht fehlen durften. So blies der Saxophonist zusammen mit seinem Quartett den Klassiker “Killer Joe“, der dank vielen Interpretationen bekannter Jazzmusikern Kultstatus erlangt hat. Das Stück überzeugt durch schlichte Gradlinigkeit im Thema, perfekt gestützt von einer raffiniert korrespondierenden Harmonik.
Beherrscht spielte der 88-jährige das Thema mit der nötigen Lockerheit, um im anschliessenden Solo zu beweisen, dass er trotz seines hohen Altes konzentriert und spieltechnisch makellos zu spielen versteht. Begleitet wurde der Tenorsaxophonist von einem europäischen Jazztrio mit dem Pianisten Joan Munné, dem Bassisten Ignasi González und dem Schlagzeuger Joachim Krause. Sie unterstützten Benny Golson mit einem solide gespielten modernen Jazz, dem allerdings etwas mehr Witz und Experimentierfreude nicht geschadet hätte. Phänomenal auch Benny Golsons Gedächtnis bezüglich seinen zahlreichen Begegnungen mit vielen Grössen des Jazz. Unter anderen Dizzy Gillespie, Miles Davis, John Coltrane, Clifford Brown, zu jedem dieser Musiker wusste er eine kurzweilige Anekdote zu erzählen.

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