Rolf De Marchi

April 10, 2017

Das Blues Festival Basel 2017

Abgelegt unter: Musik — rolf @ 12:34 am

Im Vorfeld des Festivals erhielt der britischen Bluesrock-Gitarrist und Sänger Aynsley Lister viele Vorschusslorbeeren. Hoch waren auch die Erwartungen, weil Lister gleich drei weitere hervorragende Bluesrockgitarristen zu seinem Gig auf der Bühne des Volkshauses Basel eingeladen hatte: Laurence Jones, Ben Pools und Stivie Nimmo. Doch dann machte sich zuerst einmal Ernüchterung breit: Weichgespült fast wie die Musik einer Popband wirkte der Sound der Band und Listers jungenhaft brave Stimme liess auch kein rechtes Blues-Feeling aufkommen.
Mit dem ersten Gastmusiker, dem britischen Gitarrist Laurence Jones, nahm die Sache dann aber Fahrt auf und als der britische Gitarristen Ben Poole die Stelle von Jones einnahm, ging’s richtig los. Deftiger, in die Beine gehender Sound vermochte zumindest die Fans des Bluesrock zu überzeugen. Schliesslich übernahm Stevie Nimmo aus Schottland die Rolle des Gastes. Allein durch seine physische Präsenz dominierte der Schotte die Bühne. Dazu kam Nimmos kraftvolle Bluesstimme und sein donnernder Gitarrenton; er war der Platzhirsch, ohne Zweifel.
Noch deftiger ging es am folgenden Abend mit dem kanadischen Gitarristen Philip Sayce weiter. Das Trio spielte harten, mitreissenden Bluesrock und Sayce vermochte vor allem durch seine helle, energiegeladenen Stimme und seinem mächtigen Gitarrenton zu überzeugen.

Blues Festival Basel - Eine Bilanz

Viele Festival-Besucher sind der Meinung, dass die 18. Ausgabe des Blues Festival Basel 2017 ein voller Erfolg gewesen ist. Tolle Sängerinnen, grandiose Gitarristen und der Heimwehbasler Sam Burckhardt, der einmal mehr eine tolle Band aus Chicago nach Basel gebracht hat. Sie sind zufrieden.
Es gibt aber auch andere Stimmen. Im Besonderen unter den glühenden Bluesfans sind nicht wenige, die den Überhang des Bluesrock im Programm monieren. Sie beklagen, dass der akustische und der klassische City Blues in der Tradition eine B.B. King oder Buddy Guy zu kurz gekommen ist.
Auch wird die Gefahr thematisiert, dass sich das Festival mehr und mehr in einer kuscheligen Blase abkapselt und die musikalische Welt ausserhalb nicht mehr richtig wahrnimmt. Was für Bands und Musik programmieren andere Festivals und Konzertveranstalter? Was passiert in der aktuellen Bluesszene? Welche Bands sind Top, welche Newcomer sind am abheben?
So wird beispielsweise Jahr für Jahr aus nostalgischen und persönlichen Gründen der Samstag Abend ausschliesslich mit Blues aus Chicago blockiert. Dabei wird ignorieren, dass im Rest der USA an vielen Orten in punkto Blues mindesten so viel los ist wie in Chicago. Louisiana, Mississippi, Texas, Westküste, überall sind Top Acts unterwegs, die den meisten europäischen Blues Musikern und Bands nur so um die Ohren spielen. Bei allem Respekt, da können selbst die Blues begeisterten Engländer nicht mithalten.
Man vermisse einen roten Faden, wird beanstandet. Alles wirke, wie zufällig zusammengewürfelt: Eine englische Country Musikerin, die hörbar nicht im Blues heimisch ist (Sarah Jory); eine amerikanische Singer/Songwriterin, in deren Musik der Blues eine untergeordnete Rolle spielt (Dana Fuchs); nicht besonders innovative Boogie Woogie Pianisten (Axel Zwingenberger und Ben Waters); eine Soul-Funk Sängerin mit einer guten Stimme, aber unmotivierter Band (Tasha Yaylor); ein ewiger Gast aus Chicago (Sam Burckhardt); alles werde wahllos in den Korb gestopft.
«Man muss Musik programmieren, die das Publikum mag,» wird als Gegenargument ins Feld geführt. Nicht sehr stichhaltig! Jahr für Jahr stellt das Lucern Blues Festival ein attraktives Programm auf die Beine, das den Blues mit allen seinen Facetten auf sehr hohem musikalischen Niveau beleuchtet und die Säle des Grand Casino Luzern sind immer bis auf den letzten Platz voll!

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