Könige der Zufriedenheit
Die «Kings of Convenience» wurden ihrem Ruf als Erfinder des aktuellen Musikstils «New Acoustic Movement» gerecht.
Sie werden oft mit den frühen Simon and Garfunkel (S&G) verglichen, die «Kings of Convenience», die im Volkshaus Basel ein Konzert gaben. Dieser Vergleich ist sicher nicht ganz abwägig: Wie bei S&G Mitte der 1960er-Jahre bildet das Fundament des Sounds der ‚Königen der Zufriedenheit’ die akustische Gitarre. Dazu kommen fein geschwungene, mit samtweicher Stimme gesungene Melodiebögen und klug arrangierter, mehrstimmiger Chorgesang. Im Unterschied zu S&G allerdings, die in den USA in Zeiten des Umbruchs mit Rassenunruhen, Vietnamkrieg und dem Ausbruch der Jugend aus engen Konventionen musizierten, stammen die beiden Kings Eirik Glambek Bøe und Erlend Øye aus dem kühlen, langgestreckten Norwegen, das gegenwärtig mit viel Erdöl gesegnet relativ ereignislos am Randes des Nordatlantiks vor sich hindümpelt.
Im Verlaufes des Konzerts der Kings of Convenience im Volkshaus konnte feststellen, welche Auswirkungen dieser unterschiedliche Background der beiden Duos auf ihre Musik hat: Verfügen die Songs von S&G über deutlich sich voneinander unterscheidbaren, formalen Strukturen mit Strophe, Refrain und gelegentlicher Bridge, flossen die Stücke der Kings relativ formlos ohne grosse Veränderungen wie Breaks oder nennenswerte Wechsel der harmonischen Abläufe brav und ziemlich ereignislos vor sich hin. Verstärkt wurde dieser Eindruck noch durch die Tatsache, dass die Kings fast alle ihrer Stücke im mehr oder weniger gleichen Medium Up-Tempo spielten, selten war eine langsame Ballade oder ein fetzig schneller Beat zu hören.
Wohltuend allerdings, dass Kings of Convenience auf den seit Jahren anhaltenden, gelegentlich etwas nervenden Trend, ihre Musik in elektronischen Sounds, Loops und Samplings zu ertränken, verzichteten. Sie spielten ihre Songs, die zum grossen Teil auf ihrer letzten CD «Declaration of Dependence» zu finden sind,
vorwiegend unplugged auf akustischen Gitarren, gelegentlich noch ergänzt durch ein E-Piano, später auch begleitet von Violine und Kontrabass. Selten und nur sehr dezent griffen die als Erfinder der aktuellen Stilrichtung «New Acoustic Movement» gehandelten Musiker auf einen Sampler zurück, was ihrem Sound eine erfischende Natürlichkeit verlieh. Rund die Hälfte des Konzertes spielten Eirik Glambek Bøe und Erlend Øye alleine: legte in Songs wie «Know How» der eine der beiden mit zartem Picking auf der Gitarre melodisch gestaltete Einschübe zwischen den Gesang, brachte der andere mit locker-leicht geschlagenen Akkorden die Musik fast schon im Stile eines klassischen brasilianischen Bossa Nova zum grooven. Und als dann später der Gastmusiker Davide Bertolini mit seinem Kontrabass dazu stiess wie im aktuellen Hit «Boat Behind», begann die Musik regelrecht zu swingen wie bei einer Gypsy-Jazzband. Zusätzlich gewannen die Songs mit romantischen Texten über Sehnsucht, Liebe und Freiheit an Farbe, wenn der zweite Gast des Abends Tobias Hett auf seiner Violine noch pizzicato gespielte Riffs über die Rhythmen der Gitarren legte wie im locker rollenden «Mrs. Cold».
Der gelegentlich auftretenden Monotonie vermochte die Band zumindest gegen Ende doch noch Paroli zu bieten durch ein ziemlich funky gespieltes «I Don’t Know What I Can Save You From» ergänzt mit sympathischen kleinen Show-Einlagen von Erlend Øye, bei denen er das Publikum gelungen zum Mitklatschen und Mitsingen animierte, ohne dabei in die bei solchen Aktionen oft auftretende Peinlichkeit abzurutschen.
Erschienen in der Basellandschaftlichen Zeitung